Jüdische Gemeinde Berlin: Klein greift mit Diagnose zu kurz

Jüdische Gemeinde Berlin: Klein greift mit Diagnose zu kurz

Die Jüdische Gemeinde zu Berlin hat verhalten auf die Warnung des Antisemitismusbeauftragten der Bundesregierung, Felix Klein, zur Sicherheitslage der Juden in Deutschland reagiert. «Ich hätte von Herrn Klein erwartet, dass er nämlich hinter seiner richtigen Diagnose klar und unmissverständlich hinzufügt: "Ich werde alles dafür unternehmen, dass sich Juden in Deutschland zu jeder Tages- und Nachtzeit angstfrei bewegen können», sagte der Antisemitismusbeauftragte der Gemeinde, Sigmount Königsberg.

Sigmount Königsberg

© dpa

Sigmount Königsberg. Foto: Sophia Kembowski/Archivbild

Klein hatte der Funke-Mediengruppe gesagt: «Ich kann Juden nicht empfehlen, jederzeit überall in Deutschland die Kippa zu tragen. Das muss ich leider so sagen.» Er habe seine Meinung «im Vergleich zu früher leider geändert».
Königsberg sagte, auch Zentralratspräsident Josef Schuster habe bereits erklärt, Juden könnten heute überall angegriffen werden. Der wachsende Antisemitismus gehe aber nicht von einer Personengruppe, etwa von Muslimen aus. Das zeigten auch die Zahlen der Recherche und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS) über die Orte in der Stadt mit den meisten Übergriffen.
Insgesamt erfasste RIAS Berlin 1083 antisemitische Vorfälle in Berlin, ein Anstieg um 14 Prozent. Demnach ereigneten sich die meisten Vorfälle wie im Vorjahr im Bezirk Mitte (146), gefolgt von Charlottenburg-Wilmersdorf (80). In Friedrichshain-Kreuzberg kam es zu einem auffälligen Anstieg: von 42 (2017) auf 65. In Neukölln stieg die Zahl von 51 (2017) auf 56. In Treptow-Köpenick kam es fast zu einer Verdoppelung: Von 16 (2017) auf 31 (2018). Die meisten Fälle wurden auf offener Straße und im öffentlichen Nahverkehr registriert.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Montag, 27. Mai 2019 14:50 Uhr

Weitere Meldungen