Coronavirus in Berlin

Zentrale Informationen der Berliner Verwaltung zum Coronavirus finden Sie unter: berlin.de/corona
Tagesaktuelle COVID-19 Fallzahlen und weiterführende Auswertungen finden Sie im Online-COVID-19-Lagebericht des Landes Berlin.
Der Dienstbetrieb der Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung ist aufgrund des Einsatzes von vielen Beschäftigten im Krisenstab des Landes Berlin weiterhin eingeschränkt.

Inhaltsspalte

Coronavirus (SARS-Covid-19): Pflegeeinrichtungen und Pflegedienste

27.09.2021 15:05

Viren
Bild: Jezper – Fotolia.com

Krisenpersonalpool online

Durch das neuartige Coronavirus sind Einrichtungen des Pflege- und Gesundheitswesens aktuell nach wie vor von Personalengpässen bedroht. Insbesondere im Fall von Covid-19-Ausbrüchen innerhalb der Einrichtungen und damit verbundenen Quarantäneauflagen für das Personal stehen Einrichtungen vor Versorgungsproblemen.

Nun steht für solche Fälle der Berliner Krisenpersonalpool zur Verfügung, ein landeseigenes Angebot mittels webunterstützter Anwendung, das Anbieter und Interessenten online zusammenzubringt. Es bietet Einrichtungen der pflegerischen und medizinischen Versorgung (Pflegeeinrichtungen, Krankenhäuser und Einrichtungen des Öffentlichen Gesundheitsdienstes) die Möglichkeit, Kontakt zu qualifiziertem Personal aufzunehmen, damit Personalengpässe gezielt und bedarfsgerecht gelöst werden können. Folgende Berufsgruppen können sich bei freien Zeitkapazitäten im Krisenpersonalpool registrieren, um Einrichtungen in Versorgungsnotfällen kurzfristig zu unterstützen:
  • Pflegefachkräfte und Pflegehilfskräfte
  • Ärztinnen und Ärzte
  • Medizinische Fachangestellte
  • Physiotherapeutinnen und -therapeuten
  • Studierende der Fachrichtungen Pflege und Medizin
Für den gestiegenen Personalbedarf durch zusätzliche pandemiebedingte Aufgaben können sich auch Menschen ohne spezifische Qualifikation für folgende Tätigkeitsbereiche anmelden:
  • Betreuungs- und Dokumentationsassistenz Impfen
  • Betreuungs- und Dokumentationsassistenz Testen
  • Besuchsmanagement

Erlaubnisfreie Möglichkeiten der träger- / verbandsübergreifenden Arbeitnehmerüberlassung

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) hat auf seiner Homepage angesichts der Corona-Pandemie eine entsprechende Auslegungshilfe zum Arbeitnehmerüberlassungsgesetz veröffentlicht. Danach soll eine Arbeitnehmerüberlassung nach dieser Regelung derzeit jedenfalls dann ausnahmsweise erlaubnisfrei möglich sein, wenn:
  • Der entleihende Arbeitgeber unter akutem Arbeitskräftemangel leidet, dazu zählen aktuell insbesondere die systemrelevanten Bereiche.
  • Der überlassende Mitarbeiter der vorübergehenden Überlassung zustimmt.
  • Der verleihende Arbeitgeber nicht beabsichtigt, dauerhaft oder regelmäßig als Arbeitnehmerüberlasser tätig zu sein, sondern es sich vielmehr um eine Ausnahme-Maßnahme während der Corona-Krise handelt.
  • Die Überlassung zeitlich auf die aktuelle Krisensituation begrenzt erfolgt.

Das BMAS informiert zu Arbeitsrechtlichen Fragen, in seinen FAQ

Umsetzung des WTG vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie

Die mehrfach verlängerte WTG-Festlegung Nr. 3 der Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung vom 22.07.2020 ist zum 28.02.2021 ausgelaufen.

An deren Stelle tritt das Schreiben der Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung vom 17.03.2021 zur „Verlängerung der Flexibilisierung der Prüfrichtlinien für die Heimaufsicht unter Berücksichtigung der anhaltenden pandemischen Situation (Ausbruch des Corona-Virus)“.

