Kita-Notbetreuung: Senatsverwaltung appelliert an Eltern

Kita-Notbetreuung: Senatsverwaltung appelliert an Eltern

Zum Start der erweiterten Kita-Notbetreuung haben Elternvertreter und die Senatsverwaltung für Bildung Berliner Familien dazu aufgerufen, individuelle Betreuungsmodelle zu finden.

Ein Kind spielt mit einem Ball

© dpa

Ein Kind spielt mit einem Ball.

«Es bleibt auch nach wie vor das Ziel, soziale Kontakte zu reduzieren. (...) Damit in kleinen Gruppen betreut werden kann, ist zum Beispiel eine stunden- oder tageweise Betreuung möglich», sagte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD). Kitas und Eltern müssten den Bedarf klären und abstimmen, was machbar sei.
Wie viele Kinder die Einrichtungen unter den seit Montag geltenden Bedingungen besuchen, konnte die Senatsverwaltung zum Wochenauftakt nicht beantworten. Rückmeldungen würden die Kita-Träger in den kommenden Tagen geben. Seit Montag haben Alleinerziehende einen Anspruch auf die Kita-Notbetreuung. Zudem wurden weitere Gruppen in die Liste der systemrelevanten Berufe aufgenommen. Darunter fallen ab sofort auch Zahntechniker und Logopäden.
In den vergangenen Wochen hatten von den rund 170 000 Kitakindern in Berlin laut Familiensenatsverwaltung etwa 20 000 Kinder einen Anspruch auf Betreuung, also etwa zwölf Prozent. Tatsächlich waren demnach etwa 8000 bis 9000 Kinder in der Notbetreuung, jedoch nicht alle jeden Tag.
Der Landeselternausschuss Kita (LEAK) geht davon aus, dass unter den neuen Bedingungen rund zehn bis 20 Prozent der berechtigten Eltern auf die Betreuung verzichten werden. Das zeigten die Rückmeldungen der Eltern derzeit, sagte die LEAK-Vorsitzende Corinna Balkow. «Ein Teil der Eltern gehört selbst zur Risikogruppe oder hat entsprechende Angehörige.» Einige von ihnen hätten sich auch beim LEAK gemeldet. «Manche haben Angst, dass sie gezwungen werden, ihre Kinder in die Kita zu geben.» Nicht alle Arbeitgeber seien verständnisvoll, dass Eltern ihre Kinder im Homeoffice betreuen müssten und dann weniger von ihrem Arbeitspensum schaffen würden.
Auch vor der offiziellen Erlaubnis hätten einige Eltern private Betreuungen organisiert, etwa mit Nachbarn oder befreundeten Familien. Auf diese Möglichkeit weist auch die Senatsverwaltung in einem Schreiben an Kita-Eltern hin: «Prüfen Sie in diesem Sinne auch, ob die ab dem 27. April zulässige Möglichkeit einer privaten, insbesondere nachbarschaftlichen Betreuungshilfe eine Alternative für Sie sein könnte», heißt es darin. Eltern werden zudem aufgefordert, bei ihrer Entscheidung die Gesundheit des Kita-Personals zu berücksichtigen.
Zum Teil gehörten 30 bis 50 Prozent der Betreuer einer Kita den Risikogruppen an. Diese wollten oder könnten nicht immer arbeiten, sagte Balkow. «Insofern haben wir im Moment auf keinen Fall die Platzkapazitäten, die man im Normalbetrieb hätte.» Einzelne Kitas würden den Anspruch der Eltern daher abwiegeln, um nicht zu viele Kinder betreuen zu müssen.
Ab wann weitere Kinder die Kita besuchen dürfen, ist derzeit noch unklar. «Wir wollen nun so zügig wie möglich die nächsten Schritte gehen und unter anderem die Vorschulkinder wieder in die Kitas lassen», sagte Bildungssenatorin Scheeres am Montag. Laut Senatsbeschluss soll der Kita-Regelbetrieb noch vor August wieder aufgenommen werden. Die LEAK-Vorsitzende Balkow sagte, sie warte auf eine Einladung der Senatsstaatskanzlei, dass die Elternvertreter an den Beratungen über einen Fahrplan teilnehmen dürften.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Montag, 27. April 2020 16:23 Uhr

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