Neue Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch in Berlin

Neue Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch in Berlin

Die Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie will ein dunkles Kapitel zu sexuellem Missbrauch aus der eigenen Vergangenheit weiter aufarbeiten lassen. Es geht dabei um den verstörenden Modellversuch des Berliner Sozialpädagogen Helmut Kentler (1928 bis 2008). Ab Ende der 1960er Jahre förderte er gezielt sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen, indem er sie als Pflegekinder an Pädophile vermittelte.

Senatorin Sandra Scheeres

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Senatorin Sandra Scheeres. Foto: Britta Pedersen

Kentler glaubte, dass sich diese Männer als Pflegeväter besser um ihr Schützlinge kümmern würden als andere Pflegeeltern. Dass sie dafür Sex wollen könnten, war für den Psychologen und Sexualforscher kein Hinderungsgrund. Nach Medienberichten erhielten die Pädophilen sogar Pflegegeld. Von Seiten der Behörden blieben diese Vorgänge entweder unbemerkt, wurden bewusst ignoriert oder sogar beschönigt und gefördert, wie die Senatsverwaltung am Donnerstag mitteilte.
Ein erstes Gutachten zum sogenannten Kentler-Experiment wurde im Auftrag der Senatsverwaltung durch das Göttinger Institut für Demokratieforschung erstellt und 2016 veröffentlicht. Nun hat die Verwaltung 84 000 Euro für weitere Forschung an der Universität Hildesheim bewilligt.
«Das sind wir den Betroffenen schuldig. Es ist zutiefst erschütternd, was Kindern und Jugendlichen, die sich in staatlicher Obhut befanden, angetan wurde», sagte Senatorin Sandra Scheeres (SPD). Ein Zwischenbericht, für den auch Betroffene gehört werden sollen, soll nach acht Monaten vorliegen. Kentler wurde für sein Experiment später nicht strafrechtlich verfolgt, weil seine Taten verjährt waren.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Donnerstag, 14. März 2019 16:00 Uhr

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