Breitscheidplatz: Polizei-Führungsgruppe für Sofortlagen

Breitscheidplatz: Polizei-Führungsgruppe für Sofortlagen

Vieles sollte sich bei der Polizei in Berlin nach dem Terroranschlag mit zwölf Toten ändern. Nun gibt es einen umfassenden Bericht dazu.

Pk der Polizei zum Terroranschlag am Breitscheidplatz

© dpa

Barbara Slowik, Polizeipräsidentin, und Siegfried-Peter Wulff, Leiter der Direktion Einsatz. Foto: Wolfgang Kumm

Berlin (dpa/bb) - Die Polizei in Berlin hat seit Februar des Vorjahres 176 Fälle als besondere gefährliche Situationen klassifiziert. In 34 Fällen musste tatsächlich eingegriffen werden, wie Siegfried-Peter Wulff, Leiter der Direktion Einsatz, am Dienstag mitteilte. Er stellte einen Bericht zu Erkenntnissen und Erfahrungen aus dem Terroranschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt vom Dezember 2016 vor. Knapp 230 Handlungsempfehlungen der Polizei wurden demnach überprüft.
Die Bildung einer ständigen «Führungsgruppe für Sofortlagen» vor rund fünfzehn Monaten ist eine Konsequenz aus dem bislang schwersten islamistischen Anschlag in Deutschland. Die Koordinierungsstelle mit sechs Beamten höre den Polizeifunk mit und könne sofort reagieren, wenn etwa Schüsse in der Stadt fallen. Zeitnah werde über eine Fahndung entschieden, erste Kräfte könnten zusammengestellt, ein Einsatzkanal festgelegt werden, so Wulff. Wichtig sei ein einheitliches taktisches Konzept.
«Dort wird Phase 1 geführt», so Polizeipräsidentin Barbara Slowik. Sofortlagen sind den Angaben zufolge Bedrohungen, Amokläufe, schwere Unfälle und Anschläge. Mehr als 50 besondere Lagen betrafen im Vorjahr das Regierungsviertel, hieß es. Die Führungsgruppe sei noch in der Erprobungsphase.
Das bislang letzte Mal war demnach eine besondere Lage bei der Notlandung einer Bundeswehrmaschine in Tegel im April vorbereitet worden. Der Luftwaffenjet hatte mit beiden Flügeln den Boden geschrammt und war nur knapp einer Katastrophe entgangen.
Die Polizeipräsidentin sieht ihre Behörde heute professionell und zeitgemäß aufgestellt. 95 Millionen Euro seien investiert worden, darunter in neue Schutzkleidung und Waffen für die Beamten. Hundertprozentige Sicherheit könne es aber nicht geben, betonte sie. Slowik war zum Zeitpunkt des Anschlags noch nicht im Amt.
Bei dem Anschlag mit zwölf Toten kurz vor Weihnachten 2016 waren auch Dutzende Menschen verletzt worden. Der tunesische Attentäter Anis Amri konnte zunächst fliehen, er wurde wenige Tage später von der italienischen Polizei erschossen.
An deutschen Behörden war nach dem Attentat Kritik laut geworden, Hinterbliebene und Verletzte beklagten Bürokratie und Untätigkeit. Mehrere Untersuchungsausschüsse versuchen, das Geschehen aufzuarbeiten. Slowik sagte, eindeutige Fehler sehe sie nicht bei der Berliner Polizei. Sie sprach vielmehr von strategischen Veränderungen und optimierten Handlungen. Laut Wulff wurde die Opferbetreuung nun koordiniert.
Verstärkt ins Blickfeld der Polizei sind auch «Drohnenvorfälle» geraten. Hier gebe es einen deutlichen Anstieg, gerade im Regierungsviertel, hieß es. Allein beim Christopher Street Day am vergangenen Wochenende seien elf solcher Fluggeräte festgestellt worden.
Die Behörde teste jetzt auch entsprechende Abwehrgeräte. Die Berliner Polizei sei bundesweit die erste anerkannte Stelle, die Drohnenführer ausbilden darf. Ein Drohnen-Abwehr-Abschnitt wurde den Angaben zufolge gebildet.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Dienstag, 30. Juli 2019 14:40 Uhr

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