Natur + Grün  

 

Straßen- und Parkbäume

Krankheiten und Schädlinge


Bäumen im innerstädtischen Bereich, insbeondere Straßenbäumen, steht in der Regel nur ein eingeschränkter Lebensraum zur Verfügung. Vor allem der verdichtete und versiegelte Wurzelbereich wirkt sich nachhaltig auf die Vitalität der Bäume aus. Oft kommen mechanische Verletzungen hinzu, die den Eintritt für holzzerstörende Pilze begünstigen. Schäden an Bäumen werden auch durch Streusalz, Erdgas und Hundeurin verursacht. Geschwächte und bereits geschädigte Bäume sind besonders anfällig für Krankheiten und Schädlinge.

Der aktuelle Straßenbaum-Zustandsbericht besagt, dass im Jahr 2010 rund 40 % aller über 15 Jahre alten Berliner Innenstadt-Straßenbäume geschädigte Kronen aufwiesen.

Aus der Vielzahl der Schaderreger an Berliner Bäumen einige Beispiele:
  • Fast alljährlich werden vor allem Sommer-Linden von Spinnmilben befallen. Heiße und trockene Jahre begünstigen ihre Vermehrung. Befallene Bäume zeigen bereits im Juni ein Vergilben der Blätter im unteren Kronenbereich. Bei starkem Befall kann sich das bis in die Krone hinauf fortsetzen. Es kommt dabei zum fortschreitenden Verbräunen und Vertrocknen der Blätter, was zu frühem Laubfall führt.
     
  • Blattläuse sind besonders an jungen Blättern und Trieben zu finden. In trockenen und heißen Jahren werden verstärkt Linden von Blattläusen befallen. Die klebrigen Ausscheidungen der Blattläuse, der sog. Honigtau, sind wiederum Nahrungsgrundlage für Rußtaupilze, erkennbar an den geschwärzten Blättern. Verklebte und verschmutzte Flächen unter den Linden, oft auch auf Autos, sind eine weniger beliebte Folgeerscheinung.
     
  • Die Blattbräune oder Blattnervenkrankheit bei Platanen ist auf einen Pilz (Apiognomonia veneta) zurückzuführen, der braune Blattflecken entlang der Blattadern verursacht. Bei Befall kommt es bereits im Frühjahr zum Welken und Vertrocknen der jungen Austriebe, Starkäste werden nicht befallen.
     
  • Die Kastanien-Miniermotte (Cameraria ohridella), ein Insekt, das erst 1985 in Mazedonien entdeckt wurde, wurde in Berlin erstmalig 1998 festgestellt. Befallen werden vorwiegend weißblühende Rosskastanien. Die Larven der Kastanien-Miniermotte zerstören durch ihre Fraßtätigkeit das Innere der Blätter, was äußerlich an einer hellbraunen Fleckung erkennbar ist. Bei starkem Befall kommt es zum vorzeitigen Blattfall. Jahrelanger Befall führt zur Schwächung des Baumes.
     
  • Die Wollige Napfschildlaus (Pulvinaria regalis), gehört zu den saugenden Schadorganismen, in Berlin wurde sie erstmals im Jahr 2000 festgestellt. Die Larven des Schädlings setzen sich auf Blättern und Zweigen fest und saugen hier den Pflanzensaft. Die Wollige Napfschildlaus bevorzugt insbesondere Linden und Rosskastanien und ist hier durch watteartige, weiße Gebilde am Stamm, die sich bei starkem Befall auch an den Ästen bilden, zu erkennen.

  • Der zu den Schlauchpilzen zählende Schwächeparasit an Platane (Splanchnonema platani) verursacht ein rasches Absterben von Ästen. Diese als Massaria bezeichnete Krankheit wurde in Deutschland erstmals 2003 nach einem heißen und besonders trockenen Sommer nachgewiesen. Auch größere Äste mit geringer Vitalität können befallen werden und rasch ganz oder teilweise abgetötet werden. Breite, leicht violett bis hellrötlich verfärbte Rindenbereiche der Astoberseite sind ein Zeichen des Befalls. Später färben dunkle Pilzsporen diese Partien fleckig-schwarz. Es folgt eine rasch voranschreitende Holzfäule im Gewebe der Astoberseite. Da die Astunterseite noch nicht befallen ist, bleibt der Ast weiterhin belaubt. Voll belaubte und dis dahin unauffällige, stärkere Äste können innerhalb einiger Wochen absterben und zu einer Gefahr werden.

  • Die Weiße Mistel (Weißbeerige Mistel, Viscum album) wächst als immergrüner Halbschmarotzer auf den Ästen bestimmter Wirtsbäume und kann im Laufe der Jahre Büsche von bis zu einem Meter Durchmesser bilden. Die Samen der Mistel werden durch Vögel verbreitet, für die sie einen wichtigen Teil der Winternahrung darstellen. Das Berliner Pflanzenschutzamt hat bei Untersuchungen im Raum Steglitz-Zehlendorf seit 1987 eine Zunahme des Auftretens der Laubholz-Mistel verzeichnet. Die vielfältigen Beeinträchtigungen am Straßenstandort schwächen die Bäume und machen sie anfällig für die Besiedlung mit Misteln. Auch wenn die Mistel in letzter Zeit als Baumschädiger in Verruf gekommen ist, konnte bislang nicht nachgewiesen werden, dass das Absterben von Bäumen durch Mistelbesatz verursacht wurde. Da die Mistel seit langem in Berlin und Brandenburg vorkommt, ist die aktuelle verstärkte Ausbreitung ein Zeichen für eine natürliche dynamische Veränderung. Solche Ausbreitungsveränderungen sind gerade in Stadtgebieten kein Einzelfall, sondern prägendes Merkmal urbaner Natur.

    Einem Informationsblatt der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, des Landesbeauftragten für Naturschutz und Landschaftspflege und des Pflanzenschutzamtes Berlin können Sie weitere vertiefte Informationen zu diesem Thema entnehmen: