Gewerkschaft nennt Brennpunktzulage «halbe Katastrophe»

Gewerkschaft nennt Brennpunktzulage «halbe Katastrophe»

Mit der Brennpunktzulage will Rot-Rot-Grün die besonders schwere Arbeit von Lehrern und Erziehern an sozial schwierigen Schulen würdigen. Doch die Gewerkschaft sieht mehr Nach- als Vorteile.

Tom Erdmann

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Tom Erdmann steht vor einer Schule. Foto: Britta Pedersen/Archiv

Berlin (dpa/bb) - Die von Rot-Rot-Grün beschlossene Zulage für Lehrer und Erzieher an Berliner Brennpunktschulen schafft nach Einschätzung der Bildungsgewerkschaft GEW mehr Probleme, als dass sie welche löst. «Gut gemeint, aber schlecht gemacht», sagte GEW-Landeschef Tom Erdmann am Donnerstag zu dem Projekt. «Die Umsetzung ist eine halbe Katastrophe.» Zudem bringe die Zulage neue Ungerechtigkeiten mit sich, die niemandem mehr zu erklären seien. Das ganze Vorhaben bringe extrem viel Unruhe in die Schulen, viele praktische Fragen seien ungeklärt. Geld sei indes noch nicht geflossen.
Senat und Abgeordnetenhaus hatten im Dezember beschlossen, rund 2300 Brennpunkt-Lehrern an 60 Schulen rückwirkend zum Schuljahresbeginn monatlich 300 Euro Zulage zu zahlen. Ihre Arbeit wird als besonders schwierig eingeschätzt, weil die fraglichen Schulen einen sehr hohen Anteil von Kindern aus Hartz-IV-Familien oder solchen mit ausländischem Hintergrund haben. Bessergestellt werden sollen auch mehrere Hundert Erzieher an Brennpunktschulen. Sie kommen rückwirkend zum 1. August 2018 in eine höhere Gehaltsstufe.
Die GEW stößt sich etwa an den Kriterien: Als Brennpunktschule gilt, wenn mindestens 80 Prozent der Schüler von der Zuzahlung zu Lernmitteln befreit sind. Die Gewerkschaft spricht von einem «unpräzisen Faktor» und hält es für besser, weitere Indikatoren wie den Anteil an Quereinsteigern unter den Lehrern einzubeziehen. Sie findet es Erdmann zufolge auch zielführender, Lehrer von Unterrichtsstunden zu entlasten, damit sie mehr Zeit für die mittelbare pädagogische Arbeit abseits des Klassenraums haben.
Die Erhöhungen für die Erzieher machen laut GEW in vielen Fällen nicht mehr als rund 60 Euro monatlich brutto aus - dafür sinke das Weihnachtsgeld. Für manche Erzieher bringe eine Höherstufung aufgrund der komplizierten Tarifstruktur sogar Nachteile. Und wer später wieder heruntergestuft werde, weil die Schule dann vielleicht keine Brennpunktschule mehr sei, laufe Gefahr, dann weniger Gehalt zu haben als vor der Höherstufung. Für Erzieher, die bei freien Trägern beschäftigt seien, gebe es bis dato keine Lösung zur Umsetzung der Beschlüsse. Ihr Anteil in den Schulen liege bei etwa 40 Prozent.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Donnerstag, 7. Februar 2019 17:00 Uhr

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