Evers soll CDU-Generalsekretär in Berlin bleiben

Evers soll CDU-Generalsekretär in Berlin bleiben

Nach dem Aus für Monika Grütters an der Berliner CDU-Spitze waren schon Abgesänge auch auf ihren Generalsekretär zu lesen. Nun trifft der neue starke Mann Wegner eine bemerkenswerte Entscheidung.

Kai Wegner und Stefan Evers (beide CDU)

© dpa

Kai Wegner (r), Kandidat für den Landesvorsitz, und Stefan Evers (l), bisheriger Generalsekretär, lächeln. Foto: Michael Kappeler

Berlin (dpa/bb) - Berlins designierter neuer CDU-Chef Kai Wegner hält an Generalsekretär Stefan Evers fest - und setzt damit fünf Wochen vor dem Parteitag, auf dem die bisherige Vorsitzende Monika Grütters abgelöst werden soll, ein Zeichen.
Wegner kündigte am Freitag an, dass er Evers am 18. Mai für den Posten vorschlägt. In intensiven Gesprächen seien beide zu dem Schluss gekommen, dass sie die Hauptstadt-CDU, in der es Risse und Gräben gebe, gemeinsam voranbringen und zusammenführen könnten.
Evers (39) hatte das Amt im Dezember 2016 auf Wunsch von Grütters (57) übernommen, die seinerzeit nach dem CDU-Debakel bei der Abgeordnetenhauswahl Parteichefin geworden war. Er hatte damals ausgerechnet Wegner (46) als Generalsekretär abgelöst, der wiederum nun Grütters von der Parteispitze verdrängt. Daher dürfte die Personalie auch einige in der CDU selbst überraschen.
«Wir sind Zeuge einer höchst ungewöhnlichen Entscheidung», kommentierte Evers bei einem gemeinsamen Auftritt mit Wegner die Personalie. «Es ist meines Wissens das erste Mal, dass ein neuer Vorsitzender auf den Generalsekretär zurückgreift, der da ist.»
Er sei überzeugt, so Evers, dass es durch gemeinsame Anstrengung möglich sei, Gräben in der Partei zuzuschütten und Differenzen zu überwinden. «Wir werden entweder gemeinsam erfolgreich sein oder gar nicht.» Interne Debatten, die es in der CDU über viele Jahre gegeben habe und die die Partei lähmten, müsse man jetzt hinter sich lassen.
Wegner sagte: «Ich habe mit Stefan Evers in der Vergangenheit gut und vertrauensvoll zusammengearbeitet und bin sicher, dass das auch in Zukunft so sein wird.» Er sprach von einem wichtigen Signal für die Partei: «Wir müssen den Riss wegbekommen, wir müssen die Partei zusammenführen, wir müssen sie einen. Wenn wir uns jetzt unterhaken, können wir gemeinsam Großes erreichen - für die CDU und für die Menschen in Berlin.» Ziel sei, als CDU wieder in Regierungsverantwortung zu kommen und Rot-Rot-Grün abzulösen.
Berlins CDU macht seit vielen Jahren immer wieder durch internen Streit, Selbstbeschäftigung und Personalquerelen von sich reden. Vor gut drei Wochen war bekannt geworden, dass der Bundestagsabgeordnete und CDU-Landesvize Wegner Monika Grütters, die Kulturstaatsministerin im Kanzleramt ist, von der Parteispitze verdrängen will. Grütters, über deren Agieren es in der Partei viel Unmut gibt, hatte gut eine Woche später erklärt, dass sie beim Parteitag nicht wieder kandidiert - um der CDU eine Zerreißprobe zu ersparen.
Anschließend war darüber spekuliert worden, dass auch Evers seinen Posten verlieren könnte. 2016 war der Wunschkandidat von Grütters auf einem Parteitag erst im zweiten Wahlgang gewählt worden - auch das Ausdruck der schwierigen Verhältnisse in der Hauptstadt-CDU. Als Generalsekretär wäre er für Wegner auch eine Brücke in die CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus, wo er Parlamentarischer Geschäftsführer ist.
Fraktionschef Burkard Dregger begrüßte die Entscheidung Wegners für Evers. «Stefan Evers ist ein strategischer Kopf der Berliner CDU, wie man sich einen besseren nicht wünschen könnte als Generalsekretär», sagte Dregger der Deutschen Presse-Agentur. Zugleich sei die Nominierung ein starkes Signal Wegners für die Geschlossenheit der CDU Berlin. «Diese Geschlossenheit ist Voraussetzung für unseren gemeinsamen Erfolg im Dienste unserer Stadt», so Dregger.
«Ich möchte etwas aufbauen, was wirklich langfristig trägt, um wieder Regierungsverantwortung zu übernehmen», sagte Wegner. Dazu gehöre ein gutes Personaltableau, das er für den Parteivorstand vorschlagen werde und in dem sich alle Teile der CDU wiederfänden. Es gehe aber um mehr. So wolle er die CDU stärker zu einer «Mitmachpartei» machen, sie in die Stadtgesellschaft hinein öffnen. Evers kündigte an, digitale Beteiligungsformen auszubauen.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Freitag, 12. April 2019 15:40 Uhr

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