Neukölln: Kiezhausmeister gegen Müllhalden

Neukölln: Kiezhausmeister gegen Müllhalden

Was tun, wenn vor der Haustür plötzlich ein olles Sofa und eine durchgelegene Matratze stehen? Neukölln erprobt seit einigen Monaten neue Wege.

  • Vorstellung der Kiezhausmeister© dpa
    Martin Hikel (3.v.l, SPD), Bezirksbürgermeister von Neukölln, mit fünf Kiezhausmeistern.
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    09.08.2019, Berlin: Eine illegal entsorgte Matratze liegt auf einem Gehweg in Neukölln, darauf wurden die Worte "Nicht richtig!!" gesprüht.
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    09.08.2019, Berlin: Martin Hikel (SPD), Bezirksbürgermeister von Neukölln, unterhält sich anlässlich der Vorstellung der sechs Kiezhausmeister mit der am Wartheplatz wohnenden 85-jährigen Helga Schwetzke.
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    09.08.2019, Berlin: Mohames, ein sogenannter Kiezhausmeister, fotografiert einen Haufen Müll. Im Kampf gegen illegale Müllentsorgung sind seit diesem Sommer insgesamt sechs Kiezhausmeister im Bezirk unterwegs, die sich für ein sauberes und lebenswertes Neukölln einsetzen.
Neukölln erprobt eine neue Strategie gegen illegalen Straßenmüll: Bezirksbürgermeister Martin Hikel (SPD) stellte am Freitag eine Zwischenbilanz der fünf «Kiezhausmeister» vor, die seit Februar 2019 im Auftrag des Bezirksamts unterwegs sind. Die Männer und Frauen melden seit einigen Monaten zum Beispiel illegalen Müll beim Ordnungsamt, organisieren Putzaktionen mit Vereinen oder verleihen vier Lastenfahrräder für Mülltransporte. Sie sehen ihre Arbeit als Erfolg. «Kein Müll mehr auf den Straßen ist ein Mehrwert für alle», sagt Hikel.

Kiezhausmeister protokollieren und informieren

Mohamed Abdayem ist seit Anfang Mai Kiezhausmeister. Das Interesse bei den Menschen sei da, sagt er. «Viele Familien wissen zum Beispiel gar nicht, wie und wo sie ihren Sperrmüll anmelden müssen. Seit wir hier sind, sind die Straßen sauberer».

Neuköllns Müllhalden sind seit Jahren ein Ärgernis

Im Jahr 2018 entsorgte die Berliner Stadtreinigung (BSR) in diesem Bezirk 9480 Kubikmeter illegalen Sperrmüll und Elektroschrott. Das entspreche einem 21 Meter hohen Wohnhaus, inklusive Hof, rechnet der studierte Mathematiklehrer Hikel vor. Hinter ihm in der Altenbraker Straße ist ein aufgetürmter Sperrmüllhaufen vor einem Wohnhaus zu sehen - ein Sofa, das von einer großen Matratze begraben wird. Auf die Matratze ist in orangefarbener Leuchtschrift «Nicht richtig!» gesprüht.
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Service-Portal: Sperrmüll (illegal) - Entsorgung

Die Entsorgung von (illegalem) Sperrmüll auf öffentlichem Straßenland erfolgt durch die BSR, auf Grünflächen sind die Straßen- und Grünflächenämter, auf unbebautem Privatgelände die Umwelt- und Naturschutzämter und auf bebautem Privatgelände die Wohnungsaufsichtsämter der Bezirke zuständig. mehr

«Schön wie wir - für ein lebenswertes Neukölln»

Neuköllns - und auch Berlins - Müllproblem ist noch viel größer: Für Autowracks und Bauschutt ist die BSR nicht zuständig - dafür beauftragt jeder Bezirk Spezialfirmen. Die Neuköllner Kiezhausmeister gehören zur Initiative «Schön wie wir - für ein lebenswertes Neukölln», die das Bezirksamt 2016 startete.

Auch Spielplatz- und Umwelt-Paten gehören zur Initiative

Petra Schmidt ist seit Mai «Kiezhausmeisterin». Das sei kein Ehrenamt, sondern eine fest bezahlte Stelle, sagt sie. Um 8.30 Uhr beginne ihr Arbeitstag. In Zweiergruppen würden die Kiezhausmeister zu Rundgängen aufbrechen, um Müllhaufen zu protokollieren und zu melden. Sie seien durch blaue T-Shirts sowie pinke und gelbe Lastenfahrräder zu erkennen.

Bürger können Gegenstände bei Sperrmüllfesten tauschen

Kiezhausmeister planen auch Sperrmüllfeste, bei denen Anwohner vorbeikommen und noch brauchbare Gegenstände untereinander tauschen können. Alles übrige können sie bei den BSR-Autos vor Ort abgeben. «Das wird sehr gut angenommen», sagte Schmidt. In diesem Jahr seien noch vier weitere Feste geplant.
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Quelle: dpa

| Aktualisierung: Freitag, 9. August 2019 20:59 Uhr

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