Danach gilt für die Heimaufsicht mittlerweile wieder die Pflicht zum Durchführen von Regelprüfungen in Pflegeeinrichtungen; dabei ist das Prüfgeschehen jedoch weiterhin jeweils an die aktuelle Pandemielage anzupassen; dies gilt bis Jahresende 2021. Bei wesentlichen Änderungen bezieht die Heimaufsicht die Fachaufsicht rechtzeitig ein.

Die Heimaufsicht wird in Pflegeeinrichtungen und in Pflege-Wohngemeinschaften – auch vor Ort – weiterhin Anlassprüfungen durchführen.

Zugleich gilt eine flexibilisierte Handhabung der WTG-Prüfrichtlinien in Bezug auf Pflegeeinrichtungen zunächst bis zum 30.06.2022.

Erlass der Fachaufsicht Heimaufsicht vom 17.03.2021

PDF-Dokument (1.6 MB)

Pflegemaßnahmen-Covid-19-Verordnung

Auf der Seite der Berliner Senatskanzlei finden Sie die jeweils aktuelle Fassung der Infektionsschutzmaßnahmenverordnung, darunter auch die Pflegemaßnahmen-Covid-19-Verordnung:

Wirtschaftliche Hilfen für Pflegeeinrichtungen

Um dieser für die gesamte Pflegebranche schwierigen Situation entgegenzuwirken, werden von verschiedenen Seiten Unterstützungen und wirtschaftliche Hilfen angeboten.

Temporäre Notfall-Pflegeeinrichtungen in Berlin im Überblick

In der vierten Welle der Covid-19-Pandemie gilt es, die Lage in der Berliner Pflegelandschaft mit größter Aufmerksamkeit zu beobachten, um auf unvorhergesehene Versorgungsengpässe kurzfristig reagieren zu können. Hierfür konnte eine temporäre Notfallversorgung organisiert und vereinbart werden. Vom 27.09.2021 bis vorerst 31.12.2021 übernimmt die Stephanus gGmbH den Betrieb einer temporären Notfall-Kurzzeitpflegeeinrichtung am Standort Liebigstraße 39 in 10247 Berlin-Friedrichshain. Die Kapazität im Dr. Harnisch Haus umfasst 16 Plätze. Es werden mit Corona infizierte pflegebedürftige Berlinerinnen und Berliner, vorrangig nach einer Krankenhausbehandlung, aufgenommen. Wer zu kontaktieren ist, wie sich die Aufnahme gestaltet, welche Finanzierungsmöglichkeiten bestehen und an welche Personengruppen sich das Angebot im Detail richtet, entnehmen Sie bitte dem nachfolgenden Informationsblatt.

Achtung: Die temporäre Notfall-Pflegeeinrichtung in der Blücherstraße 26b in Berlin-Kreuzberg hat den Betrieb zum 31.08.2021 eingestellt. Das Dr. Hanisch Haus ist damit das einzige Notfall-Pflegeangebot in Berlin. Aufgrund des sehr beschränkten Platzzahlangebotes übernimmt die Einrichtung die pflegerische Versorgung als ultima ratio und in absoluten Notlagen.

  • Übertragung des neuartigen Coronavirus (SARS-CoV-2) per Tröpfcheninfektion
  • Inkubationszeit wahrscheinlich maximal 14 Tage
  • klinische Symptome der Coronavirus-Krankheit-2019 (COVID-19) : schnupfenartige Symptome, Fieber, Husten, Halsschmerzen, Atembeschwerden, Kopfschmerzen
  • in schweren Fällen: Pneumonien mit schweren Verläufen mit akutem Lungenversagen
  • symptombezogene Therapie
  • Labordiagnostik bei begründeten Verdachtsfällen, d.h. Symptome wie oben UND Kontakt mit einem bestätigten Fall oder Aufenthalt in einem Risikogebiet in den vergangenen 14 Tagen
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Organisatorische Maßnahmen in Vorbereitung auf einen Erkrankungsfall

