Marokkos Geheimdienst wurde zufällig auf Amri aufmerksam

Marokkos Geheimdienst wurde zufällig auf Amri aufmerksam

Der marokkanische Geheimdienst ist 2016 auf den späteren Weihnachtsmarkt-Attentäter aufmerksam geworden, weil der Tunesier in Deutschland Kontakt zu radikalen Islamisten marokkanischer Herkunft pflegte. Das geht aus Unterlagen hervor, über die das Bundeskriminalamt (BKA) im November 2016 die Sicherheitsbehörden von Bund und Ländern informierte. In einem Vermerk, den die Deutsche Presse-Agentur einsehen konnte, heißt es, Amri sei ein «Islamonaut» und wolle «ein Projekt» ausführen, über das er am Telefon nicht sprechen könne. Die Marokkaner baten das BKA damals um weiterführende Erkenntnisse zu einem Marokkaner, einem Franko-Marokkaner und zu Amri. Sie interessierten sich dabei besonders für deren mögliche Kontakte zu Angehörigen der Terrormiliz «Islamischer Staat» (IS) in Syrien, Libyen oder dem Irak.

Tatfahrzeug des Anschlags auf dem Berliner Breitscheidplatz

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Ein Polizist steht vor dem Tatfahrzeug am Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz. Foto: Michael Kappeler/Archiv

Das Bundesamt für Verfassungsschutz wurde damals gebeten, den Hinweisen aus Marokko nachzugehen. Wie im Untersuchungsausschuss des Bundestages zu dem Anschlag auf dem Breitscheidplatz bekannt wurde, fragte der Nachrichtendienst aber lediglich beim US-Geheimdienst nach, was von den Hinweisen zu halten sei. Die Antwort der Amerikaner kam erst nach dem Anschlag.
Der abgelehnte Asylbewerber und Drogendealer Anis Amri hatte am 19. Dezember 2016 einen Lastwagen gekapert, mit dem er auf den Weihnachtsmarkt auf dem Berliner Breitscheidplatz raste. Er tötete zwölf Menschen, mehr als 70 Menschen wurden verletzt.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Dienstag, 5. März 2019 06:20 Uhr

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