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Geschichte des Alten Stadthauses und seiner Großen Festhalle ("Bärensaal")

Das Alte Stadthaus am Tag seiner Einweihung 1911.

Aufgrund des schnellen Wachstums der städtischen Verwaltung wurde seit 1880 wiederholt die Forderung nach einem das Berliner Rathaus ergänzenden Erweiterungsbau laut. Baubeginn für das von dem Berliner Baustadtrat Ludwig Hoffmann (1852 - 1932) entworfene "Stadthaus" war im Jahr 1902. Als Erweiterung des Berliner Rathauses wurde es in fußläufiger Nähe in der Jüdenstraße errichtet und konnte am 29. Oktober 1911 feierlich eingeweiht werden. Erst als 1938 das "Neue Stadthaus" gegenüber in der Parochialstraße fertiggestellt wurde, erhielt das bisherige Stadthaus die Bezeichnung "Altes Stadthaus".

1944/1945 hat das Haus zwar einige Kriegsschäden durch Luftbomben erleiden müssen, blieb aber in seiner Substanz erhalten. Von 1950 bis 1990 diente das Alte Stadthaus dem DDR-Ministerpräsidenten als Sitz. 1990 wurde im Alten Stadthaus der Einigungsvertrag beraten.

Nach der Wiedervereinigung gehörte das Haus zunächst zum Vermögen des Bundeskanzleramtes, später des Bundesministeriums für Arbeit und Sozialordnung. Nach einem Rechtsstreit, den das Land Berlin gewann, wurde das Alte Stadthaus wieder Eigentum Berlins. 1997 konnte die Senatsverwaltung für Inneres das Haus beziehen und ihren Umzug am 21. Juni 1999 mit der feierlichen Wiedereröffnung der Großen Festhalle abschließen.

Das Alte Stadthaus im Jahr 1987.

Der Turm des Alten Stadthauses ist 87 m hoch und gehörte zu den höchsten der Stadt. Die bronzene Fortunafigur wurde 1951 von Turmkuppel entfernt und durch eine 13 m hohe Fernsehantenne ersetzt. Das Turminnere wurde vom DDR-Ministerium für Staatssicherheit genutzt. Nach Inbetriebnahme des Fernsehturms am Alexanderplatz wurde die Antenne abgebaut und an ihrer Stelle ein Fahnenmast installiert. Der Verbleib der Fortuna des Künstlers Ignatius Taschner ist bis heute ungeklärt. Eine künstlerische Rekonstruktion ist derzeit in Arbeit. Durch eine Schenkung der Firma Dussmann kann dieses Wahrzeichen Berlins nunmehr wieder hergestellt werden.

Die Aufsetzung der Fortuna ist für das Jahr 2004 vorgesehen. Ausführliche Informationen über die Fortuna finden Sie in einem Beitrag des Vereins für die Geschichte Berlins "Fortuna für die Stadt".

Die Große Festhalle des Alten Stadthauses, der "Bärensaal", diente fast 50 Jahre lang als zentrale Halle der Stadt Berlin für ernste und heitere Feierlichkeiten. Der Fußboden aus Rosso-Verona Marmor wurde im Zuge der Umbauarbeiten 1958 bis 1961 zerstört. Die sechs Prunkkandelaber und die drei bronzenen Portalgitter sind seitdem verschollen. Der von Professor Georg Wrba geschaffene Bronzebär wurde 1959 auf das Gelände des Tierparks Berlin-Friedrichsfelde verbracht. Im Jahr 2001 kehrte er in die Große Festhalle zurück (siehe Die Rückkehr des Bären in die Große Festhalle). Somit steht das Berliner Wappentier wieder an seinem historisch belegten Platz. Die 1994 begonnene Sanierung und Rekonstruktion des Hauses hat eine weitestgehende Wiederherstellung der Hoffmannschen Architektur zum Ziel. Deshalb wurde die Große Festhalle von den Verkleidungen befreit und weitgehend in den alten Zustand versetzt. Die Decke soll später ihren ursprünglichen Putz und ihre Stuckrosetten zurückerhalten, auch um damit die Lichtkonzeption Ludwig Hoffmanns wieder herzustellen.

Brunnen im Foyer.

Im Saal wurden viele, aber nicht alle Blessuren der Geschichte repariert. Der Architekt will dies auch als Anklage gegen die Bausünden der Vergangenheit verstanden wissen.

Der Eingang zur Festhalle liegt in der Jüdenstraße, so benannt nach dem ehemals benachbarten "Grossen Jüdenhof" im mittelalterlichen Berlin. Die vom Zweiten Weltkrieg verschont gebliebenen baulichen Reste des Jüdenhofes sind erst zu DDR-Zeiten abgerissen worden. Nur der Name "Jüdenstraße" blieb übrig, eine der ältesten Straßen des historischen Stadtkerns von Berlin.

Die nachfolgenden Sätze befinden sich oberhalb der Zugänge in der Großen Festhalle. Sie stehen in der Tradition der jüdisch-christlichen Weisheitslehre, die ihre Prägnanz und alltagsbezogene Bedeutung aus dem Gegensatz von Klugheit und Dummheit, von Weisheit und Torheit schöpft.

Ungeachtet ihrer sprachlichen Eigenart sind sie heute nicht nur Teil unserer unausgesprochenen Alltagsethik, sondern bilden letztlich auch eine der ideengeschichtlichen Grundlagen unserer Rechts- und Verfassungskultur.



  • Eine gelinde Antwort stillet den Zorn, aber ein hart Wort richtet Grimm an."
  • "Wer unvorsichtig herausfährt, sticht wie ein Schwert, aber die Zunge der Weisen ist heilsam."
  • "Hadere nicht mit jemand, so er Dir kein Leid getan hat."
  • "Wer viel geredet und hält nicht, der ist wie Wolken und Wind ohne Regen."
  • "Die Böses raten, betrügen, aber die zum Frieden raten, machen Freude."
  • "Der ist nicht stark, der in der Not nicht fest ist."

Heute ist die Große Festhalle wieder ein Ort des öffentlichen Lebens der Stadt Berlin. Die Senatsverwaltung für Inneres als Gebäudenutzerin stellt die Halle der Öffentlichkeit für festliche Anlässe verschiedenster Art zur Verfügung. Der Bärensaal wird für kommerzielle, gesellschaftliche und private Nutzungen gemietet (siehe Vermietung der Großen Festhalle/Führungen).