Terre des Femmes: Gesetz gegen Kinderehen greift noch nicht

Terre des Femmes: Gesetz gegen Kinderehen greift noch nicht

Das neue Gesetz zur Bekämpfung von Kinderehen in Deutschland ist nach Einschätzung der Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes in der Praxis noch nicht angekommen. Das Gesetz vom Juli 2017 soll vor allem geflüchtete junge Mädchen schützen, die in ihrer Heimat unter 18 Jahren verheiratet wurden - viele unter Zwang. Nach einer aktuellen Umfrage von Terre des Femmes wurden in den vergangenen zwei Jahren 813 Fälle solcher Kinderehen in Deutschland gemeldet. Es seien von deutschen Behörden aber nur 97 Anträge auf Eheaufhebung bei Familiengerichten gestellt worden. In bisher 53 Urteilen seien nur zehn Ehen dann auch aufgehoben worden.

Die Statistik ist nach Angaben von Terre des Femmes nicht vollständig, da nur einige Bundesländer die Anzahl der Kinderehen zentral erfassen oder Statistiken führen, darunter Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Hessen. In anderen Ländern seien die Zuständigkeiten zersplittert. Nicht von allen Behörden seien die erbetenen Rückmeldungen gekommen. In Berlin reagierten zum Beispiel nur vier von zwölf Bezirken.
Für Myria Böhmecke, Referentin bei Terre des Femmes, wirft die Statistik dennoch ein Schlaglicht auf die Situation. «Die wenigen Aufhebungen von Frühehen bilden nicht die Wirklichkeit ab», urteilte sie. «In vielen Fällen sind diese Verbindungen keine freien Lebensentscheidungen der Mädchen.» Für die Bundesebene lägen bisher noch keine Zahlen vor, sagte ein Sprecher des Bundesjustizministeriums. Sie würden erst bis Ende dieses Jahres für eine Evaluierung des Gesetzes abgefragt.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Mittwoch, 18. September 2019 06:30 Uhr

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