Gestaltungswettbewerb für Gedenk- und Informationsort entschieden

Pressemitteilung vom 23.11.2012

Die Arbeitsgemeinschaft bestehend aus Ursula Wilms (Architektin BDA) mit Nikolaus Koliusis und Heinz W. Hallmann (Landschaftsarchitekt BDLA) aus Berlin hat mit ihrem Gestaltungskonzept den 1. Preis des vom Land Berlin in Abstimmung mit dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien ausgelobten Gestaltungswettbewerbs „Gedenk- und Informationsort für die Opfer der nationalsozialistischen „Euthanasie“-Morde am Ort der Planungszentrale, Tiergartenstraße 4 in Berlin“ gewonnen. Die Realisierung und Fertigstellung ist für 2013 geplant, die Mittel in Höhe von bis zu 500.000,00 € stellt der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien zur Verfügung.

Hintergrund des Gestaltungswettbewerbs ist der am 10.November 2011 vom Deutschen Bundestag gefasste Beschluss, auf dem historischen Areal Tiergartenstr.4, dem heutigen Vorplatz der Philharmonie, einen „Gedenkort für die Opfer der NS-Euthanasie-Morde „ zu errichten.
In der Berliner Tiergartenstr.4 befand sich ab April 1940 die Planungszentrale, die unter dem Decknamen „T4“ oder “ Aktion“, den Massenmord an Patienten aus Heil-und Pflegeanstalten im Deutschen Reich initiierte, koordinierte und durchführen ließ.

Ziel ist es, an diesem Ort der Täter über die Dimension des Verbrechens, den geplanten Massenmord an kranken und behinderten Menschen, auch nachfolgende Generationen zu informieren und an die Opfer zu erinnern.

Mit hohem bürgerschaftlichem Engagement hatte sich eine Vielzahl von Initiativen, Privatpersonen, Institutionen, Stiftungen und Verwaltungen im Rahmen des von der Stiftung Topographie des Terrors initiierten „Runden Tisches T4“ über mehrere Jahre für die würdige Gestaltung dieses Gedenk- und Informationsortes eingesetzt. Ausgangspunkt war die seit 1989 an diesem Ort eingelassene Bronzetafel zum Gedenken an die Opfer.

Zum Wettbewerb waren nach einem offenen internationalen Bewerberverfahren 30 Arbeitsgemeinschaften eingeladen worden, davon hatten 28 ein Gestaltungskonzept eingereicht.


Die Entscheidung des Preisgerichts wurde unter Vorsitz von Prof. Donata Valentien
mit Beteiligung von Kulturstaatssekretär Herrn André Schmitz und Frau Berggreen-Merkel vom Beauftragten für Kultur und Medien am 23. November 2012 mit großer Mehrheit gefasst.

Das Konzept von Ursula Wilms (Architektin BDA) mit Nikolaus Koliusis und
Heinz W. Hallmann (Landschaftsarchitekt BDLA)
sieht vor, auf einer zur Mitte leicht geneigten dunklen Fläche aus anthrazitgefärbtem Betonbelag eine transparente hellblaue Glaswand zu setzen. Die Glaswand, “deutet die Richtung aus dem dunklem Grund zum Himmel hin an” und steht sinnbildlich für die Verbindung des Betrachters zu den durch die “NS-“Euthanasie” zwar physisch getöteten aber durch unser Nicht-Vergessen und Erinnern doch weiter lebenden Menschen.” Die geometrische, lineare Gliederung des Gedenk- und Informationsortes wird durch eine langgezogene Bank zum bestehenden Mattern-Garten und ein Pult für die Informationsvermittlung gebildet.

Das Preisgericht hebt hervor, dass der Gedenk- und Informationsort sich wie selbstverständlich in die landschaftliche und städtebauliche Umgebung einfügt, sich nicht aufdrängt und doch, durch die lange hellblaue Wand, ein markantes Zeichen setzt.

Die hellblaue Glaswand lässt Assoziationen zu ohne falsches Pathos aufkommen zu lassen. Sie wirft Fragen auf nach der Beziehung zwischen Opfer und Täter, zwischen gestern und heute, zwischen dem Boden und dem Himmel.

Mit dem 2. Preis ist der Entwurf von Yves Dreier (Dreier Frenzel Architektur Kommunikation) mit Susanne Muller und Axel Klapka (k1 Landschaftsarchitekten) aus Lausanne,
mit dem 3. Preis die Arbeit von Dagmar von Wilken (Ausstellungsgestaltung)
mit Jens Henningsen Landschaftsarchitekten aus Berlin
ausgezeichnet worden.

Mit Ankäufen wurden die Entwürfe von
Martin Bennis mit Weidner Händle Atelier, Prof. Dr. Frank Lohrberg (Lohrberg Stadtlandschaftsarchitektur) aus Berlin
und Frank Dölle, D S Architekten mit Frèdèric Guille und Birgit Hammer Landschaftsarchitektur, Berlin
und Horst Hoheisel mit Andreas Knitz (RAUMSTATION)
mit Christian Feustel (stadt-land-see) Kassel
prämiert.

Das Ergebnis des Gestaltungswettbewerbs und eine Ausstellung aller eingereichten Wettbewerbsbeiträge wird vom 5. bis 16. Dezember 2012, täglich von 10:00 – 20:00 Uhr, im Sonderausstellungsbereich des Dokumentationszentrums der Stiftung Topographie des Terrors, Niederkirchnerstraße 8, 10963 Berlin präsentiert.