Verantwortliche benennen für

  • Gesamtverantwortung in der Einrichtung
  • Tätigkeitsbereich Hygienebeauftrage/r definieren
  • Kommunikation

Personalnotpläne / Strategien entwickeln

  • Personalverantwortliche benennen
  • Personaldaten aktualisieren (Telefonnummern, Ausschlusskriterien, z.B. Personal mit Vorerkrankungen)
  • Plan zur Abdeckung von Personalmehrbedarf

Kommunikations- und Informationswege intern/extern definieren und fixieren

  • alle Beschäftigten auf aktuellem Stand halten (auch Leasingkräfte)

Schulungen über Erreger/Erkrankung durch Hygienebeauftragte oder Externe

Zusätzliche Hygienemaßnahmen für Erkrankungsfall festlegen (mind. FFP-2-Maske)

Lagerbestände sichten und ggf. auffüllen – Alternativen für Mangelsituationen prüfen und dokumentieren

Alternativen für personenungebundene Wirtschaftswege für Quarantänebereiche festlegen

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  • Beschluss der Gesundheitsministerkonferenz vom 02.08.2021: Angebot zur Auffrischungsimpfung, sofern der Abschluss der ersten Impfserie mindestens sechs Monate zurückliegt
  • STIKO-Impfempfehlung vor allem für ältere Menschen ab 60 Jahren und chronisch Erkrankte mit Vorerkrankungen, gegen Pneumokokken und Pertussis (Keuchhusten)
  • Begründung: Schwerere Covid-19-Krankheitsverläufe bei bereits vorhandenen Lungenerkrankungen (auch noch nicht diagnostizierten) können so vermieden werden.
  • Impfentscheidungen im Einzelfall durch behandelnde/n Arzt/Ärztin gemeinsam mit der betroffenen Person
  • Aushang / Informationsblatt mit Impfaufforderung mit Begründung für Personal und Bewohner / Betreute
  • Informationen zur Schutzimpfung gegen SARS-CoV-2
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Umsetzung infektionsschützender Maßnahmen in Wohnformen nach SGB XI und WTG vom 27.04.2020

Erkrankt eine pflegebedürftige Person an Covid-19 oder besteht der Verdacht auf diese Erkrankung, hat der Infektionsschutz der anderen Pflegebedürftigen sowie des Personals höchste Priorität. Für alle Beteiligten stellen diese Situationen eine hohe Belastung dar, insbesondere aber für Menschen mit kognitiven Einschränkungen, da sie ungewohnten Abläufen und Eindrücken ausgesetzt sind. Auch die Angestellten in den Wohnformen bzw. der betreuenden Pflegedienste stehen unter hohem Druck, da Routinen verändert werden müssen und oftmals Sorge um die eigene Gesundheit oder die von Familienmitgliedern hinzukommt. Die praktische Umsetzung von notwendigen Hygienevorschriften ist eine um ein Vielfaches schwierigere Situation in Zeiten der Pandemie. Grundsätzlich ist es daher hilfreich, sich auf die eigene Fachlichkeit zu besinnen, die auf einer allen zugänglichen aktuellen Information basiert, soviel Routine und Gleichmäßigkeit wie möglich aufrecht zu erhalten und zwingend die Phasen der Selbstfürsorge bewusst in den beruflichen Alltag einzubauen.
Das vorliegende Papier soll hierbei als Unterstützung dienen.

Prämisse

Eine weitgehende Isolation ist bei Menschen mit kognitiven Einschränkungen in der Regel nicht ohne freiheitsentziehende Maßnahmen (FEM) umsetzbar. FEM zum Schutz vor Covid-19 erscheinen in den meisten Fällen jedoch nicht verhältnismäßig. Ziel infektionsschützender Maßnahmen sollte daher die Kontaktreduktion bei weitest gehendem Erhalt der Selbstbestimmung sein.

