Arbeitsministerium unter den Nazis: Ausstellung in Berlin

Arbeitsministerium unter den Nazis: Ausstellung in Berlin

Es war die zentrale Behörde zur Organisation der Zwangsarbeit in der NS-Zeit: Beamte des Reichsarbeitsministeriums vollzogen in den von der Wehrmacht besetzten Gebieten die brutalen Deportationen der Zwangsarbeiter ins Reichsgebiet. Eine Ausstellung im Berliner NS-Dokumentationszentrum Topographie des Terrors zeichnet jetzt (bis 8. Oktober) die Geschichte dieses «Superministeriums» der Nazis nach.

Die Ausstellung geht auf Studien einer vom Bundesarbeitsministerium eingesetzten Historikerkommission zurück. Das Forschungsteam hatte Personal, Verwaltungshandeln in der NS-Diktatur und die Rolle des Ministeriums in der Kriegswirtschaft untersucht.
Lange herrschte die Vorstellung vor, das Reichsarbeitsministerium habe in der NS-Zeit kaum Einfluss gehabt. Diese Darstellung sei nicht zuletzt auf Entlastungsstrategien der Ministerialbeamten in den Nürnberger Prozessen zurückgegangen, sagte der Direktor des Dokumentationszentrums, Andreas Nachama. Damit hätte sie ihren Anteil an der NS-Diktatur erfolgreich herunterspielen können.
Neue Studien zeigten jedoch, wie sich die Behörde maßgeblich am Einsatz von Zwangsarbeitern und der Verfolgung der Juden beteiligt hat. Am Beispiel der Biografien zeigt die Ausstellung, welchen Handlungsspielraum dabei die Beamten in der NS-Zeit hatten. Viele Karrieren setzten sich auch nach 1945 fort.
Im Mittelpunkt stand dabei Arbeitsminister Franz Seldte (1882-1947), Mitbegründer des paramilitärischen Wehrverbandes «Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten», der in Opposition zur Weimarer Republik stand. Seldte wurde 1933 zum Reichsarbeitsminister ernannt. Weil er chronisch krank war, musste er sich auf seine Mitarbeiter stützen und ließ ihnen freie Hand.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Dienstag, 2. April 2019 15:30 Uhr

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