Obdachlosen-Zählung: Ehemaliger Betroffener lobt Aktion

Obdachlosen-Zählung: Ehemaliger Betroffener lobt Aktion

Die geplante erste Zählung von Obdachlosen in Berlin am (heutigen) Mittwochabend ist von einem langjähigen Betroffenen begrüßt worden. Der frühere Obdachlose Klaus Seilwinder, der inzwischen Stadtführungen zu dem Thema macht, sagte im RBB-Inforadio: «Ich finde es toll, dass der erste Schritt gemacht wird. Es ist ein erster Versuch. Wenn irgendwas nicht klappt, hat man Ansatzpunkte, wie man es besser machen kann.»

Eine obdachlose Person in einem Eingang

© dpa

Ein Obdachloser liegt unter einer Decke in einem Eingang einer Kirche.

Mit der Zählung erkenne der Senat schon mal an, dass es ein Problem gebe. «Mein Gefühl ist: Solange es keine statistische Zahl gibt, ist auch kein Problem da.» Seilwinder sagte, einige Obdachlose könnten Angst haben und sich verstecken, wenn Zähltrupps auftauchen würden und sich der Aktion entziehen, obwohl anonym gezählt werde. «Aber ich kann mir schon vorstellen, dass ein Großteil es gut findet, dass endlich mal was getan wird.»
Auch Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Linke) verteidigte die von ihr angestoßene Zählung immer wieder auf Twitter gegen Kritik: «Eine Zählung wird seit Jahren gefordert. Auswerten können wir übermorgen, aber den Weg sollten wir gehen.»
Unter dem Titel «Nacht der Solidarität» sollen zwischen 22.00 Uhr und 01.00 Uhr rund 3700 freiwillige Helfer in mehr als 600 Teams auf festgelegten Routen durch die Berliner Bezirke laufen. Sie zählen die Menschen, die auf der Straße, unter Brücken und in Zelten leben. Erfasst werden sollen auch freiwillige Angaben zu Alter, Geschlecht, Nationalität und Zeitraum der Wohnungslosigkeit.
Seit Jahrzehnten gibt es für die Hauptstadt nur grobe Schätzungen über das Ausmaß von Obdachlosigkeit. Die Zahlen liegen zwischen 6000 und 10 000 Menschen. Die Zählung soll eine statistische Grundlage schaffen, um noch passendere Hilfsangebote anbieten zu können. Wie verlässlich die Zahlen sein werden, steht noch nicht fest. Bekanntgegeben werden sollen sie am 7. Februar.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Mittwoch, 29. Januar 2020 10:37 Uhr

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