Natur + Grün  

 

NATURA 2000

NATURA 2000-Gebiet Grunewald


Grunewald, Foto: Florian Möllers
Foto: Florian Möllers


  Lage des NATURA 2000-Gebietes Grunewald in den Bezirken Charlottenburg-Wilmersdorf und Steglitz-Zehlendorf
Bezirke: Charlottenburg- Wilmersdorf und Steglitz-Zehlendorf

Der Grunewald wird als Natura 2000 Gebiet gesichert


Fragen und Antworten


Warum müssen die Verordnungen für das Landschaftsschutzgebiet Grunewald und die darin liegenden Naturschutzgebiete überhaupt überarbeitet werden?
Erstens: Die Überarbeitung hat einen europarechtlichen Hintergrund. Das Land Berlin ist durch EU-Vorgaben verpflichtet, ein so genanntes FFH-Gebiet und ein europäisches Vogelschutzgebiet rechtlich zu sichern. Andernfalls drohen Strafzahlungen. Der Europäischen Union geht es mit diesen Richtlinien (FFH-Richtlinie und Vogelschutzrichtlinie) darum, ein zusammenhängendes, ökologisches Netz besonderer Schutzgebiete in Europa zu schaffen. (Netz "Natura2000"). Ziel: die Erhaltung der natürlichen Lebensräume von wildlebenden Tiere und Pflanzen, die Sicherung der biologischen Vielfalt. Teile des Grunewalds sind bereits seit 2004 als FFH-Gebiet und Vogelschutzgebiet gemeldet und unterliegen rechtlichen Vorgaben.

Um diesen europäischen Vorgaben zu entsprechen, müssen die Bundesländer die FFH-Gebiete zu Landschafts- oder Naturschutzgebieten erklären und in der entsprechenden Schutzgebietsverordnung den Schutzzweck, die Entwicklungsziele und -maßnahmen sowie die erforderlichen Gebote und Verbote festsetzen.

Zweitens genügen weder die derzeit geltende Landschaftsschutzgebietsverordnung für den Grunewald, die noch auf dem Reichsnaturschutzgesetz von 1935 beruht, noch die geltenden Verordnungen für die darin liegenden Naturschutzgebiete den heutigen Anforderungen des Bundesnaturschutzgesetzes. Sie werden dem fortentwickelten, modernen Naturschutzrecht und den heutigen Lebenslagen und Nutzungsformen nicht gerecht. Auch aus diesem Grund bedarf es dringend einer Überarbeitung.

Ausführliche Informationen finden Sie auf folgenden Internetseiten:

Was sind die konkreten Schutzziele für den Grunewald?
Landschaft und Artenreichtum machen den Grunewald zu einem der schönsten Naherholungsgebiete in Berlin. Er soll in all seiner Vielfalt und Schönheit für alle erhalten und gesichert werden, damit auch unsere Kinder und Enkel noch Entspannung und Erholung im Grunewald finden – egal ob mit oder ohne Hund.

Schutzzweck der neuen Verordnung ist es unter anderem, die durch die letzte Eiszeit geprägte Landschaft eines großflächigen Waldgebietes zu entwickeln. Das Gebiet wird im Westen von der Havelniederung zwischen dem Großen Wannsee und der Heerstraße und im Osten von den städtischen Siedlungsbereichen begrenzt und ist von zwei Rinnentälern mit Fließgewässern und Mooren durchzogen.

