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Leitfaden für Sonderabfälle

Lackierung


 
Der gesamte Lackierprozess umfasst neben dem Beschichtungsvorgang in der Regel vor- und nachgeschaltete Verfahrensschritte. Die vorgeschalteten Verfahrensschritte dienen in erster Linie dazu, die Haftung, den Korrosionsschutz und die Oberflächengüte vor dem eigentlichen Lackierprozess zu verbessern. Die hierbei anzuwendenden Verfahrensschritte hängen im wesentlichen von den Qualitätsanforderungen, dem Werkstoff und der Größe der zu lackierenden Werkstücke sowie den Losgrößen (Stücklackierungen, Serienlackierung) ab. So werden z.B. kleinere bis mittelgroße Teile mit geringen Qualitätsanforderungen vor dem Lackieren bei Bedarf geschliffen und meist nur entfettet (bei kleinen Losgrößen manuell mit Lösemittel oder Dampfstrahler, bei Serienlackierung meist in wässrigen Durchlaufverfahren). Bei funktionell hohen Anforderungen schließen sich an die Entfettung weitere Vorbehandlungsschritte an (z.B. Beizen, Phosphatieren, Passivieren, Chromatieren), die insbesondere bei der Serienlackierung in mehrstufigen Durchlaufanlagen durchgeführt werden. Die in diesen Vorbehandlungsschritten anfallenden Abfallarten und VVV-Maßnahmen wurden bereits in unter Reinigung/Entfettung und Oberflächenvorbehandlung beschrieben.
 
Als nachgeschaltete Verfahrensschritte folgen auf den Beschichtungsprozess die (nicht abfallrelevante) Trocknung sowie ggf. die Entlackung von Warenträgern und fehlbeschichteten Teilen. Die Entfernung der Lackschicht kann durch Schleifen, Strahlen oder Abbeizen erfolgen. Die beim Schleifen und Strahlen anfallenden farbverunreinigten Schleifstäube bzw. Strahlmittel können je nach Lackart schwermetallhaltig sein und sind ggf. als gefährlicher Abfall einzustufen.
 
Die beim Entlacken mit Beizmitteln (Säure oder Lauge) anfallenden Abbeizmittel sind in jedem Fall als gefährlicher Abfall zu entsorgen. Die Lackierung lässt sich allgemein in die zwei Hauptgruppen Nasslackierung und Pulverlackierung unterteilen.
 

Nasslackierung

Von den bei der Nasslackierung zum Einsatz kommenden Lackauftragsverfahren stellt die Spritzlackierung in Spritzkabinen das mit Abstand abfallintensivste Verfahren dar, da durch den Spritzprozess verfahrensbedingt ein relativ großer Anteil das Werkstück verfehlt (sogenannter Overspray) und aus der Spritzkabinenluft abgeschieden werden muss. Zur Abscheidung des Oversprays werden Trockenabscheider (Abfall: lackverschmutzte Filtermatten) oder Systeme mit Nassauswaschung eingesetzt (Abfälle: Lackschlamm/Koagulat; erschöpftes Kabinenauswaschwasser).
 
Demgegenüber sind das Tauchen, Gießen, Fluten und Walzen vergleichsweise abfallarme Applikationsverfahren. Als Lackmaterialien kommen sowohl Lösemittellacke (Einkomponenten- und Zweikomponentenlacke) als auch Wasserlacke mit stark vermindertem organischen Lösemittelanteil (zwischen 0% und 20%) zur Anwendung. Ein weiterer abfallintensiver Vorgang bei der Nasslackierung - insbesondere bei häufigem Farbwechsel - stellt das Reinigen der Applikationsgeräte, Lackleitungen, Pumpen und Vorlagebehälter mit Lösemitten dar. Bei den hierfür verwendeten Lösemitteln handelt es sich - im Gegensatz zu den bei der industriellen Teilereinigung eingesetzten Lösemitten - zumeist um minderwertige Lösemittelgemische (sogenannte Spülverdünnungen).
 
Als typische Abfälle fallen an:
  • Lackschlamm/Lackkoagulat aus der Nassauswaschung,
  • erschöpftes Kabinenauswaschwasser,
  • lackverschmutzte Filtermatten aus der Trockenabscheidung des Oversprays,
  • Schmutzverdünnungen und
  • Altlacke/Farbreste.

Pulverlackierung

Bei der Pulverlackierung wird das Beschichtungsmaterial (Thermoplast- oder Duroplastpulver) in trockenem Zustand mittels einer elektrostatischen Pulversprühpistole (EPS-Verfahren) oder in einer Wirbelsinterkammer (Wirbelsintern) auf das Werkstück aufgebracht und durch Erhitzen zu einem Film verschmolzen.
 
Als typische Abfälle fallen an:
  • Pulverlackreste (Overspray).