Das ganze Jahr lang hat man seriös mit Kollegen und Vorgesetzten zusammen gearbeitet und nun folgt mit der Weihnachtsfeier ein einziger Abend der ausgelassenen Stimmung, angefeuert von jeder Menge Alkohol. Benimm-Patzer, Ausfälle und echte Peinlichkeiten sind da fast vorprommiert.
Aber auch dann gelten Regeln: «Selbst wenn man sich gut versteht, bleiben es doch berufliche oder geschäftliche Kontakte», sagte Bettina Angerer. «Und man sollte nicht vergessen, dass man sich vielleicht schon am nächsten Morgen wiedersieht», so die Etikette-Trainerin. Das kann aus vielen Gründen peinlich werden.
Die wichtigsten Tipps:
Etwas Zurückhaltung ist beim vorweihnachtlichen Feiern das beste Mittel, Chef und Kollegen künftig ins Gesicht sehen zu können.
Auf der Weihnachtsfeier ist der Umgangston oft lockerer im Büro. Duzen sich dann die Mitarbeiter gegenseitig, heißt das nicht, dass das künftig auch für die Arbeit gilt. Gerade dem Chef gegenüber ist Zurückhaltung gefragt. Ob das «Du» am nächsten Tag noch Bestand hat, bestimme er allein, erläutert Karriereberaterin Carolin Lüdemann. «Sollte dieser wieder zum 'Sie' zurückkehren, lässt man diesen Sinneswandel unkommentiert und geduldet sich bis zur nächsten Feierlichkeit», erklärt sie.
Um ein gewagtes, neues Dress zum ersten Mal zu zeigen, ist die Weihnachtsfeier der falsche Anlass. Die Art des Outfits machen Mitarbeiter am besten von der Art der Veranstaltung abhängig, rät Lüdemann. Wer mit den Kollegen auf die Kegelbahn gehe, mache im schwarzen Anzug keinen guten Eindruck. In einem schicken Lokal sind dagegen keine Jeans angesagt. Viel Haut zu zeigen, sei bei der Weihnachtsfeier ebenfalls nicht angesagt: Wie sonst im Joballtag auch sollte der Grundsatz gelten: «Mehr Stoff bedeutet mehr Autorität», so die Expertin.
Mancher Arbeitnehmer verhält sich auf der Weihnachtsfeier seines Unternehmens wie im All-inclusive-Urlaub. Er vergisst seine gute Kinderstube und konsumiert maßlos an Bar und Buffet die vom Arbeitgeber bezahlten Speisen und Getränke. «Das geht jedoch gar nicht. Es ist richtig schlechter Stil», sagt Carolin Lüdemann, Karriereberaterin und Mitglied im Deutschen Knigge-Rat. Statt sich immer wieder Nachschub zu holen, sei Zurückhaltung angesagt. Sonst entstehe schnell der Eindruck, jemand lasse es sich auf Firmenkosten gerne gut gehen.
Wenig ratsam sei außerdem, den ganzen Abend mit den Kollegen aus der eigenen Abteilung an der Bar zu stehen. «Das weist nicht gerade auf Team- und Kommunikationsfähigkeit des Mitarbeiters hin», sagt Lüdemann. Vielmehr sollten Arbeitnehmer auch mit Kollegen ins Gespräch kommen, die ihnen weniger bekannt sind. Das sei nicht nur fürs Netzwerken gut- so trage auch der Einzelne dazu bei, dass auf dem Fest gute Stimmung herrscht.
Der Klassiker unter den Benimm-Patzern ist sicher, dass man zu viel Alkohol trinkt und dann auf den Tischen tanzt. Wenn alle vergleichsweise locker und ausgelassen sind, ist das möglicherweise gar kein großes Problem. Aber wer sich in dieser Hinsicht hervortut, hinterläßt nicht unbedingt einen positiven Eindruck. Bei Weihnachtsfeiern ist man nach wie vor in einem geschäftlichen Umfeld. Und so sollte man sich auch verhalten.
