Neue "Roten Listen" für Berlin

Übergabe der Roten Listen von Prof. Ingo Kowarik an Staatssekretär Stefan Tidow
Übergabe der Roten Listen. Im Bild: Staatssekretär Stefan Tidow und Prof. Dr. Ingo Kowarik Bild: SenUVK
Pressemitteilung vom 27.06.2017

Stefan Tidow, Staatssekretär für Umwelt und Klimaschutz, stellte heute gemeinsam mit Prof. Dr. Ingo Kowarik, Landesbeauftragter für Naturschutz und Landschaftspflege, die neuen “Roten Listen” für Berlin vor. Die “Roten Listen” geben Auskunft darüber, welche Tier- und Pflanzenarten in Berlin vorkommen und in welchem Ausmaß sie gefährdet sind. Sie sind ein wichtiger Gradmesser für den Zustand der Natur in Berlin und werden alle zehn Jahre aktualisiert. Für die gesetzlich vorgeschriebene Erhaltung der Tier- und Pflanzenwelt Berlins sind “Rote Listen” unentbehrliche Arbeitsmittel. Sie veranschaulichen auf wissenschaftlicher Grundlage, wie es um das Überleben von Tier- und Pflanzenarten in einem bestimmten Gebiet bestellt ist. An der Erstellung der aktuellen “Roten Liste” beteiligten sich mehr als 50 ehrenamtliche Expertinnen und Experten.

Mit der offiziellen Übergabe der “Roten Listen” wurden auch die wesentlichen Ergebnisse und Besonderheiten ausgewählter Tier- und Pflanzenarten vorgestellt. Nach den vorliegenden Ergebnissen sind mehr als ein Drittel (38 Prozent) der 4.756 bearbeiteten Arten gefährdet oder ausgestorben (1.796 Arten, darunter zum Beispiel das Rebhuhn). Besonders stark gefährdet sind Amphibien (75 Prozent), mehr als die Hälfte der Brutvögel sowie Moose, Wasserkäfer, Blatthornkäfer und Prachtkäfer. Wichtige Ursachen für die Gefährdungen sind bauliche Verdichtung, Lichtverschmutzung, Gebäudesanierung, Nährstoffeintrag sowie Grundwasserabsenkung.

Dem gegenüber gelten erfreulicherweise knapp zwei Drittel (62 Prozent) der Arten als ungefährdet. Bei einigen Gruppen hat sich die Situation gegenüber der letzten Erfassung klar verbessert, beispielsweise bei Flechten aufgrund der insgesamt besseren Luft und bei den Armleuchteralgen aufgrund der verbesserten Wasserqualität der Gewässer.

Der Reichtum Berlins an Tier- und Pflanzenarten ist eng mit den großen Grünflächenanteilen der Stadt verbunden. Neben Wäldern und Gewässern bieten auch alte Friedhöfe und Parkanlagen Lebensräume für viele Arten, selbst in der Innenstadt. Auf dem Tempelhofer Feld kommen zum Beispiel viele Feldlerchen vor, die in stark genutzten Agrarlandschaften Brandenburgs rückläufig sind.

Damit Berlin eine grüne Metropole mit hohem Arteninventar bleibt und sich weiter verbessert, werden unter anderem mit Hilfe der Strategie zur Biologischen Vielfalt Schutzmaßnahmen für Tier- und Pflanzbestände konsequent umgesetzt.

Weitere Informationen hierzu finden Sie hier:
Artenlisten – Rote Listen der gefährdeten Pflanzen, Tiere und Pilze von Berlin