1.Mai-Demo gegen hohe Mieten: Zehntausende feiern friedlich

1.Mai-Demo gegen hohe Mieten: Zehntausende feiern friedlich

Die Rigaer Straße galt als Symbol der Hausbesetzerszene. Nun soll sie am Abend des 1. Mai zu einem Schauplatz eines Protests werden. Ein Großaufgebot von Polizisten ist angerückt.

1. Mai in Berlin

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Teilnehmer der linksradikalen «Revolutionären 1. Mai-Demonstration» in Berlin. Foto: Ralf Hirschberger

Berlin (dpa/bb) - Zehntausende Menschen haben bei Straßenfesten in Berlin den 1. Mai gefeiert und gegen steigende Mieten protestiert. Am Abend versammelten sich Demonstranten zu der traditionellen «Revolutionären 1. Mai-Demonstration» in Berlin-Friedrichshain. Die Teilnehmer wollten unter dem Motto «Gegen die Stadt der Reichen» auch durch die Rigaer Straße ziehen, vorbei an früher besetzten Häusern. Die genaue Route des nicht angemeldeten Protestzuges stand bislang aber nicht fest.
Am Nachmittag feierten zehntausende Menschen bei sonnigem Wetter im Stadtteil Kreuzberg ein Straßenfest. Im Villenviertel Grunewald gingen Demonstranten gegen steigende Mieten auf die Straße.
In der Bundeshauptstadt waren am 1. Mai insgesamt knapp 5500 Polizisten aus mehreren Bundesländern im Einsatz. Allein 2000 Beamte waren für die Demonstration in Friedrichshain vorgesehen. In früheren Jahren hatte es nach dem abendlichen Aufzug mit teilweise mehr als 10 000 Teilnehmern oft Zusammenstöße zwischen Randalierern und der Polizei gegeben.
Teilnehmerzahlen für die «Revolutionäre 1.Mai-Demonstrationn» nannte die Polizei am frühen Mittwochabend bislang nicht. Nach Schätzungen von Beobachtern kamen zunächst etwa 2000 Menschen zusammen. Auch viele junge, bunt gekleidete Menschen waren dabei. Manche waren schwarz gekleidet, trugen dunkle Sonnenbrillen und Kapuzen oder Mützen. Die Polizei versuchte, per Lautsprecheransagen Kontakt zu einem Verantwortlichen der Demonstration aufzunehmen.
Im Vorjahr war der «Revolutionäre 1. Mai» noch in Kreuzberg und blieb erstmals ohne größere Zwischenfälle. Vereinzelt gab es Flaschen- und Böllerwürfe auf die Polizei.
Am Nachmittag des Mai-Feiertages zog das traditionelle «Myfest» in Berlin-Kreuzberg zehntausende Menschen an. Viele Straßen rings um das Kottbusser Tor und den Görlitzer Park waren überfüllt. Die Menschen waren in Partystimmung, Straßenkünstler traten auf.
Die Polizei war auch dort mit einem starken Aufgebot vertreten. Ein Polizeisprecher zeigte sich sehr zufrieden: «Das läuft ganz, ganz angenehm.» Auch Innensenator Andreas Geisel (SPD) machte sich vor Ort ein Bild der Lage.
Beim Kreuzberger «Myfest» sollte es in diesem Jahr weniger Bühnen und Imbissstände geben, um die ausufernde Veranstaltung zu begrenzen. Dennoch war es so voll wie in den Vorjahren. In einer Umfrage hatten sich viele Bewohner im Stadtteil Kreuzberg über Müll, Unrat, Gestank und Lärm beschwert.
Innensenator Geisel hatte angekündigt, die «bewährte Doppelstrategie» fortzuführen, nach der sich die Polizei zurückhält, solange friedlich protestiert wird, gegen Gewalttäter aber hart und konsequent durchgreift. Der SPD-Politiker erklärte, er hoffe, dass die positive Entwicklung der vergangenen Jahre weiter gehe. Rund um den 1. Mai hielen sich auch zehn Staatsanwälte bereit, um nach Festnahmen rasch gegen Randalierer und Gewalttäter Haftbefehle beantragen zu können.
Im Villenviertel Grunewald protestierten die Menschen am Nachmittag, teils verkleidet, gegen hohe Mieten und Verdrängung. In Berlin ist eine Debatte um fehlende Wohnungen und die Entwicklung der Preise entbrannt. Es gibt ein Volksbegehren zur Enteignung großer Wohnungsunternehmen.
«Kapitalisten enteignen» und «Voll ungerecht» war auf Transparenten zu lesen. Die Stimmung im Grunewald - die Demo dort war als satirische Aktion angekündigt - war ausgelassen und friedlich, es gab Live-Musik. Einige Teilnehmer kamen als «Gespenster der Enteignung». Anwohner standen an den Fenstern und auf Balkonen und beobachteten das Treiben. Die Organisatoren der Demonstration im Grunewald sprachen von rund 7500 Teilnehmern.
Der Feiertag hatte am Vormittag mit einer großen Demonstration der Gewerkschaften mit mehr als zehntausend Teilnehmern in Mitte begonnen. Traditionell mobilisiert die Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung am 1. Mai für bessere Arbeitsbedingungen und höhere Löhne.
Am Nachmittag demonstrierten in Pankow mehrere Hundert Menschen gegen eine AfD-Veranstaltung. Bis zum Nachmittag gab es dort keine größeren Zwischenfälle. In Sachsen, Thüringen und Nordrhein-Westfalen hielt die Polizei mit einem Großaufgebot Teilnehmer rechter und linker Demonstrationen auseinander.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Mittwoch, 1. Mai 2019 19:30 Uhr

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