Krankenversicherung

Gesundheitskarte einer Krankenkasse mit Chip
Bild: Klaus Eppele / Fotolia.com

Versicherungspflicht

Seit dem 1. Januar 2009 sind alle Bundesbürger per Gesetz verpflichtet, eine Krankenversicherung abzuschließen. Wer den Versicherungsschutz in der Vergangenheit verloren hat, kann in seine letzte Versicherung zurückkehren. Dies gilt sowohl für die gesetzliche als auch die private Krankenversicherung.

Gesetzliche Krankenversicherung (GKV)

Seit der Einführung des Gesundheitsfonds am 1. Januar 2009 gilt für alle gesetzlich Krankenversicherten ein einheitlicher, von der Bundesregierung festgelegter Beitragssatz. Die Krankenkassen ziehen seitdem die Beiträge nicht mehr für sich selbst ein, sondern leiten diese direkt an den Gesundheitsfonds weiter, der das Geld anschließend an die Krankenkassen zur Finanzierung verteilt. Das Geld wird dabei u. a. nach Kriterien der individuellen Krankheitslast der einzelnen Krankenkassen verteilt: Krankenkassen mit vielen kranken Versicherten erhalten mehr Geld aus dem Gesundheitsfonds als Krankenassen mit überwiegend gesunden Versicherten.

Sollten die aus dem Gesundheitsfonds zugewiesenen Mittel für einzelne Krankenkassen nicht ausreichen, müssen diese einen sogenannten Zusatzbeitrag zur Deckung ihrer Ausgaben direkt vom Mitglied erheben. Andersherum können Krankenkassen, die zuviel Geld aus dem Gesundheitsfonds erhalten, ihren Mitgliedern Geld zurückerstatten.

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Hilfe bei der Kassenwahl

Die Grundleistungen der gesetzlichen Krankenkassen sind weitgehend gleich, doch gibt es große Unterschiede z. B. bei der Qualität der Beratungen, der Erreichbarkeit oder der zusätzlichen Angebote (z. B. Rückerstattung von Beiträgen oder Erlass von Zuzahlungen usw.). Die Vielzahl der Angebote zu überblicken und für die eigenen Bedürfnisse das passende Angebot herauszusuchen, ist nicht einfach. Die folgenden Fragen an die Krankenkassen helfen bei der Orientierung (Quelle: BMG):

- Welche speziellen Wahltarife bietet die Krankenkasse?
- Verlangt die Kasse Zusatzbeiträge oder zahlt sie eine Prämie aus?
- Wo bekomme ich die beste Beratung?
- Ziehe ich eine persönliche Beratung vor Ort vor oder reicht mir eine telefonische Beratung oder eine Beratung via Internet?
- Welche Zusatzleistungen bietet mir die Krankenkasse?
- Welche für mich geeigneten Behandlungsprogramme werden angeboten?
- Welches Bonussystem passt am besten zu mir?
- Was muss ich bei einer Kündigung beachten?

Die Stiftung Warentest hat auf ihren Seiten Tests und Tipps zur gesetzlichen Krankenversicherung veröffentlicht. Persönliche Beratung bei der Kassenwahl bietet die Verbraucherzentrale Berlin.

Zusatzbeiträge der Krankenkassen

Krankenkassen, die mit den Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds ihren Finanzbedarf nicht decken können, müssen von ihren Mitgliedern Zusatzbeiträge erheben um entsprechende Fehlbeträge auszugleichen. Die Höhe des Zusatzbeitrages und die Zahlungsmodalitäten sind in den Satzungen der Krankenkassen geregelt.

Ein Zusatzbeitrag kann pauschal oder prozentual vom Einkommen erhoben werden. Bei einem pauschalen Zusatzbeitrag von mehr als €8 monatlich muss die Krankenkasse die Einkommen ihrer Mitglieder überprüfen und den Zusatzbeitrag auf 1% des Einkommens begrenzen (Härtefallregelung).

