Gewerkschaft will Pflegekräfte an Schulen

Gewerkschaft will Pflegekräfte an Schulen

Berlins Lehrer müssen sich abseits des Unterrichts um vieles kümmern. Im Zweifel auch um kranke Kinder. Die GEW hat nun einen Vorschlag, der für alle Beteiligten Vorteile bringen soll - und für Diskussionen sorgt.

GEW-Vorsitzender Tom Erdmann

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Tom Erdmann, GEW-Vorsitzender des Landes Berlin steht vor einer Schule. Foto: Britta Pedersen/Archiv

Berlin (dpa/bb) - Die Bildungsgewerkschaft GEW macht sich für die Einstellung von Pflegekräften an Berliner Schulen stark. Diese könnten sich um Schüler kümmern, die ein Handicap haben, krank sind oder Medikamente nehmen, schlug der GEW-Landesvorsitzende Tom Erdmann am Donnerstag vor. Das helfe, betroffenen Schülern einen verlässlichen Schulbesuch zu ermöglichen und Lehrer ein wenig zu entlasten. Auch den Eltern könne das mehr Sicherheit geben.
Modellversuche mit Pflegekräften an Schulen gibt es bereits in Brandenburg und Hessen. In Berlin arbeiten Krankenpfleger laut GEW an einzelnen inklusiven Schulen, an denen Kinder mit und ohne Handicap gemeinsam lernen.
Die Pfleger sollen nach den Vorstellungen der Gewerkschaft Teil der sogenannten multiprofessionellen Teams an Schulen sein, in denen zum Beispiel Sozialarbeiter tätig sind. «Sie wären natürlich Ansprechpartner für alle und könnten etwa bei kleinen Verletzungen Hilfe leisten», erläuterte die GEW-Referentin für den Bereich Schule, Klaudia Kachelrieß.
Kernaufgabe wäre aber die Betreuung von Schülern, die etwa wegen Diabetes regelmäßig Insulin spritzen müssen, an epileptischen Anfällen leiden oder aus unterschiedlichen Gründen zeitweise oder dauerhaft Medikamente nehmen müssen. Hierzu gebe es heute keine klaren Vorgaben, in den Lehrerkollegien herrsche Unsicherheit, so Kachelrieß.
Manche Pädagogen seien hier sehr engagiert, andere trauten sich das nicht zu. Das könne nicht nur an den Schulen selbst, sondern etwa bei geplanten Klassenfahrten zu Problemen führen. «Die Einstellung von Pflegekräften wäre ein Schritt zu sagen: «Wir wollen an den Schulen alle Kinder mitnehmen»», so Kachelrieß.
In Brandenburg läuft seit Februar 2017 an 20 Schulen ein Modellprojekt mit Schulkrankenschwestern. Sie helfen bei kleineren Verletzungen, Erkrankungen oder Sportunfällen schnell und organisieren eine weitergehende Behandlung. Sie beraten zudem in Gesundheitsfragen, etwa zu richtiger Ernährung oder ausreichender Bewegung.
Die Zwischenbilanz ist positiv. «Bisherige Ergebnisse haben gezeigt, dass sich damit die Gesundheitsversorgung der Kinder verbessert», sagte Brandenburgs Gesundheitsministerin Susanna Karawanskij (Linke) im Oktober. Als Vertrauenspersonen seien die Schulkrankenschwestern - offiziell Schulgesundheitsfachkräfte genannt - wichtige Ansprechpartner nicht nur für die Kinder, sondern auch für Eltern und Lehrer. Sie trügen zur Entlastung an den Schulen bei.
Die FDP-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus hält die GEW-Forderung dennoch für überzogen. «Angesichts der bestehenden Probleme an Berlins Schulen sind pädagogische - besonders sonderpädagogische - Fachkräfte sowie Psychologen und Sozialarbeiter sehr viel wichtiger», sagte ihr gesundheitspolitischer Sprecher Thomas Seerig. «Ein Kind im Rollstuhl oder ein gehörloses oder blindes Kind braucht spezifische Assistenz und keinen Krankenpfleger.»
In anderen Staaten haben schuleigene Pflegekräfte vielfach eine lange Tradition. In den USA und Großbritannien etwa gibt es bereits seit Anfang des 20. Jahrhunderts School Nurses.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Donnerstag, 7. Februar 2019 13:30 Uhr

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