Akademie würdigt Schriftsteller Volker Braun zum Geburtstag

Akademie würdigt Schriftsteller Volker Braun zum Geburtstag

Volker Braun zählt zu den wichtigsten deutschen Autoren der Nachkriegszeit. Mit «Übergangsgesellschaft» hat er schon weit vor 1989 einen Bühnennachruf auf die DDR geschrieben.

Volker Braun

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Sächsische Akademie der Künste würdigt Volker Braun zum 80. Foto: Arno Burgi

Dresden (dpa) - Die Sächsische Akademie der Künste feiert mit Volker Braun eines ihrer langjährigen Mitglieder. Der Schriftsteller, der mit «Übergangsgesellschaft» schon vor 1989 einen Bühnennachruf auf die DDR schrieb, wird am Dienstag 80 Jahre alt. Akademiepräsident Holk Freytag würdigte ihn am Montag in seiner Geburtsstadt Dresden als «Zeitzeugen und Chronisten».
Braun habe Zeit seines Lebens in die Wirklichkeit eingegriffen, seine Stimme habe stets die Diskrepanz von Wirklichkeit und Möglichkeit vor Augen geführt. «Wir freuen uns, seine Stimme in unseren Reihen zu wissen.» Braun ist seit 1996 Mitglied der Klasse Literatur und Sprachpflege - neben Kollegen wie Christoph Hein, Marcel Beyer, Ingo Schulze, Clemens Meyer oder Durs Grünbein.
Der gebürtige Dresdner studierte Anfang der 1960er Jahre Philosophie in Leipzig, nach Druckereiarbeit und Maschinistenausbildung im Tagebau. Unter den DDR-Autoren galt er als Grübler und Philosoph. Kennzeichnend für ihn, dessen Stücke zu DDR-Zeiten vielfach im Westen zuerst auf die Bühne kamen, ist das «Training des aufrechten Gangs», wie Braun 1979 einen Gedichtband nannte. Das gilt auch für das «uneingeschüchterte» Weiterschreiben im wiedervereinigten Deutschland, obwohl es da etwas ruhiger um ihn wurde.
Der Dramatiker («Die Kipper»), Lyriker, Erzähler und Essayist galt auch immer als ein politischer Autor, der mit der Geschichte aber «keine grundsätzliche Hoffnung verbinden» kann, wie er in seiner Rede zur Verleihung des Georg-Büchner-Preises 2000 sagte. Sich an jeder Wirklichkeit - ob Osten oder Westen - abarbeiten, ist Brauns Lebens- und Arbeitsprinzip. Manche seiner Bücher wurden in der DDR unterdrückt, Theaterstücke erst um Jahre verzögert zugelassen.
Der Heinrich-Heine-Preisträger von 1971, Büchner-Preisträger von 2000 und frühere Dramaturg am Berliner Ensemble und Autor des Deutschen Theaters ist ein widerspruchsvoller Geist. Mit seiner kritischen Distanz zur offiziellen Politik gehörte Braun dem Vorstand des DDR-Schriftstellerverbandes und der Akademie der Künste an - und 1976 zu den Unterzeichnern der Protestresolution gegen die Ausbürgerung von Wolf Biermann aus der DDR. Zu deren Untergang kam sein damals spektakuläres, schon 1982 geschriebenes Theaterstück «Die Übergangsgesellschaft» im Maxim-Gorki-Theater Berlin heraus.
In seinem zum 75. Geburtstag 2014 erschienenen «Werktage Arbeitsbuch» reflektierte Braun «Nachwendezeit» und deutsche Einheit - und ringt nach wie vor mit dem Text.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Montag, 6. Mai 2019 17:40 Uhr

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