Geld ist da, Haus fehlt: Taubenstation kann nicht starten

Geld ist da, Haus fehlt: Taubenstation kann nicht starten

Für die geplante Taubenauffangstation in Berlin steht zwar Geld bereit, aber noch kein Gebäude. «Bislang wurde noch kein geeignetes Objekt gefunden. Dementsprechend kann das Projekt noch nicht beginnen», sagte Michael Reis, Sprecher der Senatsverwaltung für Justiz. Die Tiermedizinerin Almut Malone vom Verein Avian kritisieret, dass bisherige Pläne noch nicht umgesetzt wurden.

Diana Plange steht im Roten Rathaus

© dpa

Diana Plange, Tierschutzbeauftragte von Berlin, steht im Roten Rathaus.

Für 2020 stehen laut Reis 50 000 Euro zur Verfügung, für 2021 sind es 20 000 Euro. «Ein Objekt wurde bereits näher ins Auge gefasst, im Ergebnis jedoch verworfen, weil es nicht zentral genug lag. Derzeit läuft die Suche nach einem geeigneten Objekt weiter, soweit dies im Hinblick auf die Corona-Lage aktuell möglich ist», so der Sprecher.
Für bis zu 800 kranke, geschwächte oder verwaiste Stadttauben hat die Berliner Tierschutzbeauftragte Diana Plange eine Auffangstation geplant. Zwei Vollzeitmitarbeiter sollen dort neben Ehrenamtlichen arbeiten. Dieses Tauben-Projekt wollte Plange als erstes in Angriff nehmen - noch vor dem zentralen Taubenmanagement mit Stationen in allen Bezirken. Letzteres hatte sie bereits 2017 bei ihrem Amtsantritt angekündigt.
Doch aus beiden Ideen wird zumindest in ihrer jetzigen Amtszeit voraussichtlich nichts mehr werden. Denn sie endet im August. Plange selbst antwortete auf Anfragen nicht. Auch Sprecher Reis konnte zum Stand der Dinge keine weiteren Auskünfte geben. «Die Arbeitsweise der Verwaltung wirkt von außen sehr ineffektiv. Es werden Dinge angekündigt, aber es folgt nichts», kritisiert die Vogelschützerin Almut Malone.
Sie geht nicht davon aus, dass die zentrale Auffangstation in naher Zukunft realisiert wird. «Das geplante Geld reicht dafür auch gar nicht aus», sagt Malone. Und auch das Taubenmanagement, das mit den Bezirken organisiert werden soll, sieht sie auch noch nicht. «Dazu müsste ein durchdachtes Konzept umgesetzt werden», sagt Malone.
In Berlin gibt es derzeit nur in einigen Bezirken betreute Taubenschläge, die laut Malone unzureichend organisiert sind. Mit dem Austausch von Eiern gegen Attrappen soll die Vermehrung der Tauben tierschutzgerecht eingedämmt werden. Plange wollte in allen Bezirken Stationen einrichten, in denen Eier ausgetauscht werden.
Diana Plange wollte das Taubenproblem berlinweit in den Griff kriegen. In allen Bezirken sollte es betreute Taubenschläge geben. Mit anderen Städten stehe sie in Kontakt, um Erfahrungen zu sammeln. «Wir wollen für Berlin die bestmögliche Lösung», so die Fachtierärztin im Mai 2019. Die Zahl der Tauben in Berlin schätzte sie auf rund 8500. Laut Almut Malone ist in diesem Bereich nicht viel passiert: «Ich bin an die Bezirke und die zuständigen Stellen der Bahn herangetreten. Diese wurden noch nicht kontaktiert», berichtet sie.
Almut Malone wünscht sich, dass die «Billiglösung» mit Bauwagen durch eine zentrale, dauerhafte Lösung ersetzt wird. Sie hat das Augsburger Modell im Blick. Die Stadt in Bayern löst ihr Taubenproblem mit zehn betreuten Taubenschlägen und zwei Taubentürmen. Bis 1995 wurden die Tiere im Augsburger Stadtgebiet noch abgeschossen. Allerdings konnte damit das Problem laut Verwaltung nicht dauerhaft gelöst werden. Aus Sicht Almut Malones bräuchte Berlin etwa 50 hauptamtlich betreute Taubenschläge.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Sonntag, 26. April 2020 08:18 Uhr

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