Kunstwettbewerb für die Modularen Flüchtlingsunterkünfte entschieden

Pressemitteilung vom 30.06.2017

Am 28. Juni 2017 kam der von der Senatsverwaltung für Kultur und Europa in Abstimmung mit der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen und dem Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten ausgelobte Berlinweit offene, zweiphasige Kunstwettbewerb „Modulare Unterkünfte für Flüchtlinge“ zu seinem Abschluss.

Unter dem Vorsitz der Künstlerin Barbara Holub empfahl das Preisgericht zwei Arbeiten zur Realisierung: „RADIO CONNECTION“ der Künstlerin Susanne Bayer (1. Preis) und „RESIDENZPFLICHT“ der Künstlerinnengruppe msk7 (2. Preis).

„RADIO CONNECTION“ bietet Bewohner*innen der Flüchtlingsunterkünfte sowie Anwohner*innen die Möglichkeit, 3-mal pro Woche eine Stunde Radio zu produzieren; ausgestrahlt werden die Radiobeiträge von Pi Radio über die freie Radiofrequenz UKW 88,4 MHz. Das partizipative Projekt der Künstlerin Susanne Bayer überzeugte das Preisgericht nicht zuletzt durch das gewählte Medium Radio, „eine relevante und gegenwärtig wirksame Kunstform“. Das Preisgericht schreibt weiter: „[…] Positiv wird bewertet, dass das Projekt als Radiokunst zur akustischen Stadterkundung einlädt. Die künstlerische Bandbreite, die Radio bietet, reicht von Experimenten über Interviews bis zur Musikübertragung, die einen Austausch ermöglicht. Spannend ist die Möglichkeit der Skalierungen (lokal in den Unterkünften) und großräumlich.“

Der Entwurf „RESIDENZPFLICHT“ der Künstlerinnengruppe msk7 (Mona Babl, Kati Gausmann, Ricarda Mieth, Anja Sonnenburg) „versteht sich als künstlerische Intervention an Orten, die einen gesellschaftlichen Übergang markieren.“ In einem international ausgeschrieben Open Call vergeben die Verfasserinnen zehn einmonatige Artist-in-Residence an allen zehn Standorten. Ziel sei es, „mit einer Vielfalt künstlerischer Positionen die in sich geschlossenen Flüchtlingsunterkünfte temporär für Ansätze und Entwicklungen zeitgenössischer Kunst zu öffnen, den Künstler*innen und den Geflüchteten alltägliche Berührungspunkte zu ermöglichen, um vor Ort den Austausch kulturell unterschiedlicher Ideen und Ansichten anzuregen und von dort nach außen zu tragen,“ so die Verfasserinnen.

Darüber hinaus würdigte das Preisgericht den Wettbewerbsbeitrag des Künstlers Via Lewandowsky „FAHRBEREITSCHAFT“ mit einem 3. Preis und sprach Anerkennungen aus für den Entwurf „Slogan“ der Künstlerin Josefine Günschel und „Altar/ NORMA XL_try to be norma“ der Künstlerin Beate Huss.

Hintergrund des Kunstwettbewerbs war die Initiative des Landes Berlin zum Bau von landeseigenen Immobilien für eine angemessene Unterbringung von Geflüchteten, die aus den Kriegsgebieten im Nahen Osten, insbesondere aus Syrien, Afghanistan und Irak nach Berlin gekommen sind. An 10 Standorten ist auf der Grundlage eines Entwurfs der Abteilung Hochbau der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen ein modulares Bausystem entwickelt worden, das in Fertigbauweise hergestellt und in kurzer Zeit montiert werden kann.
Aufgabe des Kunstwettbewerbs war es, für diese zehn Standorte einen künstlerischen Entwurf zu erarbeiten, der sich thematisch mit der geplanten Nutzung als Orte auseinandersetzt, an denen Menschen verschiedener Herkunft, Nationalität, Weltanschauung und Altersgruppe nach ihrer Flucht vor Krieg und Gewalt in einem fremden Land eine erste Zuflucht und gleichzeitig einen Weg in die hiesige Gesellschaft finden können. Dabei waren alle Modularen Unterkünfte für Flüchtlinge Gegenstand der künstlerischen Bearbeitung. Es konnten Entwürfe für einen, mehrere oder alle Standorte eingereicht werden, eine standortübergreifende Herangehensweise war ebenfalls möglich.

Die Ausstellung mit allen eingereichten Wettbewerbsentwürfen wird am 05. September 2017 durch Claudia Langeheine, Präsidentin des Landesamts für Flüchtlingsangelegenheiten, Hermann-Josef Pohlmann, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen und Barbara Holub, Vorsitzende des Preisgerichtes eröffnet. Ausstellungsort sowie Uhrzeit werden rechtzeitig bekanntgegeben. Der Eintritt ist kostenfrei.