Der Grunewald ist ein wertvoller Lebensraum für viele, auch gefährdete oder bedrohte Pflanzen- und Tierarten. Besonders hervorzuheben sind die bodensauren Eichenwälder, Eichenmischwälder, Au- und Bruchwälder, Moor- und Sumpfwälder und die zahlreichen Altbäume, vor allem Eichen, Kiefern und Buchen. Der Altbaumbestand im Grunewald hat eine hohe Bedeutung für die seltenen und gefährdeten Käferarten Eremit, Heldbock und Hirschkäfer. Auch Höhlenbrüter, Fledermäuse und seltene und gefährdete Moose und Flechten sind auf diese Lebensräume angewiesen. Besonders wertvolle Offenbereiche wie Dünen, Mager- und Trockenrasen, Heideflächen, Sand- und Kiesgruben sind Lebens- und Rückzugsraum für zahlreiche seltene und gefährdete trockenheits-, wärme- und lichtliebende Tier- und Pflanzenarten. Ferner sind die Flussseenlandschaft der Havel, Gewässer der Grunewaldseenkette und andere Kleingewässer sowie naturnahe Sümpfe wertvolle Lebensräume. Moore gehören weltweit zu den gefährdeten Lebensräumen. Sie sind besonders empfindlich gegenüber Veränderungen ihres Wasserhaushaltes und gegenüber Trittbelastungen. Aufgrund ihrer langen Entstehungsdauer sind Moore selten und nicht ersetzbar. Sie sind ferner als Kohlenstoffspeicher von besonderer klimatischer Bedeutung.

Hier leben und nisten zum Beispiel mehrere Spechtarten, Neuntöter und Heidelerche, Drosselrohrsänger und Zwergtaucher sowie mehrere Greifvogelarten, aber auch Knoblauchkröte, Moorfrosch und Zauneidechse, die Fischarten Bitterling und Steinbeißer oder die Libellenart Große Moosjungfer.

Genutzte Naturgüter sind insbesondere die Waldbestände, aber auch die Havel für die Berufsfischerei sowie das Grundwasser und Uferfiltrat der Havel für die Trinkwassergewinnung.
Welche Verbote setzt die neue Verordnung für das Mitführen von Hunden fest?
Nach der Neuausweisung des Grunewalds wird es wie bisher möglich sein, Hunde außerhalb des Hundeauslaufgebietes im Landschaftsschutzgebiet an kurzer Leine mitzuführen, soweit nicht einzelne Bereiche gesperrt sind. Auch im Naturschutzgebiet ist auf zugelassenen Wegen die Mitnahme von angeleinten Hunden erlaubt.

In Hundeauslaufgebieten dürfen Hunde weiterhin frei umherlaufen, soweit nicht einzelne Bereiche gesperrt sind.
Welche Veränderungen ergeben sich aufgrund der Abgrenzung der im Hundeauslaufgebiet liegenden Naturschutzgebiete?
Eine flächenmäßig ins Gewicht fallende Reduzierung des Hundeauslaufgebietes ist nicht vorgesehen.

Der südliche Teil des Grunewaldsees ist bereits seit Jahrzehnten als Naturschutzgebiet ausgewiesen und landseitig eingezäunt. Hier entsteht also kein neues Naturschutzgebiet. Der restliche Teil des Grunewaldsees verbleibt im Landschaftsschutzgebiet und kann daher im bestehenden rechtlichen Rahmen für den Hundeauslauf genutzt werden, solange keine anderen Regelungen (siehe unten) getroffen werden.

Lediglich im Bereich des Naturschutzgebietes "Langes Luch / Dachsheide" ergeben sich geringfügige Veränderungen für das Mitführen von Hunden. Kleinere Waldbereiche westlich und östlich des Fenngrabens werden neu in das Naturschutzgebiet aufgenommen werden. Die Teilfläche der "Dachsheide" mit ehemaligen Schießständen der Alliierten wird ebenfalls neu aufgenommen: Diese Fläche ist jedoch seit Jahren eingezäunt und als Hundeauslauffläche schon bisher nicht nutzbar.

Die nördlich der Umzäunung liegende Teilfläche der "Dachsheide" befindet sich weiterhin im Landschaftsschutzgebiet und kann daher im bestehenden rechtlichen Rahmen für den Hundeauslauf genutzt werden.

In Anbetracht der derzeitigen Gesamtgröße des Hundeauslaufgebietes im Grunewald ist diese dem Naturschutz dienende Verkleinerung irrelevant.
Sind weitere Absperrungen für Hund und Mensch oder die Ausweisung von Flächen, in die Hunde nicht mitgeführt werden dürfen, nach Erlass der Verordnung geplant?
Es sind infolge der neuen Grunewaldschutzverordnung keine weiteren Absperrungen oder die Ausweisung von Flächen geplant, auf denen Hunde nicht mehr mitgeführt werden dürfen.

