Chinesen können nicht ins deutsche Stromnetz einsteigen

Chinesen können nicht ins deutsche Stromnetz einsteigen

Mit der Übernahme hätte ein von Peking kontrollierter Konzern Einfluss auf kritische Infrastruktur bekommen: tausende Kilometer Hochspannungsleitungen. Doch es kommt anders.

Stromleitungen

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Zahlreiche Stromleitungen. Foto: Daniel Reinhardt/Archiv

Berlin (dpa) - Der geplante Einstieg Chinas ins deutsche Stromnetz ist geplatzt. Anstelle des chinesischen Staatskonzerns SGCC übernimmt der belgische Betreiber Elia als Mehrheitseigner weitere Anteile am nordostdeutschen Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz. Wie beide Unternehmen am Freitag mitteilten, macht Elia von seinem Vorkaufsrecht Gebrauch. Die Belgier erhöhen damit ihren Anteil an 50Hertz auf 80 Prozent.
«Wir freuen uns, dass sich unser Mehrheitsgesellschafter Elia dazu entschlossen hat, die Kaufoption zu ziehen», sagte 50Hertz-Chef Boris Schucht. «Das ist ein starkes Signal, die Energiewende in Deutschland und auch in Europa weiter voranzubringen.»
Elia hält bislang 60 Prozent an dem Unternehmen, die übrigen 40 Prozent gehören dem australische Fonds IFM Investors. Die Australier wollen ihren Anteil jedoch halbieren. Elia zahlt nach eigenen Angaben 976,5 Millionen Euro für das Anteilspaket. Die Zustimmung der Wettbewerbsbehörden wird bis Ende Juni erwartet.
Als im Februar zunächst der größte chinesische Konzern ankündigte, die Anteile zu übernehmen, löste das Unruhe in der Bundesregierung aus. Wirtschaftsstaatssekretär Matthias Machnig (SPD) erklärte, 50Hertz zähle zu den kritischen Infrastrukturen. Diese sind laut Gesetz von hoher Bedeutung für das Funktionieren des Gemeinwesens.
Nicht bestätigt wurden Berichte, wonach Machnig bei Elia auslotete, ob die Belgier bereit sind, ihren Anteil aufzustocken. Das Ministerium äußerte sich auch am Freitag nicht dazu. «Es handelt sich hierbei um Meldungen über unternehmerische Planungen und Vorgänge. Diese kommentieren wir nicht», teilte eine Sprecherin mit.
Die 50Hertz Transmission GmbH ist Betreiberin des überregionalen Stromnetzes in Ostdeutschland und Hamburg, über das mehr als 18 Millionen Menschen versorgt werden. Elia und IFM hatten das knapp 10 000 Kilometer lange Hochspannungsnetz 2010 für rund 500 Millionen Euro vom schwedischen Energiekonzern Vattenfall gekauft und dabei auch Schulden in Höhe von 320 Millionen Euro übernommen.
Das neue Geschäft zwischen Elia und IFM betrifft formell nicht direkt 50Hertz, sondern die nach belgischem Recht organisierte Holding Eurogrid International SCRL, die über eine deutsche Tochter 50 Hertz kontrolliert.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Freitag, 23. März 2018 15:20 Uhr

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