1. Grundsätzliche, infektionsschützende Maßnahmen

Die Beachtung der, Infektionsschutzmaßnahmen ist weiterhin von wesentlicher Bedeutung.
Dies bedeutet die konsequente Umsetzung der Basishygiene (Abstand > 1,5m, Hust- und Niesetiquette) einschließlich der Händehygiene sowie ergänzende Maßnahmen entsprechend der immer wieder aktualisierten Empfehlungen des RKI zu Hygienemaßnahmen im Rahmen der Behandlung und Pflege von Patienten mit einer Infektion durch SARS-CoV-2 (https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/nCoV.html).

2. Kontaktreduktion durch Kohortenbildung

Erkrankt eine Person in einer Wohnform nach dem WTG oder besteht der Verdacht auf eine Erkrankung, wird das zuständige Gesundheitsamt sowie die Heimaufsicht informiert. Das Gesundheitsamt nimmt Kontakt zu der betroffenen Wohnform auf, legt die notwendigen Maßnahmen fest und berät die verantwortlichen Personen der Wohnform zu den weiteren Maßnahmen. Oftmals wird eine Kohortenbildung empfohlen. Die Kohortenbildung dient dazu, die Anzahl der Personenkontakte auch ohne Einzelisolation auf ein Minimum zu beschränken. Hier bietet es sich an, (geteilte) Wohnbereiche als Kohorte zu definieren und damit soziale Kontakte innerhalb dieses Bereichs zuzulassen. Gemeinschaftsräume können „in Schichten“ genutzt werden. Auch das Personal sollte in diesen Fällen lediglich einer Kohorte zugeteilt werden und nicht zwischen Wohnbereichen wechseln. Für die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Gesundheitsamtes kann es hilfreich sein, wenn im Rahmen des Pandemieplans bereits Vorschläge für eine solche Kohortenbildung in den Wohnformen entwickelt wurden.

3. Bewegungsdrang

Personen mit einem hohen intrinsischen Bewegungsdrang sollte die Möglichkeit gegeben werden, diesem zumindest im Rahmen des jeweiligen Wohnbereichs nachgehen zu können. Bei kleinen Wohnformen sollte in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt geprüft werden, in wieweit das Agieren des Betroffenen in Abwägung zum gesundheitlichen Interesse gegenüber den anderen Mitbewohnern zu ermöglichen ist.
§ 150 SGB XI ermöglicht es Pflegeeinrichtungen und Pflegediensten, Mehrausgaben für zusätzliche personelle Ressourcen geltend zu machen. Mit einer vorausschauenden Personalplanung können in Fällen einer Covid-Erkrankung dadurch auch Einzelbetreuungen finanziert werden.

4. Räumliche Distanz durch Umgestaltung räumlicher Gegebenheiten

Raumteiler und andere Möblierung sollte so angeordnet werden, dass sie separierend wirken, so können Sofas gegen Einzelsessel ausgetauscht werden, Raumteiler den getrennten Aufenthalt in einem Raum ermöglichen oder auch Zwischentüren verschlossen werden, um die Anzahl der Personen auf einer Raumfläche möglichst zu minimieren. In Wohngemeinschaften werden solche Maßnahmen mit den Betroffenen bzw. ihren Betreuerinnen und Betreuern geplant und umgesetzt.

5. Vertrauensbildung durch Kommunikation und Stabilisierung angepasster Tagesstrukturen

Eine validierende Kommunikation greift gerade in bedrohlich wirkenden Situationen die Emotionen der Betroffenen auf und gibt ihnen Raum, sich und ihr Erleben darzustellen. Mit einfachen, wiederholenden Erklärungen und bildlichen Darstellungen können Pflegefachkräfte abhängig vom Grad der Erkrankung hygienische Maßnahmen erläutern und in die Alltagskommunikation einbauen.
Die Kommunikation mit Angehörigen sollte möglichst kreativ ermöglicht werden. Hierzu gehören sowohl technische Lösungen (z.B. Videokonferenzen am Tablet) als auch Distanz wahrende physische Begegnungen, z.B. am Balkon oder Fenster. Angehörige können ermuntert werden, Briefe oder Fotos zuzusenden. Das Vorlesen oder Betrachten dieser Post sollte einen festen Platz im Tagesrhythmus erhalten. Grundsätzlich sollte eine klare Tagesstruktur und feste Rituale auch bei veränderten Aktivitäten aufrechterhalten werden, um den Pflegebedürftigen Sicherheit und Stabilität zu geben.

