Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Berlinerinnen und Berliner,
ich begrüße Sie zur Wiedereinweihung des Berliner Wappentiers im Alten Stadthaus - der Großen Festhalle.
Der auf diesem hohen Postament stehende Bär ist eine Bronzearbeit des Künstlers Georg Wrba. Ich freue mich besonders, dass die Enkelin des Bildhauers, Frau Cornelia Hirn, geborene Wrba, aus München angereist ist und einen Teil der Familie mitgebracht hat. Seien Sie alle herzlich begrüßt.
Der Architekt des Stadthauses, Stadtbaurat Ludwig Hoffmann, berief Georg Wrba 1906 nach Berlin, um ihn mit skulpturalen und bauplastischen Arbeiten an verschiedenen Gebäuden, aber auch Anlagen - wie dem Märchenbrunnen im Friedrichshain - zu betrauen. Er entschied sich dafür, die Ausgestaltung der Vestibüle und dieser Großen Festhalle jeweils unterschiedlichen Künstlern zu übertragen. So arbeiteten die Bildhauer Franz Naager und Ignatius Taschner unter anderem an den Vorräumen zur Festhalle.
Der "Bärensaal" aber blieb Georg Wrba vorbehalten. Er fertigte sämtliche Reliefs und Bauplastiken in diesem Saal - einschließlich des Sockels für seinen Bären, wenn auch der hier stehende Sockel heute nur noch eine künstlerische Rekonstruktion nach Wrbas Vorbild ist.
Meine Damen und Herren,
verehrter Herr Werthebach,
lassen Sie mich an dieser Stelle eine persönliche Bemerkung machen:
Herr Werthebach, Sie haben in den vergangenen Jahren für die innere Sicherheit Berlins gearbeitet. Man sagt uns Politikern immer nach, wir seien eindimensional auf politische Verfahren und Macht fixiert. Sie sind der Beweis des Gegenteils. Die Wiederaufstellung der Bärenskulptur ist ganz maßgeblich auch Ihrem persönlichen Wirken geschuldet. Dafür darf ich Ihnen als neuer Hausherr aber auch als Berliner Bürger herzlich danken.
Meine Damen und Herren,
das Konzept für diesen Raum mag Georg Wrba wohl mit Ludwig Hoffmann gemeinsam entworfen haben: Schauen Sie auf den Bären, seine Geste ist nicht überheblich, sondern eher verneigend und bedächtig. Bei aller Aufgeregtheit der letzten Tage ist es vielleicht für Berlin ein ebenso gutes wie beruhigendes Zeichen, dass er gerade jetzt an seinen historischen Ort zurückgekehrt ist. Nachdem der Bär seither im Saal stand, wurde er im Zuge der Umgestaltung des Gebäudes im Jahre 1959 in den Tierpark Berlin-Friedrichsfelde verbracht. Erst die Wiedervereinigung Berlins ermöglichte es, die Skulptur an ihren ursprünglichen und rechtmäßigen Ort zurückzuführen.Meine Damen und Herren,
zu den 1959 entfernten Kunstwerken gehören auch die vier Berlin-Säulen mit bronzenen, auf Weltkugeln stehenden Bärenskulpturen im Vestibül zur Jüdenstraße. Das ist der Vorraum, durch den Sie in die Festhalle gekommen sind. Wir haben die bisher verschollen geglaubten Säulen mit Stoffbahnen angedeutet. Säulen und Bronzen sind Werke des Münchener Bildhauers Ignatius Taschner. Durch das Engagement des Stadtkonservators von Potsdam, Andreas Kalesse, und des Potsdamer Bildhauers Rudolf Böhm, konnten die wesentlichen Teile der Säulen im April dieses Jahres wiedergefunden werden. Herr Kalesse, Herr Böhm, herzlichen Dank dafür.
Die vier Bronzen lagern derzeit noch im Märkischen Museum. Ich bin zuversichtlich, dass wir die Berlin-Säulen bald wieder in das Alte Stadthaus zurückführen können.
Der Staat kann nicht alles. Wir werden gemeinsam lernen müssen, unsere Ansprüche an das Gemeinwesen auf ein vernünftiges Maß zu begrenzen. Das gilt auch im kulturellen Bereich. Deshalb und nicht nur wegen der finanziellen Situation unserer Stadt ist es von großer Bedeutung, dass sich nicht nur der Staat für die Kulturförderung interessiert und verantwortlich zeigt.
Stiftungen und Unternehmen, aber auch einzelne Bürger haben ihrerseits beachtliches dazu beigetragen. Ich freue mich daher, dass der Herr Peter Dussmann zugesagt hat, die künstlerische Rekonstruktion der Fortuna-Figur für den Turm des Stadthauses mit 250.000 DM zu finanzieren.
Meine sehr verehrten Damen und Herren,
Lassen Sie mich etwas persönliches sagen:
Ich freue mich über den Bären hier und ich freue mich, dass diese Veranstaltung zu meinen ersten Amtshandlungen gehört.