Kommissarin: Keiner sah in Amri einen späteren Attentäter

Kommissarin: Keiner sah in Amri einen späteren Attentäter

Das frühere Verhalten des islamistischen Attentäters Anis Amri gab nach Darstellung einer Kriminalkommissarin keine Hinweise auf einen Terrorplan. Nach ihrer Einschätzung sei Amri im Herbst 2016 zwar grundsätzlich kriminell und auch gewalttätig gewesen, sagte die Kommissarin am Freitag im Untersuchungsausschuss zum islamistischen Terroranschlag auf dem Berliner Weihnachtsmarkt. «Aber ich war der Meinung, dass andere Sachen inzwischen wichtiger waren für ihn als die Religion. Ich persönlich hätte nicht damit gerechnet, dass er noch so gefährlich ist, dass er einen Anschlag begeht», sagte sie über die Lage im Oktober 2016.

Nach dem Terror-Anschlag am Breitscheidplatz

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Das Tatfahrzeug, ein polnischer Lastwagen, steht am Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz in Berlin. Foto: Michael Kappeler/Archiv

Die Kommissarin hatte die abgehörten Telefongespräche und Chatprotokolle Amris aus acht Monaten ausgewertet. Ihr Fazit sei damals von allen Kollegen geteilt worden. «Dass Amri für eine islamistische Tat gut wäre, hat keiner geglaubt. Dass er irgendwie in Richtung islamistischer Anschlag gehen könnte, hat keiner vermutet.»
Die Frau verfasste Anfang November einen Bericht über den intensiven Drogenhandel Amris. Dieser Bericht wurde nach dem Anschlag von einem anderen Kommissar geändert und verkürzt, um Amris Tätigkeit als Dealer herunterzuspielen. So wollte er möglicherweise vertuschen, dass die Kripo im Herbst 2016 Amri nicht wegen des Drogenhandels aus dem Verkehr zog. Das ging aus einem Untersuchungsbericht der Staatsanwaltschaft hervor.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Freitag, 25. Januar 2019 12:50 Uhr

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