Auf der Weihnachtsfeier sollten Mitarbeiter nicht zu privat werden. So sei eine solche Feier nicht der richtige Ort, um sich etwa über familiäre Probleme zu unterhalten. «Das kann dem eigenen Image schaden», sagt Agnes Jarosch vom Deutschen Knigge-Rat. Besser sei es, bei unverfänglichen Small-Talk-Themen zu bleiben. «Weihnachten und Geschenke eignen sich da zum Beispiel.» Denn dazu könne jeder etwas sagen, ohne dass es zu intim wird.
Tabu sei es auch, auf der Feier über Kollegen zu lästern, warnt Jarosch. Denn es wirkt schäbig, andere hinter ihrem Rücken schlechtzumachen. Ebenso unpassend sei es, etwa das Essen oder den Wein zu kritisieren. Auch mit platten Witzen oder flotten Sprüchen halten Mitarbeiter sich besser zurück- sie können hinterher schnell peinlich sein.
Die Grenze zwischen Flirten und sexueller Belästigung ist schmal, und die Weihnachtsfeier nicht der Ort, sie auszutesten. Gerade wenn Alkohol im Spiel ist, sinkt die Hemmschwelle aber nicht nur in dieser Hinsicht: Mancher wird beim Feiern womöglich grob oder aggressiv oder auch nur unangenehm zutraulich. Beherrschen Sie sich!
«Am nächsten Tag ist wieder jeder in seiner alten Rolle», wie Angerer betont. «Wer dann das Gefühl hat, er habe sich nicht so benommen, wie er sollte, spricht das am besten an.» Bei ausgeprägten Verstößen gegen die Benimm-Regeln ist eine Entschuldigung nicht die schlechteste Wahl. «Sonst kann das eine Negativspirale in Gang setzen», warnt die Etikette-Expertin. Hat man sich dagegen nur selbst blamiert, etwa durch peinliches Posen auf der Tanzfläche, hilft nur eins: Hoffen, dass schnell Gras über die Sache wächst.
Sind Arbeitnehmer nicht gerade im Urlaub, sollten sie in jedem Fall die Weihnachtsfeier im Büro besuchen. Denn wer lieber zu Hause bleibt, macht sich schnell zum Außenseiter, erklärt die Karriereberaterin Carolin Lüdemann. Die Anwesenheit auf der Feier sei zwar keine Pflicht. Das gelte jedenfalls, solange das Fest nicht während der Arbeitszeit stattfinde. Doch es mache keinen guten Eindruck, wenn Arbeitnehmer ohne Grund wegbleiben. Das signalisiere, dass jemand kein Interesse am Beisammensein mit den Mitarbeitern hat, sagt die Expertin.
Wer kurzfristig ausfällt, etwa weil er krank wird oder ihm etwas Wichtiges dazwischenkommt, sollte unbedingt absagen: «Das ist immer guter Stil», sagt Angerer. «Auch wenn man denkt, da kommen 200 Leute, da fällt einer mehr oder weniger gar nicht auf.» Schließlich gehe es möglicherweise 10 oder 20 anderen auch so- und dann sollten die Organisatoren besser Bescheid wissen.
Nach der Weihnachtsfeier gehört es zum guten Ton, sich beim Chef für die Einladung zu bedanken. In kleinerem Rahmen verabschieden Mitarbeiter sich am Ende der Feier daher am besten persönlich vom Vorgesetzten und sagen Dankeschön. Bei einer großen Feier mit 100 oder mehr Teilnehmern ist das dagegen kein Muss. «Sonst bedeutet das im Extremfall, dass der Chef am Ende 100-mal Hände schütteln muss», sagt Agnes Jarosch vom Deutschen Knigge-Rat in Bonn. In solchen Fällen verschieben Mitarbeiter es daher eventuell lieber auf den nächsten Tag, sich zu bedanken.

