Blauer Portugieser im Pyjama: Dardai erfreut über «Geschenk»

Blauer Portugieser im Pyjama: Dardai erfreut über «Geschenk»

Langsam kann sich Hertha-Trainer Dardai den Rotwein für das erreichte Bundesligaziel 2018 zurechtlegen. Seine Personalentscheidungen passen wieder, die nervende Sieg- und Torflaute ist vorbei. Das 2:1 beim HSV bringt den Berliner erst einmal Ruhe.

Hamburgs neuer Trainer Christian Titz

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Hamburgs neuer Trainer Christian Titz. Foto: Daniel Reinhardt

Berlin (dpa) - Erstes Tor nach 448 Minuten, erster Sieg im fünften Anlauf und zehn Punkte Vorsprung auf den Abstiegs-Relegationsplatz - da gönnte sich Weinliebhaber Pal Dardai einen süffigen Blauen Portugieser. «Im Bus trinken wir nicht, dadurch musste ich lange warten. Ein Glas habe ich getrunken, spät im Pyjama», berichtete der spürbar erleichterte Trainer von Hertha BSC am Tag nach dem 2:1-Sieg beim Krisenclub Hamburger SV. «Das war ein schönes Geschenk von den Jungs nicht nur für mich, sondern für alle», sagte der gerade 42 Jahre alt gewordene Coach des Berliner Fußball-Erstligisten.
Die jüngste Negativserie und die Gefahr, noch einmal in den Tabellenkeller zu rutschen, hatte Dardai zugesetzt, verriet der Ungar: «Die Familie war auch ein bisschen erleichtert. Die letzte Zeit war schwierig. Wenn du nicht gewinnst, ist es schmerzhaft als Sportler und Sportlerfamilie.» Psychologisch sei das eine schwierige Sache gewesen, bemerkte der Wahl-Berliner: «Jeder hat gespürt und gewusst, wenn du dieses Spiel nicht gewinnst, orientierst du dich nach hinten, nicht nach vorne.»
Nach drei vergebenen Chancen zum Start im Volksparkstadion hatte Dardai noch gedacht: «Das ist immer noch der Fluch und die Hexerei.» Dazu kam die HSV-Führung durch Douglas Santos (25.). «Doch nach der Halbzeit haben wir es gut hingekriegt mit einer ganz anderen Körpersprache und Qualität. Das tut dem Gegner weh.» Und Dardai traf die richtigen Personalentscheidungen, brachte den zunächst nur auf der Bank sitzenden Angreifer Salomon Kalou.
Der erfahrene Ivorer machte es «so, wie wir es abgesprochen haben», berichtete Dardai, der Kalou mit auf den Weg gab: «Wenn du rein kommst, bist du frisch und musst Tore machen.» Und das Phänomen schlug mit seinem zehnten Saisontor - damit ist er mit Abstand Herthas bester Torschütze - in der 63. Minute zu. Zuvor hatte Valentino Lazaro (56.) eine 448-minütige Hertha-Torflaute beendet. «Diese drei Punkte sind sehr wichtig», betonte Vorlagen-Geber Marvin Plattenhardt.
Der Confed-Cup-Sieger Platztenhardt kann nun mit einem guten Gefühl zu den WM-Testländerspielen der Nationalmannschaft am Freitag in Düsseldorf gegen Spanien und vier Tage später im heimischen Olympiastadion gegen Brasilien antreten. Sein Coach freut sich vor allem darauf, dass die drei Punkte von Hamburg und die nun 35 erreichten Zähler vor allem «ein Schutz sind gegen negative Sachen». Es sei schwierig, immer alle Kritik von den Spielern fern zu halten: «Sie lesen auch Zeitung.»
Dass es sein Team gerade beim enorm unter Abstiegsdruck stehenden HSV geschafft habe, aus der komplizierten Situation rauszukommen, würde seine Einschätzung bestätigen, meinte Dardai: «Wir sind viel stabiler als vor ein, zwei Jahren.» Ein bisschen vorsichtig aber blieb er noch: «Gegen Wolfsburg kommt jetzt ein schwieriges Spiel, da musst du gewinnen. Dann hast du Ruhe und mit dem Abstieg wirklich nichts mehr zu tun.» Ob sein Winzer-Freund aus Ungarn für den Fall schon etwas vorbereitet hat, verriet der Hertha-Trainer nicht.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Sonntag, 18. März 2018 14:40 Uhr

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