„Zweisprachiges Bilderbuchkino“ - Bürgerstiftung Berlin

Bilderbuchkino
Bild: freepik.com

Deutsch lernen mit Bildern und Geschichten
Mit dem Projekt „Bilderbuchkino“ erhöht eine Berliner Stiftung die Sprachkompetenz in Brennpunktbezirken

Die Bürgerstiftung Berlin hat erkannt, wie Bilderbücher zur Integration beitragen und den Spracherwerb fördern. Seit knapp zehn Jahren tourt das Bilderbuchkino daher durch Berliner Kitas und Grundschulen. Im Weddinger Brunnenviertel hat die Bürgerstiftung mit Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) mit diesem Projekt zweieinhalb Jahre wesentlich zur Integration fremdsprachiger Kinder beigetragen. EFRE wirkt:

„Das Bilderbuchkino ist Kino für Kita- und Schulkinder der ersten Klassen“ so bringt Mathias Neumann das Projekt „Zweisprachiges Bilderbuchkino“ der Bürgerstiftung Berlin auf den Punkt. „Wir zeigen aber keinen Film, sondern Bilder, die wir aus dem Bilderbuch entnommen haben.“ Seit 2012 arbeitet er hauptamtlich in der Stiftung. Neben Neumann führen weitere achtzig Ehrenamtliche das Bilderbuchkino ebenfalls regelmäßig vor. Im Mittelpunkt steht das an die Wand geworfene Bild – ohne Text. Die Kinder können sich so besser auf die Geschichte konzentrieren. Bild für Bild projiziert Neumann auf die Leinwand. „Falls es für das Verständnis erforderlich ist, sage ich etwas dazu. Ansonsten fordere ich die Kinder heraus, mir die Geschichte selber zu erzählen.“

Das Bilderbuchkino fördert die deutsche Sprache

Neumann wählt auch die Bücher aus und ist für die Digitalisierung der Bilder zuständig. Bei in Frage kommenden Büchern hat er klare Vorstellungen: „Wichtig ist, dass es ein spannendes Buch ist. Es soll die Kinder fesseln. Eine Geschichte mit ausdrucksstarken Bildern – also eine, die man schon ohne Deutschkenntnisse nur anhand der Bilder verstehen kann – ist das allerbeste.“ Dabei ist das Bilderbuchkino keine reine Unterhaltung, der Bildungsauftrag ist klar: „Es unterstützt vor allem die deutsche Sprachförderung“, stellt Dr. Helena Stadler, Geschäftsführerin der Bürgerstiftung Berlin, den Kern des Projekts heraus.

Dank EFRE sorgt das Projekt für Integration im Weddinger Brunnenviertel

Die Kitas und Schulen, in die Neumann und die Ehrenamtlichen gehen, liegen in Brennpunktstadtteilen mit hohem Migrationsanteil, in Neukölln, Schöneberg oder Kreuzberg. Die Sprache der Bilder eint da häufig. So auch im Weddinger Brunnenviertel, in dem die Bürgerstiftung das Projekt mit Hilfe der Mittel aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) innerhalb des Kitaverbundes einführen konnte. Die Gesamtkosten des Projekts in Höhe von 130.300 EUR wurden von dem Berliner EFRE-Förderprogramm „Bildung im Quartier“ (BiQ) im Rahmen der „Zukunftsinitiative Stadtteil“ (ZIS) zur Hälfte kofinanziert. Im Rahmen des Projekts konnten nicht nur viele Bücher gekauft, übersetzt und digitalisiert, sondern auch für zweieinhalb Jahre eine Teilzeitkraft eingestellt werden, die das Bilderbuchkino an zehn Kitas und drei Grundschulen im Brunnenviertel brachte und dort in der Weise verstetigte, dass an den Grundschulen die Lehrerinnen das Bilderbuchkino zum Teil übernommen haben.

Was an drei Standorten begann, ist heute ein großes Netzwerk: In rund 40 Kitas und Grundschulen läuft das Bilderbuchkino regelmäßig. Bilder aus rund 150 Büchern sind mittlerweile digitalisiert. Dieses Engagement wird anerkannt: 2012 wurde das Projekt einer von 365 „Orten im Land der Ideen“. Der Wettbewerb, der gemeinsam von der Standortinitiative „Deutschland – Land der Ideen“ und der Deutschen Bank realisiert wird, prämiert jährlich herausragende Projekte und Ideen, die einen nachhaltigen Beitrag zur Zukunftsfähigkeit Deutschlands leisten. 2014 belegte das Bilderbuchkino den 3. Platz im Wettbewerb um den Berliner Hauptstadtpreis für Integration und Toleranz.

