Berliner Parteien lehnen Spielmethode Original Play ab

Berliner Parteien lehnen Spielmethode Original Play ab

In der Kritik an der Kita-Spielmethode Original Play sind sich die Parteien im Berliner Abgeordnetenhaus einig. Unterschiede gibt es bei der Bewertung im Detail. Bei solchen Spielen werde ein Umfeld geschaffen, das Missbrauch begünstige, sagte der CDU-Abgeordnete Roman Simon am Donnerstag. Er verlangte Aufklärung vom Senat und ein Verbot aller Spiele, das den Körperkontakt zwischen Kindern und fremden Erwachsenen ermögliche. 

Sandra Scheeres sitzt bei einer Sitzung

© dpa

Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) sitzt bei einer Sitzung.

Original Play ist in die Kritik geraten, nachdem es im vergangenen Jahr Missbrauchswürfe im Zusammenhang mit einer Berliner Kita gegeben hatte. Dort war die Spielmethode, die engen Körperkontakt zwischen Erwachsenen und Kindern einschließt, angewendet worden. 
Die Linken-Abgeordnete Katrin Seidel kritisierte, es sei ihr völlig unverständlich, dass solche Angebote zum Einsatz kämen. Original Play verbieten zu wollen, sei aber das Eine. Genauso wichtig seien kritische Eltern, der sichere Blick der Fachkräfte und ein verbindliches Verfahren, an wen sich Eltern und Träger wenden könnten. 
Auch nach den Worten von Melanie Kühnemann-Grünow von der SPD sind Ansätze wie Original Play inakzeptabel. Aktuell sei allerdings in Berlin keine Kita bekannt, in der die Spielmethode, die auf den US-Amerikaner Fred Donaldson zurückgeht, noch angewendet werde. 
Familien-Senatorin Sandra Scheeres (SPD) sagte, sie sehe Original Play kritisch. «Meine Verwaltung hat gestern ein definitives Verbot ausgesprochen», sagte Scheeres. 
In dem Schreiben von Mittwoch unter anderem an die Träger der Tageseinrichtungen für Kinder im Land Berlin heißt es, die Anwendung der Methode sei im Rahmen des präventiven Kinderschutzes zu unterlassen. «Nach derzeitigem Stand ist nicht auszuschließen, dass es bei der Anwendung zu Grenzüberschreitungen bzw. Grenzverletzungen sowie zu Gefährdungen kommt.»
Ähnlich bewertet das Bildungsministerium in Brandenburg Original Play: «Das Ministerium nimmt die aktuelle Debatte zum Anlass, mit einem Schreiben alle Träger zu informieren, dass die Methode in den Kindertagesstätten des Landes nicht angewendet werden darf», hieß es am Mittwoch in einer Mitteilung.
Scheeres sprach im Abgeordnetenhaus den Fall in einer Berliner Kindertagesstätte an, bei dem es nach einer Anzeige staatsanwaltschaftliche Ermittlungen gegeben hatte, die eingestellt wurden. «Wir haben mit unser Kita-Aufsicht sofort reagiert, da fackeln wir überhaupt nicht», sagte Scheeres. «Es sind auch Konsequenzen gezogen worden bezüglich dieser Einrichtung, nämlich dass die Kitaleitung ausgetauscht wurde, die Kita wurde kurzzeitig geschlossen, ein anderes Team wurde installiert.»
Über das Thema und die beiden Anträge dazu soll nun der entsprechende Ausschuss beraten, wie die Abgeordneten mehrheitlich entschieden. 

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Donnerstag, 31. Oktober 2019 19:53 Uhr

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