Ausgehend von wenigen Personen werden die oppositionellen Aktivitäten schnell zu einer breiten Volksbewegung. Immer mehr Menschen wehren sich gegen Hoffnungslosigkeit, Verfall und Stillstand in der Gesellschaft, fordern Reisefreiheit und freie Wahlen. Bürgerbewegungen und Parteien gründen sich. Hunderttausende gehen mutig auf die Straße. Die kommunistischen Machthaber können nur noch hilflos reagieren.
Während ein Teil der Bevölkerung die DDR reformieren will, stimmt ein anderer Teil mit den Füßen ab und verlässt das Land. Zusammen beseitigen sie die Diktatur der SED, zwingen Staatspolitiker zum Handeln und schreiben Geschichte. Wie rasant diese Entwicklung verläuft, ist daran abzulesen, dass noch im Mai 1989 bei der Kommunalwahl etwa 90 Prozent Ja-Stimmen zur Einheitsliste abgegeben werden. Es ist kaum ein halbes Jahr vergangen und Hunderttausende stellen auf den Straßen den Machtanspruch der SED in Frage. Doch auch die Forderungen der Demonstranten ändern sich in kurzer Frist. Am deutlichsten wird das am Wechsel der Losungen von „Wir sind das Volk“ zu „Wir sind ein Volk“. Selbst nach der Maueröffnung reißt der Strom der Ostdeutschen nicht ab, die das Land Richtung Westen verlassen. Schließlich finden schon fünf Monate später die ersten freien Wahlen in der DDR statt. Die meisten Wähler entscheiden sich für die Parteien, die den schnellsten Weg zur Wiedervereinigung versprechen. Die Geschwindigkeit wird dabei weiter von den Bürgern bestimmt, die die Regierenden zur Währungsunion und Einheit treiben. Noch wenige Tage vor Inkrafttreten des Einigungsvertrags erzwingen sie dessen Änderung. Die Stasiakten müssen offen gelegt werden. Dass der Handlungsmut nicht wie Phönix aus der Asche kommt, dass es Ursachen und Bedingungen gibt, wird dabei ebenso wenig außer Acht gelassen, wie die Einflüsse aus den Nachbarstaaten. Die Signale der Solidarnosc aus Polen spielen für die Umwälzungen genauso eine Rolle, wie die Öffnung der ungarisch-österreichischen Grenze.
Die familiären Bindungen zu den Deutschen auf der anderen Seite der Mauer sind ebenso wichtig wie die westdeutschen Medien, die mit ihrer Berichterstattung nicht Presseinformation 3 nur das Informationsmonopol der SED-Diktatur aufbrechen, sondern auch den Oppositionellen in der DDR ein Forum bieten.
In der Ausstellung wird nicht nur der zeitliche Ablauf der Ereignisse wiedergegeben. Neben den Ergebnissen der gesellschaftlichen Um- und Neuordnung sollen die Vielschichtigkeit des Prozesses der politischen Willensbildung, die Ziele der Bürger, sowie ihre Motive und Handlungsformen verdeutlicht werden. Das daraus entstehende Bild ist nicht homogen. Es zeigt unterschiedliche und zum Teil gegenläufige Interessen. Die Ausstellung will nicht nur die Geschichte zeigen, sondern zu einer kritischen Diskussion anregen, zum Meinungsstreit um und für eine freie und demokratische Gesellschaft und im besten Fall damit den Geist von 1989 weiterleben lassen.
Öffnungszeiten: bis zum 3. Oktober 2010 auf dem Alexanderplatz, neben der Weltzeituhr. Die Ausstellung ist zweisprachig (deutsch und englisch) und täglich von 0 bis 24 Uhr zugänglich, Eintritt frei.
Ein Projekt der Robert-Havemann-Gesellschaft e.V. in Zusammenarbeit mit der Kulturprojekte Berlin GmbH; gefördert durch die Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin und den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages.
Gerade weil sich die Ausstellung auch an jüngere, nach der Friedlichen Revolution geborene Mitbürger richtet, scheint es unerlässlich, historische Wegmarken der deutschen und europäischen Teilungsgeschichte aufzuzeigen. Im Ausstellungsabschnitt „Aufbruch“, geht es um die unmittelbare Vorgeschichte der Friedlichen Revolution, in den der 1980er Jahren. Der Abschnitt „Revolution“ behandelt den Zeitraum zwischen Sommer 1989 und dem Vorabend der Volkskammerwahlen am 18. März 1990. Das sich anschließende Kapitel „Einheit“ erzählt den kurzen Weg von den ersten freien Wahlen in der DDR bis zu den ersten gesamtdeutschen Wahlen im Dezember 1990. Im Ausstellungspavillon schließlich geben Zitate die unterschiedlichen Sichtweisen auf die Ereignisse von 1989 quer durch die Gesellschaft wieder.