Der Zusatzbeitrag ist von jedem Mitglied der Krankenkasse allein zu zahlen. Dass bedeutet, dass sich Arbeitgeber oder auch andere Sozialversicherungsträger wie die Rentenversicherung nicht an der Zahlung des Zusatzbeitrages beteiligen. Lediglich Empfänger von Arbeitslosengeld II können in besonderen Fällen von ihrem Leistungsträger einen Zuschuss zum Zusatzbeitrag erhalten. Kostenfrei mitversicherte Familienangehörige zahlen keinen Zusatzbeitrag.

Die Krankenkasse muss ihre Mitglieder mindestens einen Monat vor erstmaliger Fälligkeit des Zusatzbeitrages über die Erhebung und das damit verbundene Sonderkündigungsrecht hinweisen. Dies kann in Form eines individuellen Schreibens oder eines Artikels in der Mitgliederzeitschrift erfolgen.

Im Rahmen des Sonderkündigungsrechts kann die Mitgliedschaft zum Ablauf des übernächsten Monats auch während einer ggf. bestehenden 18-monatigen Bindungsfrist gekündigt werden. In diesem Fall muss der Zusatzbeitrag bis zum Ende der Mitgliedschaft nicht gezahlt werden. Wichtig ist, dass die (Sonder-)Kündigung der Krankenkasse bis zum Tag der erstmaligen Fälligkeit des Zusatzbeitrages vorliegt. Weist die Krankenkasse ihre Mitglieder verspätet auf das Sonderkündigungsrecht hin, verlängert sich das Sonderkündigungsrecht um den entsprechenden Zeitraum. Das Sonderkündigungsrecht gilt nicht für Mitglieder, die bei ihrer Krankenkasse einen Wahltarif abgeschlossen und sich damit für drei Jahre an diese Krankenkasse gebunden haben.

Der Kassenwechsel kann grundsätzlich zu jeder gesetzlichen Krankenkasse erfolgen. Lediglich wenige geschlossene Betriebskrankenkassen (BKK) können nicht gewählt werden. Die gewählte Krankenkasse darf keinen Interessenten, auch nicht Menschen mit schweren oder chronischen Erkrankungen, abweisen.

Gesetzliche Grundlagen für den Zusatzbeitrag sind § 175 und § 242 SGB V.

Wahltarife

Die gesetzlichen Krankenkassen können ihren Mitgliedern seit 2007 sogenannte Wahltarife anbieten. Neben den bis dahin bereits möglichen Zuzahlungsermäßigungen können auch erweiterte Leistungen (z. B. zur Inanspruchnahme alternativer Behandlungsmethoden) oder Beitragsrückerstattungen (z. B. bei Selbstbehalttarifen) angeboten werden. Informationen zu den besonderen Angeboten können direkt bei den Krankenkassen erfragt werden.

Kinder und Jugendliche in der gesetzlichen Krankenversicherung

Im Rahmen der Familienversicherung sind Kinder und Jugendliche bis zum vollendeten 18. Lebensjahr beitragsfrei mitversichert. Sie sind von sämtlichen Zuzahlungen befreit. Einzige Ausnahme: Bei den Fahrkosten muss eine Zuzahlung geleistet werden.

Für nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel gelten die folgenden Regelungen: Kindern bis zum vollendeten 12. Lebensjahr sowie Jugendlichen mit Entwicklungsstörung bis zum vollendeten 18. Lebensjahr können nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel auf Kassenkosten verordnet werden. Schutzimpfungen sind bis zum vollendeten 18. Lebensjahr von der Zuzahlung ausgenommen. Kinder und Jugendliche bis zum vollendeten 18. Lebensjahr erhalten einen Kassenzuschuss für Sehhilfen und Brillen.

