Hilferuf des Fußballs: 5000 Kinder können nicht spielen

Hilferuf des Fußballs: 5000 Kinder können nicht spielen

Die Berliner Fußball geht mit einem Hilferuf ins neue Jahr: 5000 Kinder müssen derzeit von den Amateurvereinen abgewiesen werden. Vor allem Spielfelder fehlen, dem Ehrenamt fehlt Unterstützung.

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Ein Fußballer spielt den Ball. Foto: Uwe Anspach/Archiv

Berlin (dpa/bb) - Das bittere WM-Aus der deutschen Stars, fehlende Spiel- und Trainingsstätten sowie zu wenige qualifizierte Übungsleiter brachten 2018 den Berliner Amateurfußball kräftig in Unruhe. Zwar sei der BFV kontinuierlich auf über 150 00 Mitglieder gewachsen, berichtete Präsident Bernd Schultz auf dem Neujahrsempfang des Berliner Fußball-Verbandes. Trotzdem nimmt die große Kickergemeinde der Hauptstadt einige große Herausforderungen mit ins neue Jahr.
Die Größte: «Zahlreiche Kinder und Jugendliche stehen auf langen Wartelisten, weil die Kapazität und die Übungsleiter nicht reichen», betonte Schulz. Rund 5000 der Jüngsten müssen derzeit abgewiesen werden und können der schönsten Nebensache der Welt nicht nachgehen.
«Die Infrastruktur ist gerade in den Metropolen eine große Herausforderung. Das ist fast schon ein Hilferuf», erklärte DFB-Präsident Reinhard Grindel am Samstag. Einige Vereine veranstalten schon Sichtungsturniere, um die wenigen freien Plätze in den Jugendteams zu vergeben. Man müsse sich die riesige Enttäuschung bei den Fünf-, Sechs- oder Siebenjährigen nur mal vorstellen, bemerkte Grindel: «Alle Probleme des Fußballs bündeln sich hier wie in einem Brennglas.» Vor allem die Politik sei gefordert.
Bei sportlichen Großereignissen in Berlin wie der Handball-WM «sind alle da, im Alltag fangen die Probleme an», erklärte Thomas Härtel, Präsident des Landessportbundes. Für 3135 Mannschaften gibt es im Schnitt nur 0,8 Großfelder in den 389 Vereinen. «Wir brauchen Hilfe und mehr Wertschätzung für Ehrenamtliche», forderte Schultz.
Das erstmalige Vorrunden-Aus einer deutschen Nationalmannschaft bei der WM im vergangenen Sommer in Russland habe indirekt auch Auswirkungen auf die Jugendarbeit, verdeutlichte Grindel: «Wir haben in Deutschland einen Talentpool, der seinesgleichen in der Welt sucht. Dass wir die Hoffnung haben, dass es nach 2018 wieder besser wird, hat gerade damit zu tun.»
Allerdings müsse «noch besser aus diesem Talentpool geschöpft werden», sagte der DFB-Chef. In anderen Ländern gibt es bei den Sechs- bis Zwölfjährigen auch Jugendspiele Vier gegen Vier oder Drei gegen Drei, in Deutschland läuft die traditionelle Form Sieben gegen Sieben. «Die Straßenfußball-Mentalität ist gefragt», sagte Grindel.
Den Fairplay-Preis für 2018 erhielt Robin Claus, Kapitän des 1. FC Afrisko, der in der Kreisliga C zur Deeskalation eines Konfliktes einen Elfmeter absichtlich verschoss. Den Goldenen Fußball für Verdienste im Hauptstadt-Fußball bekam Frank Michalak, Vorstand der AOK Nordost, die den Berliner Amateursport seit Jahren unterstützt.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Sonntag, 20. Januar 2019 12:40 Uhr

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