Die Verordnung schafft lediglich die Möglichkeit, unter ganz bestimmten Voraussetzungen, nach sorgfältiger naturschutzfachlicher Prüfung des Einzelfalles und unter Beachtung des Grundsatzes der Verhältnismäßigkeit Bereiche zu etablieren, die für Menschen und Hunde gesperrt sind oder in denen Hunde nicht mehr mitgeführt werden könnten – unter Umständen auch nur zeitweilig befristet.

Naturschutzfachliche Gründe dafür könnten zum Beispiel vorliegen, wenn trittempfindliche oder seltene Pflanzenarten gefährdet sind, wenn empfindliche Tierarten (Greifvögel wie Seeadler oder Kranich, Bodenbrüter, Zauneidechse / Waldeidechse) gestört oder gefährdet werden könnten oder um Eingriffe in nicht mehr verkehrssichere oder bruchgefährdete Bäume, die beispielsweise Lebensstätten von Eremit oder Heldbock sind, zu vermeiden. Diese Bäume sollen nicht gefällt werden, könnten aber beim Umfallen Menschen gefährden.

Die Verordnung selbst wird solche Flächen nicht festlegen, da die Notwendigkeit derartiger Maßnahmen anhand der jeweiligen konkreten Verhältnisse vor Ort zu ermittelt ist und auch wieder entfallen, also temporär sein kann.

Ganz unabhängig von der Verordnung könnte sich wie bisher auch ein Bedarf an weiteren Absperrungen oder Ausweisung von Flächen, auf denen Hunde nicht mehr mitgeführt werden dürfen, auf der Basis anderer Rechtsvorschriften, wie dem Landeswald-, Hunde- oder Grünanlagengesetz ergeben, etwa bei Gesundheitsgefahren für Mensch und Tier, Konflikten mit anderen Erholungsformen (z.B. Spielplätze, Badestellen) oder zur Förderung der Verjüngung von Waldbeständen.

Daran ändert die neue Grunewaldschutzverordnung nichts.

Wird es bei Einschränkungen des Hundeauslaufgebietes Ausgleichsflächen geben?
Ausgleichsflächen sind in Anbetracht der derzeitigen Gesamtgröße des Hundeauslaufgebietes im Grunewald und angesichts der Tatsache, dass keine signifikanten Veränderungen geplant sind, nicht erforderlich.
In welchem Zusammenhang stehen die Veränderungen zu dem für die Region vorliegenden Tourismuskonzept?
Die Neuausweisung des Grunewalds als Landschaftsschutzgebiet mit darin liegenden Naturschutzgebieten erfolgt aus naturschutzfachlichen und -rechtlichen Gründen und stellt einen verbindlichen rechtlichen Rahmen für Entwicklungen im Gebiet auch des Tourismus dar. Demzufolge hat auch ein Tourismuskonzept der Region die Vorgaben der Schutzverordnung wie auch anderer naturschutzrechtlicher Vorschriften zu beachten und kann sich nur innerhalb des rechtlichen Rahmens bewegen.
In welcher Form wird die Bürgerbeteiligung ausgewertet und berücksichtigt und wie geht es dann weiter?
Der Verfahrensablauf ist in § 27 Absatz 5 des Berliner Naturschutzgesetzes geregelt. Die fristgerecht eingegangenen Anregungen und Bedenken werden von der obersten Naturschutzbehörde ausgewertet und geprüft und der Verordnungsentwurf wird überarbeitet, soweit dies erforderlich ist. Über das Ergebnis der Prüfung und etwaige vorzunehmende Veränderungen wird vor Erlass der Verordnung öffentlich berichtet werden.

Danach wird die Verordnung, unterzeichnet und erlassen. Sie tritt am Tag nach ihrer Veröffentlichung im Gesetzes- und Verordnungsblatt in Kraft.