6. Stabilisierung der Ich-Identität

Ungewohnte Situationen und Eindrücke setzten insbesondere Menschen mit kognitiven Einschränkungen unter Stress, der wiederum zu aggressiven und herauforderndem Verhalten führen kann. In diesen Phasen ist es von besonderer Bedeutung, den Bedürfnissen nach Trost, Beschäftigung, Einbeziehung sowie Bindung nach zu kommen und pflegerische Maßnahmen in diesem Feld trotz möglicherweise einschränkender hygienischer Maßnahmen besonders in den Fokus zu nehmen. Nach Möglichkeit sollten feste Bezugspflegekräfte zum Einsatz kommen und eine Priorisierung der pflegerischen Maßnahmen nur auf physische Bedürfnisse vermieden werden.

7. Individuelle Maßnahmen auf Basis biografischer Anhaltspunkte

Individuelle biografische Aspekte bieten Pflegefachkräften die Möglichkeit, hygienische Maßnahmen in das Alltagsgeschehen einzubauen. So kann der erlernte Beruf möglicherweise zum Tragen von Schutzmasken motivieren oder Erfahrungen mit Infektionskrankheiten in der Kindheit dazu anregen, sich an Regeln zu halten.

8. Monitoring Vitalwerte der Pflegebedürftigen

Bei Kohortenbildung müssen die Vitalwerte aller Personen in einer Kohorte regelmäßig und engmaschig gemessen und dokumentiert werden. Hierzu gehören neben der Körpertemperatur auch die Atemfrequenz sowie Puls und Blutdruck. Die Beobachtung von Hautveränderungen (blaue Lippen oder Fingerkuppen) sowie bei Vorhandensein Messergebnisse der Pulsoxymetrie geben Hinweise auf möglichen Sauerstoffmangel. Alle Veränderungen, die auf eine Infektion hindeuten, müssen schnellstmöglich an Hausarzt/Hausärztin und ggf. an das Gesundheitsamt kommuniziert werden und weitere Maßnahmen eingeleitet werden (vgl. Vorgehen bei Verdacht auf Covid).

9. Selbstfürsorge der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind während der Covid-Pandemie besonders belastet. Insbesondere die Unsicherheiten, die sich aus widersprüchlichen Medienberichten, der Sorge um die Pflegebedürftigen, aber auch aus der Sorge um eigene Familienmitglieder ergibt, erzeugen einen hohen Druck.
Die notwendige Fürsorge muss daher zwingend auch die persönliche physische und psychische Gesundheit umfassen. Für den Alltag und in Stichpunkten an dieser Stelle zusammengefasst: Beachtung des persönlichen Tagesrhythmus (z.B. aktive Phasen, Ruhephasen, Ernährung, Schlaf), Aufrechterhaltung sozialer Kontakten (z.B. Telefonate, Kurznachrichten, videogestützte Gespräche, Briefe), kollegialer Austausch am Arbeitsplatz (z.B. Supervision, Sorgentelefon), mehr auf die eigenen Emotionen achten und aktiv nach Entlastung suchen (Sport, Gespräche, professionelle Hilfe). Für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter steht für die Zeit der SARS-CoV-2-Pandemie ergänzend die Medi-Helpline für Gesundheitsfachberufe zur Verfügung, die durch die Berliner Notfallseelsorge betrieben wird und psychosoziale/seelsorgerische Beratung und Unterstützung sowie ggf. Weitervermittlung in eine psychologische Beratung/Supervision ermöglicht. Diese ist 24/7 unter der Nummer 030 – 403 665 888 kostenlos und auf Wunsch auch anonym zu erreichen (www.medi-hepline.de ).

