LKA-Chef äußert sich zu Aktenmanipulation im Fall Amri

LKA-Chef äußert sich zu Aktenmanipulation im Fall Amri

Der Leiter des Berliner Landeskriminalamtes geht davon aus, dass Beamte seiner Behörde nach dem Anschlag auf dem Weihnachtsmarkt eine Akte über den Attentäter Anis Amri manipuliert haben, um eigene Versäumnisse zu vertuschen. Er glaube, «dass die richtig kalte Füße bekommen haben», antwortete LKA-Chef Christian Steiof am Donnerstag im Untersuchungsausschuss des Bundestages zu dem Anschlag auf die Frage, weshalb zwei Polizisten Informationen zu Amris Aktivitäten als Drogendealer nachträglich verändert hätten.

Christian Steiof

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Christian Steiof, Leiter des Berliner Landeskriminalamtes. Foto: Bernd von Jutrczenka/Archiv

Die Berliner Staatsanwaltschaft hatte die Ermittlungen gegen die Beamten im vergangenen April eingestellt. Zwei Staatsanwälte, die sich mit den Vorwürfen befassten, kamen zu folgendem Schluss: Ja, es seien nach dem Terroranschlag Sachverhalte von einem LKA-Ermittler «komplett abgeändert», Abhörprotokolle eingedampft, kriminelle Aktivitäten des Tunesiers «kleingeschrieben» worden. Aber: Dies sei zwar «ungewöhnlich, aber nicht strafbar» gewesen.
Nach dem Anschlag neben der Gedächtniskirche war die Berliner Polizei unter anderem in die Kritik geraten, weil Amri, der als islamistischer Gefährder bekannt war, nicht frühzeitig wegen krimineller Machenschaften in Untersuchungshaft genommen worden war. Bis heute ist nicht ganz klar, in welchem Umfang der Tunesier in den Monaten vor dem Anschlag Drogen verkauft hatte.
Der abgelehnte Asylbewerber hatte am 19. Dezember 2016 einen gestohlenen Lastwagen in eine Menschenmenge auf dem Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz gesteuert. Er tötete zwölf Menschen. Steiof räumte in seiner Vernehmung «fatale handwerkliche Fehler» seiner Behörde im Umgang mit Amri ein.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Donnerstag, 21. Februar 2019 20:50 Uhr

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