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Aufnahme des Olex-Hauses um 1925, Mühlenstraße im Hintergrund Schöneberger Rathausturm - Quelle + ©: Landesarchivs Berlin (04 SCH, Best.-Nr. II 12 723)

Historie der Berliner Industrie

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatte sich Berlin zum größten Industriezentrum Deutschlands entwickelt. Träger dieser Entwicklung waren vor allem der Maschinenbau (Borsig) und die Elektroindustrie (Siemens & Halske und AEG).

Von dem Industrialisierungsboom der Stadt begünstigt, wuchsen auch die Bereiche Bauwirtschaft, Nahrungsmittel und Bekleidung zu bedeutenden Industriesektoren heran.

Aufnahme des Olex-Hauses um 1925, Mühlenstraße im Hintergrund Schöneberger Rathausturm - Quelle + ©: Landesarchivs Berlin (04 SCH, Best.-Nr. II 12 723)

Auch nach dem 1. Weltkrieg konnte Berlin seine Vormachtstellung als Industriestandort behaupten: 1936 zählte die Stadt 574.000 Beschäftigte im Produzierenden Gewerbe – in absoluten Zahlen mehr als in ganz Württemberg, Baden oder Thüringen. Bezüglich der Produktlinien der angesiedelten Industrieunternehmen gab es eine Know-how-lastige Konzentration.

Nach dem 2. Weltkrieg lag die Berliner Industrie am Boden: Lediglich 25% der maschinellen Kapazitäten waren nicht zerstört oder demontiert. Die ersten Nachkriegsjahre waren geprägt durch die Abwanderung von Industrieunternehmen oder die Verlagerung von wesentlichen Betriebsabteilungen in den Westen Deutschlands. Dieser Trend hatte zur Folge, dass es 1950 nur noch 150.000 Industriebeschäftigte im Westteil der Stadt gab. Durch Subventionen konnte dieser Trend umgekehrt werden, so dass die Zahl der Beschäftigten bis 1961 auf den Höchststand von 315.000 anstieg. Mit dem Bau der Mauer setzte sich dann trotz steigender Subventionen der Abbau von Arbeitsplätzen fort. Insbesondere im Zeitraum von 1976 bis 1983 gingen die Beschäftigtenzahlen in der für Berlin wichtigen Elektroindustrie im Vergleich zum gesamten Deutschland stark zurück.

In West-Berlin verlagerten nach dem Mauerbau weitere Großunternehmen ihre Hauptverwaltungen, Forschungs- und Entwicklungsabteilungen an andere Standorte in der Bundesrepublik Deutschland. Kapitalinvestitionen und Innovationen wurden in Berlin nur zögernd getätigt. Bestehen blieben arbeitsintensive Produktionszweige, die später als in anderen Gebieten der Bundesrepublik Deutschland eingeschränkt und aufgegeben wurden. Infolge des fehlenden Stromverbundes führten Preissteigerungen für Strom zur Erhöhung der Betriebskosten, die in den hier ansässigen Industriezweigen besonders zu Buche schlugen.

Den Standortnachteilen Berlins versuchte die Wirtschaftspolitik des Senats entgegenzuwirken, indem sie die Erneuerung der Industrie finanziell förderte. Die Berlinförderung richtete sich auf die

  • Förderung der Ausbildung junger, hochqualifizierter Arbeitskräfte in Lehrwerkstätten, Berufsschulen, Fachhochschulen und Universitäten.
  • Entwicklung und Anwendung umweltverträglicher, energiesparender oder beschäftigungswirksamer Technologien in kleinen und mittelständischen Betrieben.
  • Ansiedlung neuer Industriebetriebe durch die Bereitstellung von Flächen mit guter Anbindung an die Verkehrsinfrastruktur der Stadt und zu den Transitverbindungen per Schiene und Autobahn.

Ost-Berlin war durch hohe Reparationsleistungen und die planwirtschaftliche Ausrichtung geprägt, welche sich durch eine nichtoptimale Verteilung des Staatshaushaltes insbesondere im Sinne von Preissubventionen, und sich in großen, schwerfälligen Kombinaten und den zum Teil stark veralteten Produktionsstrukturen zeigte. Außerdem verlagerte die damalige Politik ihr Standortinteresse in den Süden der DDR, so dass dort neue Technologiezweige aufgebaut und Wachstums- und Erneuerungspotential aus der Hauptstadt entzogen wurde.


Mit Öffnung der Grenzen 1989 und der Vereinigung Deutschlands setzte Anfang der 90´er Jahre ein rasanter Strukturwandel der Berliner Wirtschaft und insbesondere der Berliner Industrie ein. Beschleunigt wurde der Strukturwandel durch den raschen Abbau der Berlinförderung im Westen der Stadt sowie den Zusammenbruch der Großkombinate im Ostteil. Zählte die Berliner Industrie 1989 noch 378.000 Beschäftigte (fast 173.000 im Westteil und knapp 206.000 im Ostteil), so waren es 2007 noch knapp 100.000. Berlin weist heute eine deutlich geringere Industriebeschäftigtendichte auf als andere deutsche Ballungszentren.

Seit dem neuen Jahrtausend erlebt die Berliner-Industrie eine Renaissance, sie schrumpft nicht mehr, sie ist verjüngt, modernisiert, immer stärker exportorientiert und international wettbewerbsfähig. Die Berliner Industrie ist wieder da, sie schafft neue und zusätzliche Arbeitsplätze und trägt zum Wachstum der Region überproportional bei.

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