Die Ausstellung wurde am 7. Mai 2009 in Anknüpfung an die Proteste gegen die Fälschung der letzten Kommunalwahlen in der DDR eröffnet. Bis zum 3. Oktober 2010 ist die zweisprachig (deutsch und englisch) gestaltete Ausstellung täglich 24 Stunden kostenfrei zugänglich. Auf dreihundert laufenden Metern Ausstellungsfläche werden über 700 Fotos und Dokumente gezeigt.
Originalobjekte sowie zehn Medienstationen mit Filmbeiträgen vermitteln einen lebendigen Eindruck von der wachsenden Intensität der damaligen Ereignisse. Materialbasis für die Ausstellung ist der reichhaltige Fundus an Dokumenten, Fotos, Audios und Filmen, die im „Archiv der DDR-Opposition“ der Robert-Havemann- Gesellschaft e.V. seit Jahren gesammelt und geordnet werden.
Als Ort mit historischem Bezug bietet sich der Berliner Alexanderplatz an. Hier fand sich ab Juni 1989 an jedem 7. des Monats ein Häufchen Mutiger ein, um gegen die Wahlfälschung zu protestieren. Am 7. Oktober schließlich füllte sich der ganze Platz und es formierte sich ein Protestzug zum Palast der Republik, in dem sich die SED selbst feierte. Auch in den folgenden Tagen und Wochen war der Platz immer wieder ein Treffpunkt von Regimekritikern.
Über den gesamten Ausstellungszeitraum gibt es ein vielfältiges Rahmenprogramm, das durch ein umfangreiches Führungsangebot ergänzt wird. Neben Regelangeboten mit geschulten Ausstellungsbegleitern sind Sonderführungen durch Zeitzeugen möglich. Zahlreiche Begleitveranstaltungen erweitern das Programm.
Als zentraler Ausgangspunkt ist ein Informationspavillon täglich ab 10.00 Uhr geöffnet. Hier sind unter anderem eine Medienstation und ein Buchshop untergebracht. Auf einem interaktiven Terminal der Medienstation können verschiedene historische Filmdokumentationen des Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) angesehen werden. Im Buchshop besteht neben dem Erwerb vertiefender Literatur auch die Möglichkeit, Tickets für die Zeitzeugen-Führungen durch die Ausstellung zu buchen. Ebenfalls im Innenbereich des Pavillons ist ein Großdisplay installiert, auf dem längere Dokumentationen und Spielfilme gezeigt werden. Die Besucher haben die Möglichkeit, sich in einem virtuellen Gästebuch einzutragen. Dieses ist in die Website zur Ausstellung integriert, die unter www.revolution89.de in Deutsch und Englisch zur Verfügung steht. Zusätzlich können Meinungen auch auf einem „schwarzen Brett“ im Ausstellungsbereich geäußert werden.
Begleitend zur Ausstellung erscheint das Magazin „Wir sind das Volk“, das für 5,- Euro im Buchshop erworben werden kann.
Ein umfangreiches Vermittlungs- und Bildungsprogramm zur Ausstellung richtet sich an Schülerinnen und Schüler ab der Primarstufe. Die Fragen vom Umgang mit Diktatur und Demokratie, die uns auch heute bewegen, stehen im Zentrum der Führungen und Workshops. Die Schüler erfahren von den Menschen, die die Friedliche Revolution vorbereitet und durchgekämpft haben und beschäftigen sich mit den Ursachen, Zielen und Erfolgen der Friedlichen Revolution. Zu verschiedenen Themen wie „Flucht“, „Protest“ oder „Freiheit“ können 60minütige Führungen in mehreren Sprachen, darunter Deutsch, Englisch, Italienisch, Französisch, Spanisch, Polnisch, Ungarisch, Türkisch und Russisch gebucht werden. Im Anschluss an die Führungen bieten kreative oder historische Workshops eine weitere Vertiefung der Inhalte an. Zusätzlich werden Ferienprogramme mit Exkursionen und Filmen angeboten.
Auch für Erwachsene besteht die Möglichkeit in verschiedenen Sprachen Gruppenführungen zu buchen. Jeden Samstag um 13 Uhr führen zudem Akteure und Zeitzeugen der Friedlichen Revolution durch die Ausstellung und geben aus ihrer Perspektive authentisch Auskunft. Die Führungen finden mit mindestens 5 und maximal 15 Teilnehmern statt, die Tickets kosten 5 Euro und sind direkt vor Ort erhältlich, Anmeldung nicht erforderlich.
Infoline, Tel. 030 / 247 49-888, Fax: 030 / 247 49-883
Mo bis Fr 9.00 - 16.00 Uhr, an Wochenenden und Feiertagen von 9.00 - 13.00 Uhr
E-Mail: führungen@mauerfall09.de
www.mauerfall09.de / www.revolution89.de

