Der Skandal um als Rind deklariertes Pferdefleisch in Großbritannien zieht immer weitere Kreise. Tausende Menschen haben ohne ihr Wissen Pferdefleisch gegessen, seit Tagen kommen neue Details ans Licht. Die Aufsichtsbehörde vermutet hinter dem Skandal kriminelle Machenschaften.
Der britische Umweltminister Owen Paterson schließt eine internationale kriminelle Verschwörung nicht aus und stellt sich auf «weitere schlechte Nachrichten» ein. Das sagte der Politiker nach Gesprächen mit Herstellern und Vertretern der Lebensmittel-Aufsichtsbehörde FSA. «Ein Produkt als Rindfleisch zu verkaufen, was sehr viel Pferdefleisch enthält, ist Betrug», so Paterson. Möglicherweise handle es sich aber auch nur um einen Fall von eklatanter Inkompetenz. Ein gesundheitliches Risiko des Verzehrs von Pferdefleisch sei indes bisher nicht festgestellt worden. Erst Ende der Woche erwarten die Behörden darüber Klarheit, in welchem Umfang Pferdefleisch in Fertigkost gelangt ist.
Nach Untersuchungen der britischen Lebensmittel-Aufsichtsbehörde FSA enthielten als Rindfleisch-Lasagne deklarierte Produkte eines großen Herstellers bis zu 100 Prozent Pferdefleisch. Erste Spuren führen zu einem französischen Hersteller, der Fleisch unter anderem auch aus Rumänien bezieht. Der Discounter Aldi in Großbritannien gab an, dass zwei Fertigprodukte eines französischen Herstellers zu 30 bis 100 Prozent aus Pferdefleisch bestanden hätten. Begonnen hatte der Fall Mitte Januar mit dem Fund von Pferdefleisch-Spuren bei irischen Herstellern.
Die britische Polizei hat bislang keine Ermittlungen aufgenommen. Hersteller sind jedoch verpflichtet worden, ihre Rindfleisch-Produkte zu testen. Inzwischen habe auch andere Länder auf den Pferdefleisch-Skandal reagiert. Die schwedische Lebensmittelaufsicht ermittelt gegen den Tiefkühlkonzern Findus. In Frankreich nahmen nach Medienberichten sechs Supermarktketten Lasagne und andere Fertiggerichte aus dem Sortiment. Rumänien leitete eine Untersuchung von Schlachthöfen ein, wo das Pferdefleisch hergekommen sein soll.
Verbraucherministerin Ilse Aigner hat bisher keine Anzeichen dafür, dass in Deutschland falsch gekennzeichnete Produkte mit Pferdefleisch auf den Markt gekommen sind. Bereits nach Bekanntwerden der ersten Pferdefleisch-Funde in Tiefkühlprodukten in Großbritannien und Irland habe das Ministerium reagiert. Die zuständigen Kontrollbehörden seien gebeten worden, darauf zu achten, ob derartige Erzeugnisse auch in Deutschland auf den Markt gekommen sein könnten. In Deutschland verschärfte das Düsseldorfer Verbraucherschutzministerium die Produktkontrollen.

