Arbeitssenatorin Breitenbach: Berlin braucht ein Beschäftigungswachstum durch Gute Arbeit!

Pressemitteilung vom 18.12.2017

Senatsarbeitsverwaltung legt Betriebspanel Berlin 2016 vor

Die Anzahl der Betriebe in Berlin ist das zehnte Jahr in Folge gestiegen und hat mit rund 96.000 einen neuen Höchststand erreicht. Zehntausende Berlinerinnen und Berliner finden jedes Jahr eine neue Beschäftigung. Allerdings spiegelt sich diese positive wirtschaftliche Entwicklung noch nicht in der Qualität der entstandenen Beschäftigungsverhältnisse sowie in der Situation auf dem Ausbildungsstellenmarkt wider. Dies sind Fakten und Rückschlüsse aus dem Betriebspanel Berlin 2016, das Arbeitssenatorin Elke Breitenbach heute gemeinsam mit dem Institut SÖSTRA öffentlich vorstellte.

Der Anteil der atypischen Beschäftigungsverhältnisse an der Gesamtbeschäftigung in Berlin lag im Jahr 2016 bei 38 Prozent. Dies entspricht einem Anstieg von sechs Prozent seit Mitte der 2000er Jahre. Diese Entwicklung wurde ganz überwiegend von einem erheblichen Zuwachs bei sozialversicherungspflichtiger Teilzeit getrieben. Deren Anteil an der Gesamtbeschäftigung in Berlin ist im betrachteten Zeitraum um rund fünf Prozent auf 18 Prozent gestiegen. Der Anteil von Mini-Jobs lag im Jahr 2016 bei
8 Prozent und der Anteil von befristeten Arbeitsverhältnissen bei 11 Prozent.

Arbeitssenatorin Elke Breitenbach: „Der starke Zuwachs bei Teilzeitbeschäftigung deutet auf eine Teilzeitfalle besonders bei Frauen hin. Viele von ihnen wollen mehr Stunden arbeiten, finden aber keine Möglichkeit ihre Arbeitszeit aufzustocken. Deshalb ist es wichtig, diese prekären Beschäftigungsverhältnisse zurückzudrängen. Hier bleibt der Bund gefordert, endlich solche Rahmenbedingungen zu schaffen, die atypische Beschäftigung zurückdrängt. Das Normalarbeitsverhältnis muss wieder zur Regel und Gute Arbeit zum Maßstab von Beschäftigungsentwicklung werden. Gute Arbeit, das heißt insbesondere unbefristete Beschäftigung, faire und gesunde Arbeitsbedingungen sowie vor allem angemessene tarifliche Löhne. Nur in Tarifverträgen werden verbindliche Standards für Beschäftigungsverhältnisse geregelt.“

Nach wie vor ist die Tarifbindung in Berlin niedriger als im Bundesdurchschnitt. Nur
19 Prozent der Berliner Betriebe sind an einen Branchen- oder Haustarifvertrag gebunden, in denen 48 Prozent der Berliner Beschäftigten tätig sind.

Die Nachfrage der Berliner Wirtschaft nach Fachkräften war 2016 so hoch wie noch nie. Der Bedarf an Fachkräften lag im ersten Halbjahr bei 149.000 Personen und damit um rund 11 Prozent höher als im Vorjahreszeitraum. Es ist zugleich schwieriger geworden, die gestiegene Nachfrage zu decken. So ist die Zahl der angebotenen und bis zum Zeitpunkt der Befragung noch nicht besetzten Stellen im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 17 Prozent gestiegen. Ein Hinweis darauf, dass Betriebe für ihre Fachkräftenachfrage immer häufiger kein geeignetes Fachpersonal finden und sich Fachkräfteengpässe in Berlin weiter zuspitzen. Insgesamt blieb jede dritte Fachkräftestelle unbesetzt.

Arbeitssenatorin Elke Breitenbach: „Angesichts des gestiegenen Fachkräftebedarfs ist die Tarifflucht der Betriebe völlig unverständlich. Die Chance, Fachkräfte zu finden, hängt entscheidend von der Attraktivität der Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber ab. Denn Berliner Betriebe stehen in einem immer schärferen Wettbewerb um Fachkräfte mit anderen deutschen Städten und europäischen Metropolen. Gute Arbeit ist daher auch ein Wettbewerbsvorteil bei der Gewinnung von Fachkräften, insbesondere auch bei der Rekrutierung von Auszubildenden.“

47 Prozent aller Berliner Betriebe haben eine *Ausbildung*sberechtigung. Von diesen Betrieben bildeten aber nur 48 Prozent tatsächlich aus. Damit liegt Berlin immer noch unter dem Durchschnitt in Deutschland (51 Prozent). Insgesamt bildeten lediglich 22 Prozent aller Betriebe in Berlin im Jahr 2016 aus (Deutschland: 27 Prozent).

Arbeitssenatorin Elke Breitenbach: „Die Ergebnisse zeigen, dass Berlin insgesamt noch weit davon entfernt ist, ein auskömmliches Angebot an betrieblichen Ausbildungsplätzen für alle Bewerberinnen und Bewerber bereit zu halten. Wenn Betriebe nicht mehr junge Berlinerinnen und Berliner ausbilden, ist deren Klage über fehlende Fachkräfte kaum nachvollziehbar. Der sich abzeichnende Fachkräftemangel kann zu einer echten Hypothek für die Zukunft der Betriebe werden. Wer Fachkräfte will, muss Fachkräfte ausbilden. Der Senat unterstützt Jugendliche darin, Wege in die Arbeitswelt zu finden und Betriebe dabei, zusätzliche Ausbildungsplätze bereitzustellen. So ermöglichen wir mit der gerade novellierten Förderung der Verbundausbildung auch kleineren Betrieben, sich an der Ausbildung zu beteiligen. Berufsorientierende und -vorbereitende Maßnahmen geben Jugendlichen Hilfestellung, um die richtige Berufswahl zu treffen und die Jugendberufsagentur Berlin bietet jungen Menschen vielfältige Unterstützung beim Übergang von der Schule in den Beruf.“

Das Betriebspanel ist eine deutschlandweit durchgeführte Arbeitgeberbefragung. Im Jahr 2016 fand diese Befragung in Berlin zum 21. Mal statt. Wie in den Jahren zuvor kooperierte die für Arbeit zuständige Senatsverwaltung mit dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Die Datenerhebung basiert auf der repräsentativen Befragung von 813 Berliner Betrieben bzw. bundesweit mehr als 15.000 Betrieben mit mindestens einer/einem sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Erhoben wurden die Daten durch Kantar Public Deutschland. Die Auswertung lag in den Händen des Instituts für Sozialökonomische Strukturanalysen Berlin (SÖSTRA).

Das Betriebspanel ist abrufbar unter: www.berlin.de/sen/arbeit/_assets/weiteres/downloads/betriebspanel-berlin-2016.pdf