Amri vor Anschlag in Antiterrordatei aufgenommen

Amri vor Anschlag in Antiterrordatei aufgenommen

Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) hat den späteren Weihnachtsmarkt-Attentäter Anis Amri drei Monate vor dem Anschlag in der gemeinsamen Antiterrordatei von Bund und Ländern erfasst. Das geht aus einem Schreiben der Behörde an das Bundeskriminalamt (BKA) vom 27. Januar 2017 hervor. In dem Dokument heißt es, Amri sei durch das BfV am 7. September 2016 in seiner behördeninternen Datei erfasst worden. Der «technische Transfer» zu der beim BKA geführten Antiterrordatei sei dann am 13. September erfolgt.

Amri-Untersuchungsausschuss des Bundestages

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Beginn der öffentlichen Zeugenvernehmung im Amri-Untersuchungsausschuss im Deutschen Bundestag. Foto: Bernd von Jutrczenka/Archiv

Damit werde die Behauptung des Verfassungsschutzes, Amri sei «ein reiner Polizeifall» gewesen, erneut schwer erschüttert, sagte der FDP-Obmann im Amri-Untersuchungsausschuss des Bundestages, Benjamin Strasser, am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. «Es stellt sich die Frage, welche neuen oder weiteren Erkenntnisse hatte das BfV zu Anis Amri?»
Der Untersuchungsausschuss soll klären, warum die Behörden den abgelehnten Asylbewerber Amri nicht frühzeitig aus dem Verkehr zogen. Der Tunesier hatte Drogen verkauft und verkehrte mit radikalen Islamisten. Am 19. Dezember 2016 raste er mit einem gestohlenen Lastwagen auf den Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz. Er tötete zwölf Menschen.
In der Antiterrordatei werden Erkenntnisse von Polizeibehörden und Nachrichtendiensten des Bundes und der Länder zum internationalen Terrorismus vernetzt. Im Jahr 2016 waren dort Daten von etwa 11 700 «Hauptobjekten» und rund 700 «Kontaktpersonen» erfasst. Der damalige Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen hatte im März 2017 über Amri gesagt: «Wir hatten es hier mit einem reinen Polizeifall zu tun, der in den zuständigen Bundesländern bearbeitet wurde.»

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Freitag, 15. Februar 2019 14:50 Uhr

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