Nicht aufwecken: Regeln für Berlins erste Obdachlosenzählung

Nicht aufwecken: Regeln für Berlins erste Obdachlosenzählung

Nicht duzen, nicht drängen und nicht aufwecken: Für Berlins erste Obdachlosenzählung in der «Nacht der Solidarität» Ende Januar gibt es bestimmte Verhaltensregeln.

Ein Obdachloser liegt unter einer Decke

© dpa

Ein Obdachloser liegt unter einer Decke in einem Eingang einer Kirche in Kreuzberg.

2530 Berliner wollen bislang bei der Zählung in der Nacht vom 29. auf den 30. Januar ehrenamtlich mitmachen. Noch werden weitere Helfer gesucht, eine Anmeldung ist bis zum 6. Dezember möglich. «Wir rechnen mit mehr als 3000 Freiwilligen», sagt Stefan Strauss, Sprecher der Senatssozialverwaltung.

Bislang konnte die Obdachlosenzahl nur geschätzt werden

Wie viele Obdachlose leben in Berlin und wie viele schlafen auch im Winter nachts im Freien? Seit Jahrzehnten kann niemand diese Fragen genau beantworten, es gibt lediglich Schätzungen. Sie schwanken zwischen 6000 und 10 000 Menschen, die in der Hauptstadt auf der Straße leben - Tendenz steigend.
Wohlfahrtsverbände und Sozialarbeiter fordern seit Langem eine statistische Grundlage, um Menschen von der Straße das ganze Jahr über passende Unterstützung anbieten zu können - also mehr als die bisherige Kälte-Nothilfe im Winter. Sie wollen etwa wissen, wie viele Männer und Frauen auf der Straße leben, welche Sprachen sie sprechen und wie alt und gesund sie sind. Ein relativ neues Bild sind in Berlin Obdachlose im Rollstuhl, auf die nicht alle Notübernachtungen eingerichtet sind.

500 Teams sollen in der «Nacht der Solidarität» durch die Straßen ziehen

Nach bisherigen Planungen sollen in der sogenannten Nacht der Solidarität rund 500 Teams - bestehend aus drei, vier oder mehr Helfern - zwischen 22.00 Uhr und 1.00 Uhr auf festgelegten Routen durch die Bezirke laufen. Die Strecken sind in Zusammenarbeit mit sozialen Trägern entstanden. Diese wissen oft, wo Obdachlose übernachten.

Befragt wird im öffentlichen Raum

Fest steht aber auch, dass die Teams nicht Abrisshäusern oder Privatgelände durchsuchen, sondern nur im öffentlichen Raum. Ein speziell geschulter Teamleiter hat Kenntnisse über Sozialarbeit und Obdachlosenhilfe. In den Hotspots - etwa am Kottbusser Tor oder am Bahnhof Lichtenberg - sollen nur Teams mit solch erfahrenen Mitgliedern unterwegs sein.

Das Beantworten von Fragen ist für Obdachlose freiwillig

Sie werden aus Respekt auch grundsätzlich gesiezt, wie es im Verhaltenskodex für die Helfer heißt. Wer nicht mit den Teams reden möchte, wird nur gezählt. Es soll keinen Druck geben. Wer schläft, kann auch weiterschlafen. Wer sich versteckt, wird nicht gesucht.

Für Helfer gibt es klare Verhaltensregeln

Keine Fotos, keine Posts und keine Weitergabe von Namen und Daten an Dritte. «Das ist keine Obdachlosen-Safari», betont Sprecher Stefan Strauss. Gut zu Fuß sollten die Helfer aber sein - und gerüstet gegen Kälte, Schnee oder Regen. Registriert haben sich bisher vor allem Studenten. Überraschungen gab es aber auch: Ein Chor habe sich etwa gemeldet und für die Nacht ein Lied einstudiert, berichtet Strauss.

Anmeldungen sind online oder telefonisch möglich

Für Helfer haben die ersten Info-Veranstaltungen in den Bezirken bereits begonnen. Alle Freiwilligen sollten am 29. Januar Zeit von 19.00 Uhr abends bis 01.00 Uhr nachts mitbringen. Vor der Zählung gibt es in zentralen Büros Besprechungen. Wer sich verbindlich für anmelden möchte, kann sich unter www.berlin.de/nacht-der-solidaritaet/mitmachen/ registrieren oder unter der Telefonnummer 030 76 23 65 00 anrufen.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Samstag, 30. November 2019 20:07 Uhr

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