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Luftbild, Foto: Florian Möllers
Foto: Florian Möllers

Alt und Jung (Eichen), Foto: Florian Möllers
Foto: Florian Möllers
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Fläche: FFH-Gebiet: 1.591,7 ha
SPA-Gebiet: 1.510,4 ha
Lage: An der Unterhavel zwischen Heerstraße und Großem Wannsee
  Als FFH- und SPA-Gebiet gemeldet
Bestandteil von: LSG Grunewald
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Von beeindruckender Vielgestaltigkeit ist dieses Waldgebiet. Teile von ihm wurden gemäß FFH-Richtlinie und als EU-Vogelschutzgebiet gemeldet. Der westliche Teil zeigt das hügelige Relief einer Endmoränenlandschaft und wird vom Grunewaldgraben durchzogen. Östlich schließt sich die Grundmoränenfläche des Teltow an, durch die von Nordost nach Südwest in einer Rinne die Grunewaldseenkette verläuft. Die in den Senken entstandenen Moore sind als Naturschutzgebiete ausgewiesen, ebenso eine ehemalige Sandgrube im Jagen 86.

Die Tier- und Pflanzenwelt des Grunewaldes ist sehr reichhaltig. Sandtrockenrasen und trockene Heiden prägen die durch militärische Nutzung entstandenen Freiflächen. Besonders wertvoll sind aber auch die zum Teil mehrere hundert Jahre alten Eichen des Grunewaldes.
 

BesuchertippsBesuchertipps

Der Grunewald ist von den S-Bahnhöfen Grunewald, Schlachtensee und Nikolassee oder von den U-Bahnhöfen Onkel Toms Hütte und Krumme Lanke in wenigen Minuten zu Fuß erreichbar. Der gesamte Forst und auch das Natura 2000-Gebiet sind durch ein dichtes Wegenetz erschlossen. Allerdings sind Teile der NSG eingezäunt und dürfen nicht betreten werden.

Empfehlenswert ist die Wanderung vom Postfenn entlang des Kleinen Grunewaldgrabens über den Teufelssee vorbei am Pechsee und am Havelberg zur Großen Steinlanke. Dieser auch als "Schwarzer Weg" bezeichnete Wanderweg gehört zu den schönsten und abwechslungsreichsten im Grunewald. Sehr empfehlenswert ist auch der Höhenweg parallel zur Havel. Über die Havelchaussee gelangt man mit Fahrrad, Auto oder Bus zum Grunewaldturm, der nicht zum Natura 2000-Gebiet gehört, aber von diesem umgeben ist. Im Norden liegt, ebenfalls auf einer Fläche, die nicht zum Natura 2000-Gebiet gehört, das Ökowerk Teufelssee, ein ehemaliges Wasserwerk, das heute als Naturschutzzentrum dient. Hier kann man sich im Infozentrum WASSERLEBEN über Landschaftsgeschichte und Waldentwicklung des Grunewaldes und die ökologischen Folgen der Grundwassernutzung informieren. Die interaktive Ausstellung - mit einem begehbaren See, großen Grunewaldmodell und einem Fluss zum Selbstgestalten - wurde für Erwachsene und Kinder ab sieben Jahren konzipiert. Vom Ökowerk aus erreicht man den Teufelssee und die frei zugänglichen Teile der Sandgrube im Jagen 86 mit Kleingewässern und vegetationsarmen Sandflächen.

Schöne und abwechslungsreiche Wanderwege verlaufen entlang der Seen und Moore der Grunewaldseenkette. Sie eignen sich sowohl für ausgedehnte Wanderungen als auch für kurze Spaziergänge. Besonders reizvoll ist ein abendlicher Spaziergang auf dem rund sieben Kilometer langen Uferweg um den Schlachtensee, wenn die untergehende Sonne das Wasser goldorange färbt und der Gegensatz zur dunklen Waldkulisse deutlich wird. Im Sommer lädt der klare Schlachtensee zum Baden ein und an seiner Ostseite hält ein Verleih Boote bereit. Auch an der Krummen Lanke und am Grunewaldsee gibt es Badestellen. Rasten kann man in einer der Ausflugsgaststätten wie der Alten Fischerhütte am Schlachtensee oder dem Restaurant Forsthaus Paulsborn am Südufer des Grunewaldsees in unmittelbarer Nähe des Jagdschlosses Grunewald.

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