Berliner Pilotprojekt

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Vielfalt fördern - anonym bewerben Bild: LADS

Am 21.4. 2015 hat der Berliner Senat den von der Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen vorgelegten Bericht über das Landesprojekt Anonymisierte Bewerbungsverfahren beschlossen.

Mit der Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen, der Senatsverwaltung für Inneres und Sport, den Bezirken Reinickendorf, Mitte, Pankow und Charlottenburg-Wilmersdorf sowie – auf Ebene der Landesunternehmen – der degewo haben sich 7 Akteure aktiv beteiligt. Knapp 100 Stellenbesetzungsverfahren waren involviert, gut 1000 anonymisierte Bewerbungen und Testergebnisse wurden gesichtet und bewertet. Umgesetzt wurde das Projekt im Zeitraum zwischen März 2014 bis März 2015. Die Projektsteuerung lag bei der Landesstelle für Gleichbehandlung – gegen Diskriminierung.

Mit dem Pilotprojekt war zunächst die grundsätzliche Zielsetzung der Gewährleistung diskriminierungsfreierer Zugänge zu Ausbildung und Beruf verbunden. Das gilt für jede und jeden, unabhängig von ethnischer Herkunft, aber auch Alter, Geschlecht, Familienstand, sexueller Orientierung, Behinderung oder Religion. Gleichermaßen ging es um die Stärkung diversityorientierter Personalauswahlprozesse und die Erschließung neuer Bewerber/innengruppen. Projektziel im engeren Sinne war die Prüfung der Praktikabilität und Effizienz anonymisierter Bewerbungsverfahren in ausgewählten öffentlichen Einsatzfeldern.

Der Bericht hält u.a. folgende Ergebnisse fest:

• Alle Projektbeteiligten haben bereits vor ihrer Beteiligung am Landesprojekt Anonymisierte Bewerbungsverfahren diverse Maßnahmen zur Förderung von Vielfalt ergriffen. Durch die Teilnahme am Landesprojekt wurden diese nicht ersetzt, sondern in ausgewählten Bereichen ergänzt.

• Die Projektbeteiligten sehen in Anonymisierten Bewerbungsverfahren ein praktikables Instrument,

o das zu einem „Mehr“ an Chancengleichheit und Objektivität in Rekrutierungsprozessen beitragen kann,
o das hinsichtlich unbewusster Diskriminierungsmuster sensibilisiert,
o das vertrauensbildend wirkt und insbesondere die Menschen mit vorangegangener Diskriminierungserfahrung zur Bewerbung ermutigt.

• In anonymisierten Bewerbungsverfahren liegen nicht unbedingt mehr, aber qualitativ hochwertige und aussagekräftigere Bewerbungen vor. Der Anspruch, im Rahmen der Bestenauslese qualifizierte Bewerberinnen und Bewerber einzustellen, wird über anonymisierte Bewerbungsverfahren im besonderen Maße erfüllt.

• Das im Projekt entwickelte Bewerbungsformular trägt zu einer verbesserten Fokussierung auf die Qualifikation der Bewerbenden bei.

• Das Verfahren kann zur Optimierung und Beschleunigung von Stellenbesetzungsverfahren beitragen. Die im Rahmen des Projekts eingeleitete Verbindung des Instruments mit den E-recruiting Prozessen des Landes wird für sehr wichtig erachtet.

• Der weitere Einsatz von anonymisierten Bewerbungsverfahren in ausgewählten Einsatzbereichen und unter Nutzung eines online gestützten Bewerbungsmanagements wird von den Projektteilnehmenden grundsätzlich befürwortet.

Die Arbeitssenatorin Dilek Kolat hob in der Vorstellung des Berichts hervor, dass Anonymisierte Bewerbungsverfahren nicht jedwede Benachteiligung im Bewerbungsverlauf verhindern können, aber sie reduzierten die Gefahr einer unbewussten Diskriminierung in der ersten, besonders wichtigen, Stufe der Vorauswahlentscheidungen. Nach Außen und Innen setzten sie zudem ein zusätzliches Signal für Chancengleichheit und kommen einer wichtigen vertrauensbildenden Maßnahme gerade für die Personen gleich, die Diskriminierung erlebt haben. Dem messe der Senat hohe Bedeutung zu.

Vor diesem Hintergrund und aufgrund der ermutigenden praktischen Erfahrungen aus dem Pilotprojekt sieht sich der Berliner Senat darin bestärkt, weiterhin für das Instrument der anonymisierten Bewerbungsverfahren zu werben und es in ausgewählten Bereichen der Landesverwaltung und Landesunternehmen zum Einsatz zu bringen.