Anspruchsvolles Ehrenamt und Nachhaltigkeit

Mehr Zuspruch könnte das Bilderbuchkino beim „Nachwuchs“ vertragen: „Ehrenamtliche zu finden, ist tatsächlich eine Herausforderung“, stellt Natascha Salehi-Shahnian fest. Sie koordiniert das Projekt und ist Ansprechpartnerin der Ehrenamtlichen. „Bilderbuchkino ist natürlich etwas anderes als eine reine Lesepatenschaft: Man steht vor einer ganzen Gruppe – wie auf einer Bühne, muss schnell reagieren und mit der Gruppe interagieren.“ Rentnerinnen und Rentner sowie Studierende machen das Gros der Lesepaten aus. „Beide Gruppen stellen für die Kinder wichtige Bezugspersonen dar. Die einen sind eben wie die Großeltern, die anderen so etwas wie die großen Geschwister“, erklärt Salehi-Shahnian. „Es ist schon vorgekommen“, erzählt die Projektkoordinatorin, „dass die Ehrenamtlichen, die in die Schulen und Kitas kommen, quasi abgeworben werden. Sie entdecken die Liebe für den Erzieherjob.“ Und bleiben dann gleich in der Kita. Wie die Teilzeitkraft aus dem EFRE-Projekt im Brunnenviertel: „Sie war Schauspielerin und nach zwei Jahren so begeistert“, erzählt Stadler, „dass sie eine Ausbildung zur Erzieherin begann.“

In Zukunft sehen Stadler, Salehi-Shahnian und Neumann einige Aspekte, die das Bilderbuchkino beeinflussen werden. „Mit einem Schauspieler und Regisseur zusammen planen wir gerade ein neues Medium, ähnlich einem Drehbuch“, hält Stadler fest. „Denn wir werden derzeit überrannt von Anfragen, das Bilderbuchkino einzusetzen.“ Für die Bürgerstiftung Berlin geht Klasse vor Masse: „Wir können nicht so exponentiell wachsen“, betont Salehi-Shahnian mit Verweis auf die Qualität in der Zusammenarbeit: „Wir verlassen unsere Projektpartner nicht, sondern sorgen dafür, dass das Projekt vor Ort weiterläuft. Also entweder durch die Partner selber oder durch Ehrenamtliche. Wir aktualisieren den Buchbestand regelmäßig, bringen neue Bücher und Scans. Uns ist wichtig, dass wir nachhaltig arbeiten.“ Und weil die Mitarbeiter der Bürgerstiftung über die Jahre hinweg zu Experten für Bilderbücher geworden sind, scheint auch ein eigenes Zertifikat nicht fern: „Wir haben bereits die Idee, ein Siegel ‚Besonders geeignet für das Bilderbuchkino‘ zu entwickeln“, verrät Neumann mit einem Augenzwinkern.

Kontakt

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Hintergrund

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„Bildung im Quartier“, seit 2007 ein Programm der Berliner „Zukunftsinitiative Stadtteil“, wird in der Strukturfondsförderperiode 2014–2020 im Rahmen der „Zukunftsinitiative Stadtteil II“ (ZIS II) von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt fortgeführt. Seit 2007 werden bereits quartiersbezogene Bildungsangebote und Projekte im Stadtgebiet aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) gefördert.
BiQ möchte mit Hilfe zusätzlicher bildungsnaher Angebote Stadtteile nachhaltig stabilisieren. Gefördert werden Projekte in Quartieren, in denen die Überlagerung ökonomischer, sozialer, städtebaulicher und infrastruktureller Defizite die Lebens- und Arbeitsbedingungen der dort lebenden Menschen, ihre Wettbewerbsfähigkeit und ihre Chancen zur Teilhabe am wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Leben stark beeinträchtigen. Mehr Informationen unter www.berlin.de/efre, www.berlin.de/zukunftsinitiative-stadtteil und www.berlin.de/bildung-im-quartier.