Wieder Hoffnung auf Eisbären-Nachwuchs im Tierpark

Wieder Hoffnung auf Eisbären-Nachwuchs im Tierpark

Auf ein Neues: Im Berliner Tierpark ist Eisbärin Tonja von der Bildfläche verschwunden und räkelt sich in ihrer Wurfhöhle. Das könnte ein Zeichen für Geburtsvorbereitung sein. Geht es diesmal gut?

Eisbär Wolodja im Tierpark Friedrichsfelde

© dpa

Der junge Eisbär Wolodja in seinem Gehege im Tierpark Berlin Friedrichsfelde. Foto: Tim Brakemeier/Archiv

Berlin (dpa/bb) - Im Berliner Tierpark gibt es wieder Hoffnung auf Eisbären-Nachwuchs. «Eisbärin Tonja hat sich in ihre Wurfhöhle zurückgezogen. Möglicherweise ist das ein Zeichen für Geburtsvorbereitungen», sagte Eisbären-Kurator Florian Sicks am Donnerstag. Zuvor hatte der «Kurier» (Donnerstag) berichtet. Im Frühjahr habe sich Tonja mit ihrem Partner Wolodja gepaart und seitdem um mehr als 100 Kilo zugelegt - auf nun stattliche 390 Kilo.
Dieses Fettpolster sei wichtig, damit sich eine Eizelle einnisten könne und die Eisbärin für die Wochen in der Wurfhöhle gerüstet sei, erläuterte Sicks. «Es gibt aber keinen Schwangerschaftstest für Eisbären», ergänzte er. Eine Geburt wäre für den Tierpark deshalb wie in den vergangenen Jahren eine Überraschung.
Doch damit sind auch traurige Erinnerungen verbunden. Zweimal hatte die liebevolle Eisbärenmutter Tonja schon Pech. Ihr niedliches erstes Junges «Fritz» starb 2017 mit vier Monaten völlig unerwartet an einer Leberentzündung, deren Ursache bis heute ungeklärt ist. Ein weibliches Jungtier aus einem neuen Wurf verendete Anfang 2018 durch eine Lungenentzündung und wurde kaum einen Monat alt. Das Baby war durch die Infektion zu schwach zum Trinken.
Gibt es nun mehr Sorgen als früher? «Eigentlich nicht», sagte Bären-Kurator Sicks. «Wir wissen, dass es schwierig und heikel ist. Fast die Hälfte der Eisbär-Jungen, die in Zoos geboren werden, sterben.» Vermutlich liege die Quote in der freien Natur sogar noch höher. Doch so genau wisse das niemand, da dort in den Wurfhöhlen keine Kameras hingen.
Tonja dagegen gehört zu den am besten überwachten Schwangeren Berlins: Rund um die Uhr zeichnen Videokameras bereits jetzt jede ihrer Bewegungen in der Wurfhöhle auf. Tierpfleger sitzen aber nicht Tag und Nacht vor den Monitoren. Sie sehen sich gespeicherte Aufnahmen an.
Wann es soweit sein könnte, bleibt unkalkulierbar. Vor der Geburt von «Fritz» verbrachte Tonja fast einen Monat in ihrer Höhle, im vergangenen Jahr waren es zwei Wochen. Normal sind Geburten für Eisbären auf der Nordhalbkugel im November und Dezember.
Es soll alles bleiben wie bisher: Tonja wird jetzt nicht mehr gestört und auch nicht mehr gefüttert. Denn in freier Natur würde sie in der Wurfhöhle auch nichts fressen. Der Tierpark setzt bewusst auf Geburten ohne menschliche Hilfe. Auch danach soll sich für ein paar Wochen niemand einmischen. Eine Aufzucht mit der Flasche wie bei Berlins berühmten Eisbär «Knut» im Berliner Zoo, der 2011 mit vier Jahren an einer Gehirnentzündung starb, wird es also auch im Notfall nicht geben.
Üblicherweise bringen Eisbären ein bis zwei Junge zur Welt, die nicht viel größer sind als Meerschweinchen. Sind Junge zu schwach oder zu krank, frisst die Mutter tote Tiere als Reflex und Schutz vor Keimen auf. Dabei würde im Tierpark niemand eingreifen. Auch «Fritz» hatte am Anfang einen Zwilling.
Da Eisbär Wolodja in den Zoo umsiedelte, um Tonja Ruhe zu gönnen, ist das Eisbärengehegen im Tierpark nun verwaist. Doch es gibt andere Attraktionen: Brillenbärchen «Hans», knapp ein Jahr alt, lebt ganz in der Nähe. «Er ist wirklich extrem süß», findet Kurator Sicks.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Donnerstag, 8. November 2018 13:30 Uhr

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