Senator fürs Grobe: Ex-Innensenator Lummer gestorben

Senator fürs Grobe: Ex-Innensenator Lummer gestorben

Feindbild bei Linken, beliebt bei Älteren: Der frühere Innensenator Heinrich Lummer polarisierte wie kaum ein anderer. Jetzt ist der konservative Politiker mit 86 Jahren gestorben.

Heinrich Lummer

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Der Berliner CDU-Politiker Heinrich Lummer, aufgenommen im Jahr 1997. Foto: Klaus Franke/Archivbild

Berlin (dpa/bb) - Berlins ehemaliger Innensenator Heinrich Lummer ist tot. Das bestätigten Berlins CDU-Chef Kai Wegner und der Verein «Die Deutschen Konservativen», dessen Ehrenpräsident Lummer war. Nach einem Bericht der «Berliner Morgenpost» (online) vom Montag starb Lummer bereits am Samstagabend in einem Pflegeheim im Stadtteil Zehlendorf im Alter von 86 Jahren. Er war von 1981 bis 1986 Innensenator. Seit einem Schlaganfall vor 16 Jahren war er fast ganz aus der Öffentlichkeit verschwunden.
«Es ist ein großer und zugleich streitbarer Politiker von uns gegangen, der stets für seine klare Sprache bekannt war», erklärte CDU-Chef Wegner. Unvergessen bleibe ihm Lummers «herzliche und ehrliche Bürgernähe, die gerade für die heutige Politikergeneration ein Vorbild sein sollte». Berlins Regierungschef Michael Müller (SPD) würdigte Lummer als «eine der wichtigen politischen Persönlichkeiten des alten West-Berlin». Wie «Die Deutschen Konservativen» unter Berufung auf die Witwe mitteilten, soll Lummer am 2. Juli in Berlin beerdigt werden.
Lummer geht als Senator fürs Grobe in die Berliner Geschichte ein. Besonders während seiner Zeit als Innensenator in der Frontstadt des Kalten Krieges profilierte sich der Elektromechaniker mit harter Hand und kernigen Sprüchen als populistischer Konservativer. Durch seinen deutlichen Rechtsdrall polarisierte Lummer wie kaum ein anderer Politiker, was ihm ebenso Sympathien wie blanken Hass eintrug.
Der Schlaganfall hatte die über 30-jährige Politikkarriere Lummers jäh beendet. Durch eine Lähmung der rechten Körperhälfte fielen dem eloquenten Politologen Bewegungen und Sprechen äußerst schwer, er saß im Rollstuhl und mied politische Veranstaltungen. Zuletzt konnte er nicht mehr sprechen, war aber noch «klar im Kopf», wie Wegner sagte.
Bereits nach seinem Ausscheiden aus dem Bundestag, dem er zwölf Jahre lang angehört hatte (1987-1998), war es ruhiger um Lummer geworden. Der damals 66-Jährige widmete sich danach lang vernachlässigten Interessen und studierte an der FU Berlin Kunstgeschichte.
Doch ein Leben ganz ohne Politik war für den nur 1,58 Meter großen Mann nicht denkbar. Im Bundestagswahlkampf 1998 richtete sich Lummer in ganzseitigen Anzeigen gegen einen Wahlsieg des SPD-Kanzlerkandidaten Gerhard Schröder - aus Besorgnis vor einer «Volksfront-Regierung aus Rot-Grün und PDS». Er stritt danach noch mehrfach in Artikeln in rechten Publikationen für ein Verschärfen des Asylrechts und das Bewahren deutscher Werte und Kultur.
In seinem langen Politikleben fiel der CDU-Rechtsaußen häufig durch Stammtisch-Parolen auf. Nicht nur in der Asylpolitik versuchte Lummer mit starken Worten, rechte Wähler an die CDU zu binden. Er scheute auch nicht davor zurück, die rechtsradikalen Republikaner als koalitionsfähig zu bezeichnen. Während der Hausbesetzer-Krawalle in Berlin Anfang der 80er Jahre war er für die Linken das Feindbild Nummer eins, was ihn vor allem bei der älteren Bevölkerung nur noch beliebter machte.
Der gebürtige Essener war bereits 1953 in die CDU eingetreten. 1957 kam er nach Berlin, um Politikwissenschaft zu studieren. Zunächst wurde Lummer Geschäftsführer der CDU-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, 1969 übernahm er das Amt des Fraktionschefs. Nach eineinhalb Jahren Amtszeit als Parlamentspräsident holte der Regierende Bürgermeister Richard von Weizsäcker Lummer 1981 überraschend als Innensenator in den CDU-Minderheitssenat. Das blieb er auch in der CDU/FDP-Regierung unter Eberhard Diepgen.
1986 musste Lummer seinen Senatorensessel räumen, als bekannt wurde, dass er 1970/71 im Wahlkampf 2000 Mark an eine rechtsradikale Gruppe gezahlt hatte. Nur ein Jahr später (1987) gelang ihm jedoch der Einzug in den Bundestag im Wahlkreis Spandau. 1989 geriet er erneut ins Gerede: Mit seiner langjährigen Beziehung zu einer Stasi-Mitarbeiterin in den 70er Jahren beschäftigte sich ein Untersuchungsausschuss.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Montag, 17. Juni 2019 20:30 Uhr

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