Wohnen

Eine Frau mit Downsyndrom sitzt lächelnd am Küchentisch
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Viele Menschen mit Behinderung haben den Wunsch, wie ihre nicht behinderten Mitbürger in einer eigenen Wohnung zu leben. Weil Behinderung jedoch oft gleichbedeutend ist mit Einschränkungen des Bewegungs- und Handlungsspielraums, müssen technische und personelle Hilfen zur Bewältigung des Alltags zur Verfügung gestellt werden. Diese Hilfen müssen so angelegt werden, dass Menschen mit Behinderung dort Hilfe bekommen, wo sie unumgänglich ist, andererseits aber die vorhandene Lern- und Entwicklungsfähigkeit nicht eingeschränkt wird. Je nach Art und Schwere der Behinderung müssen gegebenenfalls besondere bauliche Anpassungen im Wohnbereich vorgenommen und eventuell darüber hinaus auch Betreuungsleistungen angeboten werden.

Wohnformen für Menschen mit Behinderung

Menschen mit Behinderung können in einer eigenen Wohnung (ggf. mit Anpassungen für Rollstuhlbenutzer), in einem Heim, in einer Wohngemeinschaft oder im betreuten Einzelwohnen leben. Die Heime, Wohngemeinschaften und das betreute Einzelwohnen verfügen jeweils über eine dem Betreuungsbedarf angepasste Versorgungsstruktur. Sie bieten ein abgestuftes, differenziertes Betreuungsangebot, das von wenigen Stunden in der Woche bis zu einer täglichen Rund-um-die-Uhr-Versorgung reicht.

Lotse Berlin - zentrale Beratungs- und Vermittlungsstelle für betreutes Wohnen

Für Anfragen zu Heimen, Wohngemeinschaften, betreutem Einzelwohnen und Herbergen steht ‘Lotse Berlin’ als zentrale Berliner Beratungs- und Vermittlungsstelle betreuter Wohnformen für Menschen mit körperlichen, geistigen und Mehrfachbehinderungen zur Verfügung. ‘Lotse Berlin’ ist ein von der Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales initiiertes und über das Integrierte Sozialprogramm (ISP) gefördertes Projekt, das Bestandteil des seit 2011 geltenden Rahmenförderplans mit den Spitzenverbänden der freien Wohlfahrtspflege ist.

Heime für Menschen mit Behinderung

Für Menschen mit Behinderung, die auf ein Betreuungsangebot rund um die Uhr angewiesen sind, stehen in Berlin Heime zur Verfügung. Das Angebot kann von Menschen mit Behinderung in Anspruch genommen werden, die entweder tagsüber einer Arbeit oder einer Beschäftigung nachgehen (z. B. in einer Werkstatt für behinderte Menschen) oder auf eine sonstige Tagesstrukturierung angewiesen sind. Die Größe einer Heimeinrichtung soll im Regelfall 40 Plätze betragen. Die einzelnen Wohngruppen sollen grundsätzlich über 8 Plätze verfügen. ‘Lotse Berlin’ hilft bei der Suche nach einem geeigneten Heimplatz.

Im Bereich Wohnen für erwachsene Menschen mit Behinderung in stationären Einrichtungen im Land Berlin gibt es derzeit Veränderungen. Detaillierte Informationen zur sogenannten Umstellungsbegutachtung gibt es auf einer separaten Seite.

Wohngemeinschaften für Menschen mit Behinderung

In Wohngemeinschaften wird in der Regel keine Nachtwache oder Nachtbereitschaft angeboten. Die Tagesbetreuung beschränkt sich im Allgemeinen auf einige Stunden und die Bewohner gehen werktags einer Arbeit oder Beschäftigung nach. Die Bewohner müssen in der Lage sein, ihren Alltag zeitweise auch ohne Betreuung gestalten zu können. Eine Wohngemeinschaft besteht gewöhnlich aus vier bis sechs Bewohnern. ‘Lotse Berlin’ hilft bei der Suche nach einem geeigneten Wohngemeinschaftsplatz.

Betreutes Einzelwohnen für Menschen mit Behinderung

Das betreute Einzelwohnen kommt zum einen für Personen in Betracht, die in hohem Maße selbständig leben können und zum anderen für diejenigen, für die das Leben in einer Wohngemeinschaft nicht geeignet sind und die alleine leben möchten. ‘Lotse Berlin’ hilft bei der Suche nach einem geeigneten Platz.

Herbergen für Menschen mit Behinderung

Herbergen bieten wie Heime eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung an. Der Aufenthalt ist jedoch in der Regel auf maximal drei Monate begrenzt. Herbergsplätze werden in Anspruch genommen, wenn Angehörige vorübergehend die Betreuung nicht sicherstellen können. ‘Lotse Berlin’ hilft bei der Suche nach einem geeigneten Herbergsplatz.

Rollstuhlgerechte Wohnungen

Person im Rollstuhl an einer rollstuhlgerechten Rampe, die zu einer Tür führt
Bild: RioPatuca Images / Fotolia.com

Rollstuhlgerechte Wohnungen sind nach der DIN-Norm 18025 errichtete Wohnungen, die den Bedürfnissen der Rollstuhlbenutzer insbesondere bei der Ausstattung im Küchen- und Sanitärbereich angepasst sind. Rollstuhlbenutzerwohnungen sind in erster Linie für Menschen mit so schweren körperlichen Behinderungen gedacht, dass technische und bauliche Hilfen notwendig sind, um ihnen ein weitgehend selbständiges Leben zu ermöglichen. Das Landesamt für Gesundheit und Soziales Berlin (LAGeSo) stellt eine Datenbank zur Verfügung, über die rollstuhlgerechte Wohnungen gesucht werden können.

Rechtliche Grundlagen

Am 1. Juli 2010 ist das Gesetz über Selbstbestimmung und Teilhabe in betreuten gemeinschaftlichen Wohnformen (Wohnteilhabegesetz – WTG) in Kraft getreten und hat damit im Land Berlin den ordnungsrechtlichen Teil des bisherigen Bundesheimgesetzes abgelöst. Der zivilrechtliche Teil des bisherigen Heimgesetzes wurde durch das am 1. Oktober 2009 in Kraft getretene Gesetz zur Regelung von Verträgen über Wohnraum mit Pflege- oder Betreuungsleistungen (Wohn- und Betreuungsvertragsgesetz) ersetzt.