Die Handlungsempfehlungen wurden durch die Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung erstellt unter Mitarbeit von
  • Dr. Basche; Jan; Geschäftsführer der Sozialstation Mobil GmbH, Berlin
  • Prof. Dr. Holthoff-Detto, Vjera; Chefärztin der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik, Krankenhaus Hedwigshöhe, Alexianer St. Hedwig Kliniken Berlin GmbH
  • Mannewitz, Christian; Geschäftsführer der FSE Förderung sozialer Einrichtungen gGmbH und der FSE Pflegeeinrichtungen gGmbH
  • Matter, Christa; Geschäftsführerin Alzheimer Gesellschaft Berlin e.V. Selbsthilfe Demenz
  • Nehls, Michael; Diakoniestation Schöneberg gGmbH, Berlin; Sprecher der Sektion Pflege in der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin
  • Amtsärztinnen und Amtsärzten der Berliner Bezirke
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  • Bei begründeter Verdachtssymptomatik (Atemwegsinfekt oder Fieber) Isolation des Betroffenen im eigenen Zimmer, dann
    • Rücksprache mit unmittelbarem Vorgesetzten über weiteres Vorgehen
    • umgehende telefonische Information des Hausarztes / der Hausärztin bzw. des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes mit Beschreibung (nicht Bewertung!) der Symptomatik und des Gesundheitsamtes – bei lebensbedrohlicher Symptomatik des Rettungsdienstes mit Hinweis auf mögliche COVID-19-Erkrankung
  • Auslösen des Pandemieplans
  • Information Geschäftsführung, Heimaufsicht und Angehörige / Betreuer
  • Bei entsprechendem klinischen Zustand weitere Isolation in der Einrichtung bis Ergebnis der Diagnostik vorliegt (aktuell 1 Tag)
  • In der Pflege von Erkrankten mit Fieber oder Atemwegserkrankungen sollte den Empfehlungen entsprechende Schutzausrüstung verwendet werden
  • Schutzausrüstung und Hinweise zu deren Benutzung sollten unmittelbar vor den Wohnbereichen platziert werden
  • Bei Krankenhauseinweisung oder Transfer in andere Einrichtung: Überleitungsmanagement – Transportdienst auf Erkrankung hinweisen
  • Informationsweiterleitung intern und extern nach Pandemieplan
  • Kontakte mit Erkranktem zurückverfolgen und dokumentieren
  • Anweisungen der Gesundheitsbehörde folgen
  • Prüfung des Einsatzes von einzelnen Pflegekräften speziell nur bei Erkrankungsfällen (auch auf ambulante Dienste anwendbar)
  • Im Fall einer bestätigten Covid-19-Infektion eines Bewohners oder einer Bewohnerin oder einer in der Pflegeeinrichtung beschäftigten Person hat die Einrichtung ein einwöchiges Besuchsverbot festzulegen. Ausnahmen vom Besuchsverbot sind er Pflegemaßnahmen-Covid-19-Verordnung zu entnehmen.
Liegt ein bestätigter Covid-19-Fall vor, sind anhängende Vorgehensweisen in der Zusammenarbeit mit den Gesundheitsämtern unbedingt zu berücksichtigen:
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SARS-CoV-2 Kontaktpersonennachverfolgung

Infografik des RKI für Personal in Alten- und Pflegeheimen bei regulärer Personalverfügbarkeit sowie bei relevantem Personalmangel

Kontaktpersonen Kategorie I

Kontaktpersonen Kategorie II

  • Kontakt zu bestätigtem COVID 19 – Fall im Rahmen von Pflege und/oder medizinischer Untersuchung mit mehr als 2 m Abstand zu jedem Zeitpunkt
    Maßnahmen: nach Einschätzung des GA gemäß Kat I oder III

