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Pflege und Unterhaltung

Handbuch Gute Pflege - Pflegestandards für die Berliner Grün- und Freiflächen


  • Handbuch Gute Pflege
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Grünflächenmanagement steht im Spannungsfeld zwischen gärtnerischer Pflege und Gewährleistung der Verkehrssicherheit sowie der naturschutzfachlichen Belange. Darüber hinaus sind die speziellen Anforderungen der Gartenkunst und die Bewahrung des gartenkünstlerischen Erbes zu beachten. Die Qualität der Grünflächenpflege wird einerseits von den verfügbaren Ressourcen (Budget, Fachkräfte, Arbeitsmittel) geprägt, andererseits von dem gemeinsamen Qualitätsverständnis.

Das Landschaftsarchitekturbüro gruppe F erhielt 2015 den Auftrag zur Konzeption und Ausarbeitung eines "Handbuches Gute Pflege – Pflegestandards für die Berliner Grün- und Freiflächenpflege unter Berücksichtigung von Erholungs- und Naturschutzbelangen". Ziel war die ressortübergreifende Verständigung auf regelmäßig fortzuschreibende interdisziplinäre Qualitätsanforderungen für die Berliner Grünflächenpflege unter Einbeziehung der Berliner Fachbehörden und Fachöffentlichkeit. Das gemeinsam abgestimmte "Handbuch Gute Pflege" wurde in einer ersten Fassung am 08.12.2016 von der Leitungskonferenz Naturschutz und Stadtgrün, der Berliner Landesgruppe der Deutschen Gartenamtsleiterkonferenz (GALK), mehrheitlich zustimmend bestätigt.

Das Handbuch ist keine verpflichtende Vorgabe und führt auch nicht automatisch zu einer auskömmlichen Finanzierung für die dargestellten Maßnahmen. Es stellt die Ziele für eine qualitativ hochwertige gärtnerische Pflege unter besonderer Berücksichtigung der Erholungsnutzung, des Naturschutzes und der Gartendenkmalpflege mit den dafür erforderlichen Aufwänden dar und kann künftig über die Integration in den Berliner Standardtätigkeitenkatalog Grünflächenpflege und das Berliner Grünflächeninformationssystem (GRIS) Grundlage für die Anwendung in der Praxis sowie eine angepasste Budgetierung und damit die Verbesserung der personellen und finanziellen Ausstattung für die Grünflächenpflege durch die Bezirksämter sein.

Die 11 "Goldenen Regeln" der Guten Pflege in Berlin

Bei der Pflege und der Unterhaltung von Grünflächen und Bäumen
  1. gilt das Bemühen der Pflegenden, dass sich die Erholungssuchenden auf ausreichend vorhandenen und bedarfsgerechten öffentlichen Grünflächen wohl fühlen und an Naturaspekten sowie dem grünen Erbe erfreuen können
  2. hat die Gewährleistung der Verkehrssicherung Vorrang vor allen anderen Pflegeaspekten. Die Art notwendiger Maßnahmen wird im Einzelfall mit den Belangen des Biotop- und Artenschutzes, des Denkmalschutzes und des Pflanzenschutzes abgestimmt.
  3. wird Rücksicht genommen auf das Vorkommen von gebietsheimischen Tier- und Pflanzenarten und auf Nester bzw. Brutstätten von wildlebenden heimischen Tieren
  4. erfolgt die Ausführung der Pflege so, dass Blüh- und Fruchtaspekte berücksichtigt werden, indem dort, wo dem keine anderen Gestaltungs-, Funktions- und Nutzungsaspekte entgegenstehen, diese aspektbildenden Bestände geschont werden. Die Pflegemaßnahme erfolgt dementsprechend abschnittsweise, wodurch vielfältige mosaikartige Strukturen in der Fläche gefördert werden
  5. wird Mahdgut und Gehölzschnitt nachhaltig genutzt und soweit möglich dem Naturkreislauf zugeführt
  6. wird darauf geachtet, dass Laub, wo immer es möglich ist, vor Ort verbleibt
  7. wird gezielt darauf hingewirkt, dass dort, wo es die Gestaltung und Funktion von Grünanlagen zulässt, Strukturvielfalt entsteht. So ist es zu begrüßen, wenn sich beispielsweise vor Strauchflächen vielfältige Säume entwickeln
  8. sind bei der Auswahl von Pflanzen Blühaspekte und Pflanzenstrukturen hinsichtlich eines dauerhaften und ausreichenden Nahrungsangebots sowie eines "adäquaten Lebensraums" für Wildbienen und andere Bestäuber mit zu bedenken
  9. steht bei der Verwendung von Saatgut der Einsatz von gebietsheimischem Material im Vordergrund. Bei Pflanzungen ist unter Berücksichtigung gestalterischer, gartenkünstlerischer und ökologischer Belange zwischen Vielfalt und gebietsheimischer Herkunft angemessen abzuwägen
  10. werden dort, wo sich spontan Pflanzen – im Sinne der urbanen Wildnis – angesiedelt haben, diese im Rahmen der Entwicklungsmöglichkeiten beispielweise auf Baumscheiben oder Brachen respektiert und erhalten
  11. wird schonend mit dem Boden umgegangen – vor allem was den Eintrag von Fremdsubstraten angeht. Die Verbesserung schwieriger Standortsituationen für Pflanzungen wie z.B. von Innenstadtbäumen durch ein spezifisches organisch angereichertes Bodensubstrat ist dabei möglich.
Quelle: "Handbuch Gute Pflege" S. 18/19

Publikationen

Handbuch Gute Pflege - Pflegestandards für die Berliner Grün- und Freiflächen

Handbuch Gute Pflege
(Bearbeitungsstand 07.12.2016)