Gewerkschaft warnt vor «Fastfood am Stehtisch» in Schulen

Gewerkschaft warnt vor «Fastfood am Stehtisch» in Schulen

Berliner Grundschüler sollen ab kommendem Schuljahr ein kostenloses Mittagessen bekommen. Die Idee ist gut, findet die Bildungsgewerkschaft GEW. Sie sieht aber noch reichlich Fußangeln.

Schulessen

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Eine Küchenhelferin legt an einer Gesamtschule ein Stück Fisch auf einen Teller eines Schülers. Foto: Alexander Körner/Archiv

Berlin (dpa/bb) - Die Gewerkschaft GEW in Berlin sorgt sich um die Qualität des Schulessens, das ab August für Schüler der ersten bis sechsten Klasse kostenlos angeboten wird. Grundsätzlich sei die Neuerung, über die das Abgeordnetenhaus am Donnerstag in erster Lesung beraten will, zu begrüßen. «Uns wundert jedoch, wie überstürzt und unkoordiniert dies geschehen soll», erklärte der GEW-Landesvorsitzende Tom Erdmann am Mittwoch. Da die Nachfrage erwartbar steigen werde, müssten Raum- und Personalressourcen ausgebaut werden.
Nach Angaben der Bildungsverwaltung ist ein Umsetzungskonzept in Vorbereitung. Es werde veröffentlicht, wenn das Gesetz verabschiedet ist.
«Schon jetzt sind die Schulmensen sowie die Verteilküchen vollkommen ausgelastet», so Erdmann. «Es ist nicht zu erwarten, dass binnen vier Monaten genügend Personal eingestellt ist, um dem Mehraufwand gerecht zu werden. Auch die notwendigen baulichen Maßnahmen werden bis zum Sommer 2019 kaum umzusetzen sein.»
Die GEW schätzt, dass bis zu 30 Prozent der rund 170 000 Berliner Grundschulkinder bisher nicht an der Ganztagsbetreuung teilnehmen und deshalb in der Regel auch kein Mittagessen in der Schule erhalten. Selbst wenn nicht alle vom kostenlosen Schulessen Gebrauch machen werden, rechnet die Gewerkschaft mit einem zusätzlichen Bedarf für rund 9000 Schüler.
Sie forderte die rot-rot-grüne Koalition auf, begleitend zur Einführung des kostenlosen Mittagessens einen verbindlichen Weg festzulegen, um personelle und räumliche Voraussetzungen für die steigende Nachfrage zu schaffen. Dies müsse unter Einbeziehung der Kollegen aus der Praxis geschehen, die bisher überhaupt nicht gehört worden seien, forderte die Leiterin des GEW-Vorstandsbereichs Kinder-, Jugendhilfe und Sozialarbeit, Christiane Weißhoff.
Sollten flankierende Maßnahmen ausbleiben, befürchtet Weißhoff, dass das Gesetz zu Lasten der Qualität beim Mittagessen gehen könnte. «Das Schulessen würde zu Fastfood am Stehtisch verkommen. An einen pädagogischen Mehrwert wäre dann nicht mehr zu denken.»

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Mittwoch, 20. März 2019 15:20 Uhr

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