Kontaktpersonen Kategorie III

  • Kontakt zu bestätigtem COVID 19 – Fall im Rahmen von Pflege und/oder medizinischer Untersuchung mit weniger als oder 2 m Abstand
  • mit Verwendung von Schutzausrüstung
    Maßnahmen: keine Meldung an GA, keine Kontaktreduktion, tägliches Selbstmonitoring, tägliche Abfrage und Dokumentation durch Hygienefachktraft;
    bei Symptomen (ab Halskratzen) sofort wie Kategorie I
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  • Pandemieplan muss den Umgang mit Personalengpässen umfassen (s. Vorbereitung).
  • Reichen die geplanten Maßnahmen nicht aus, muss der Pflegedienst in Abstimmung mit den Vertragsparteien eine Priorisierung der Leistungen in Abhängigkeit von der individuellen Situation begründet vornehmen, z.B.:
    • Auf welche hauswirtschaftlichen Leistungen kann für einen Zeitraum verzichtet werden (oder auf Angehörige/Nachbarn übertragen werden), oder der Rhythmus verändert werden?
    • Welche grundpflegerischen Maßnahmen können in größeren Abständen durchgeführt (alle 2 Tage statt täglich) oder von Angehörigen/Nachbarn übernommen werden?
  • Einschränkung pflegerischer Leistungen sind dem Kostenträger mitzuteilen.
  • Einschränkungen ärztlich verordneter Maßnahmen (z.B. RR-Kontrolle) können nur nach Rücksprache mit dem/der verordnenden Arzt/Ärztin erfolgen, die Krankenkasse ist unverzüglich darüber zu informieren.
  • In medizinischen Notfällen ist der Rettungsdienst zu informieren.
  • Das unbedingte Ziel ist die Vermeidung von Krankenhauseinweisungen, die für die Klientinnen und Klienten i.d.R. mit einer höheren Gefährdung einhergehen.
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  • Grundsätzlich sind alle hygienischen Maßnahmen laut Hygieneplan einzuhalten.
  • Gibt es für einzelne Produkte Lieferengpässe, müssen zuerst andere Anbieter kontaktiert werden und danach, ggf. nach Rücksprache mit Hygienefacharzt/-ärztin oder behandelndem Arzt/Ärztin auf alternative Produkte zurückgegriffen werden.
  • Kostenträchtigere Alternativlösungen (z.B. geschlossene Absaugsysteme, um den Einsatz von Mundschutz zu reduzieren) sind im Einzelfall mit dem jeweiligen Kostenträger abzustimmen.
  • Der Ressourcenverbrauch sollte überprüft und – wo möglich – eingeschränkt werden.
  • Unter bestimmten Umständen ist auch der mehrfache Gebrauch von Einwegartikeln denkbar.
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Schwere Verläufe der Covid-19-Erkrankungen sind vor allem bei betagten, multimorbiden Menschen zu erwarten. Die Fachgesellschaft Palliative Geriatrie verweist darauf, dass die Indikation für eine Krankenhauseinweisung von multimorbiden alten Menschen mit einer Covid-19-Erkrankung sehr sorgfältig abzuwägen und höchstens bei Komplikationen von Begleiterkrankungen gegeben ist.
  • Link (https://www.fgpg.eu/wp-content/uploads/2020/03/FGPG-Empfehlungen-zur-Betreuung-betagter-und-gebrechlicher-Menschen-im-Kontext-Covid-19_20200322.pdf)
Verwiesen wird auch auf die: Damit eine gute Betreuung und Versorgung der wunschgemäß in ihrem vertrauten Umfeld verbleibenden sterbenden Menschen erfolgen kann, sollten frühzeitig oder spätestens bei Diagnosestellung der Infektion wichtige Fragen der Versorgungsplanung am Lebensende geklärt werden. Hier besteht für Pflegeheime die Option, die Gesundheitliche Versorgungsplanung einzuführen und zu nutzen. Instrumente wie eine Patientenverfügung oder eine Notfallverfügung können insbesondere in kritischen Situationen eine sehr hilfreiche Grundlage zum Fällen von Entscheidungen sein. Mit ärztlichem Attest kann die spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV) einbezogen werden. Aktuelle Listen der SAPV-Strukturen veröffentlicht u.a. Home Care Berlin: Die ambulanten Hospizdienste und andere hospizliche und Trauerangebote sind nach Bezirken z.B. von der Zentralen Anlaufstelle Hospiz gelistet.

Schwerstkranke und Sterbende unterliegen keinen Beschränkungen für den Empfang von Besuch! Wichtig ist aber auch hier, dass in der aktuellen Pandemie-Situation dem Schutz aller beteiligten Personen Rechnung getragen wird.

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