«MUF 2.0»: Neue Generation von Flüchtlingsdörfern geplant

Auf dem freien Wohnungsmarkt haben Flüchtlinge in der Hauptstadt kaum eine Chance. Aber sie können nicht ewig in Gemeinschaftsunterkünften bleiben. Besserung sollen modulare Wohnanlagen bringen.
Elke Breitenbach (Die Linke)
Integrationssenatorin Elke Breitenbach (Die Linke) in Berlin. Foto: Christina Sabrowsky/Archiv © dpa

Berlin (dpa/bb) - Berlin setzt bei der Flüchtlingsunterbringung auf eine neue Generation modularer Unterkünfte (MUF). Die «MUF 2.0» sollen eher klassischen Mehrfamilienhäusern ähneln und ausschließlich Wohnungen und Appartements umfassen, wie Integrationssenatorin Elke Breitenbach (Linke) sowie ihre Kollegen Katrin Lompscher (Wohnen) und Matthias Kollatz-Ahnen (Finanzen) am Mittwoch mitteilten. Perspektivisch sollen die neuen Unterkünfte auch Familien, Studenten oder Auszubildenden bezahlbaren Wohnraum bieten, hieß es weiter. Teilweise würden sie in neue Wohngebiete integriert.

Bislang sind 10 MUF der ersten Generation fertig und weitere 19 in Planung oder Bau. Sie bieten in Familienwohnungen und Zimmern, die mit je zwei Menschen belegt sind, Platz für 10 000 Flüchtlinge. Am Dienstag hatte der Senat beschlossen, in Kooperation mit den Bezirken weitere 25 solcher Unterkünfte zu errichten, die «MUF 2.0». Auch in diesen könnten einmal um die 10 000 Menschen leben.

Wie die Senatoren erläuterten, sollen in elf Bezirken je zwei MUFs entstehen, in Neukölln sind drei Standorte geplant, darunter zwei kleinere. Der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf hat als einziger noch keine Flächen benannt, der Senat geht aber davon aus, dass dies «umgehend» erfolgt, wie es hieß. Gebaut werden sollen die «MUF 2.0» voraussichtlich von 2019 bis 2021 vor allen von städtischen Wohnungsgesellschaften, zum Teil aber auch vom Land Berlin.

«Wir müssen wegkommen von den Gemeinschaftsunterkünften hin zur Unterbringung in Wohnungen», sagte Breitenbach. Da der Bedarf für Zuwanderer auf dem regulären Wohnungsmarkt nicht gedeckt werden könne, seien die weiteren modularen Unterkünfte nötig. «Wir wollen ihnen dabei helfen, ein eigenständiges Leben aufzubauen», sagte die Senatorin. «Denn diese Menschen sind neue Berlinerinnen und Berliner.»

Wie Breitenbach unterstrich auch Lompscher, dass die MUFs nicht nur für Zuwanderer gebaut würden, sondern zumindest mittelfristig auch anderen Wohnungssuchenden offenstünden. Denn auch Modul-Unterkünfte der ersten Generation könnten etwa durch die Entfernung von Trennwänden so umgebaut werden, dass sie nur Wohnungen umfassten. Selbst der mögliche Anbau von Balkonen sei bereits eingeplant.

Wieviel kosten die MUF? Für die bisherigen Typen werden Kollatz-Ahnen zufolge um die 15 Millionen Euro je Projekt veranschlagt, wobei diese Summe individuell höher liegen kann, etwa wegen des Ankaufs von Grundstücken oder zusätzlichen Erschließungskosten. Macht bei 29 MUF der ersten Generation mindestens 435 Millionen Euro. Zum Finanzrahmen der neuen MUF liegen den Angaben zufolge wegen des frühen Planungsstadiums noch keine Berechnungen vor - billiger als die ersten MUF dürften sie indes kaum werden.

Kollatz-Ahnen verwies darauf, dass die neue Art der Unterkünfte für das Land «kostenmäßig eher besser» sei als die bisherige Gemeinschaftsunterbringung. Man müsse dabei auch die Nachnutzung mitdenken, also perspektivisch auch Mieteinnahmen.

Im Jahr 2015, dem Höhepunkt des Flüchtlingsandrangs, hatten 55 000 Flüchtlinge in Berlin Asyl beantragt. 2016 waren es 16 900 und 2017 etwa 8300. Breitenbach zufolge leben aktuell 24 757 Flüchtlinge in Gemeinschaftsunterkünften, darunter 2400 in Notunterkünften wie alten Büro- oder Kasernengebäuden. Ziel ist es, bis Ende des Jahres alle diese Notlösungen zu schließen oder umzubauen.

Als Alternative setzt der Senat neben den MUFs auf sogenannte Tempohomes. 22 dieser Containerdörfer mit mehr als 5000 Plätzen sind laut Kollatz-Ahnen fertig oder im Bau. Sie kosten zusammen etwa 110 Millionen Euro, dürfen jedoch im Unterschied zu MUFs nur maximal drei Jahre genutzt werden.

Etliche neue Unterkünfte sind nicht voll belegt, während an anderer Stelle Menschen weiter in Notunterkünften ausharren müssen. Für Breitenbach ist das kein Widerspruch: Bei den Umzügen werde darauf geachtet, dass die Menschen nicht aus ihrem Umfeld gerissen würden, nicht zuletzt Schulen und Kitas.

Quelle: dpa
Aktualisierung: Mittwoch, 14. Februar 2018 16:00 Uhr

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