Beitragsschulden

Viele Menschen in Deutschland haben seit Einführung der Versicherungspflicht hohe Beitragsschulden angehäuft, da fällige Nachzahlungen mit 5% pro Monat verzinst worden sind. Am 1. August 2013 trat das Gesetz zur Beseitigung sozialer Überforderung bei Beitragsschulden in der Krankenversicherung (Beitragsschuldengesetz) in Kraft, das u. a. Folgendes regelt:

- Bisher Nichtversicherten, die der Gesetzlichen Krankenversicherung zuzuordnen sind, werden die Beitragsschulden erlassen – allerdings nur bis zum 31.12.2013. Dies gilt rückwirkend auch für Personen, die sich bis zum 31.07.2013 zurückgemeldet haben und die noch nicht alle Schulden begleichen konnten. Bereits gezahlte Beitragsrückstände werden nicht erstattet.
- Freiwillig Versicherten werden die Schulden nicht erlassen. Für sie, wie auch für Pflichtversicherte, gilt künftig für alle Beitragsrückstände ein einheitlicher Säumniszuschlag von 1%.
- Nichtversicherte, die der Privaten Krankenversicherung zuzuordnen sind, können ebenfalls bis zum 31.12.2013 einen Versicherungsvertrag abschließen, ohne dass dafür ein ansonsten erforderlicher Prämienzuschlag berechnet wird. Um den Abbau von Beitragsschulden für die Betroffenen zu erleichtern, wird in der PKV ein Notlagentarif für säumige Beitragszahler eingeführt.

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Insolvenz der Krankenkasse

Eine Kasse kann aufgrund Ihrer wirtschaftlichen Situation durch die zuständige Aufsichtsbehörde oder infolge eines Insolvenzverfahrens geschlossen werden. Der Versicherungsschutz ist unabhängig davon für die Mitglieder gesichert. Sie können weiterhin einen Arzt aufsuchen oder eine bereits begonnende Behandlung fortführen. Dies gilt beispielsweise auch für Zahnersatz oder Reha-Maßnahmen. Nach der Schließung haben die Versicherten die Wahl, in eine andere gesetzliche Krankenkasse einzutreten. Abgewiesen werden dürfen sie nicht.

Private Krankenversicherung (PKV)

Die private Krankenversicherung (PKV) bietet ihren Versicherten unterschiedliche Tarife an – von einem schlanken Versicherungsschutz bis zum Spitzenschutz, von der Krankenvoll- bis zur Krankenzusatzversicherung. Anders als in der gesetzlichen Krankenversicherung mit ihrem weitgehend einheitlichen Leistungskatalog wählt der Versicherte in der PKV den Versicherungsschutz nach seinen individuellen Bedürfnissen und Präferenzen aus – und nimmt darüber auch Einfluss auf seine Beitragshöhe.

In Deutschland haben 8,6 Millionen Menschen eine private Krankenversicherung abgeschlossen – das sind rund 10% der Bevölkerung. Zusätzlich sind 21,2 Millionen Menschen privat zusatzversichert.

Der Verband der Privaten Krankenversicherung e. V. (PKV-Verband) ist die Vertretung der Allgemeininteressen der PKV und seiner Mitgliedsunternehmen. Er hat die Funktion, die PKV-Position in sozialpolitischen Entscheidungen durch fachliche Stellungnahmen und Anhörungen im nationalen und europäischen Gesetzgebungsverfahren einzubringen. Ferner werden die Mitgliedsunternehmen in Grundsatzfragen der Tarifgestaltung beraten.

Insgesamt gibt es 47 Unternehmen der Privaten Krankenversicherung in Deutschland. Diese Unternehmen und ihre Kontaktdaten können über die Seite des PKV-Verbandes gesucht werden. Alle relevanten Informationen für eine qualitativ hochwertige Behandlung finden Patienten mit einem privaten Krankenversicherungsschutz unter derprivatpatient.de. Ziel dieses Angebotes ist es, den mündigen Patienten zu befähigen, selbständig und auf Augenhöhe mit dem Arzt oder Therapeuten zu kommunizieren und dadurch aktiv an seiner Behandlung mitzuwirken.

Seit dem 1. Juli 2007 haben ehemals PKV-Versicherte das Recht, in den Standardtarif aufgenommen zu werden. Ist der Beitrag nachweislich zu hoch, so zahlt der Versicherte auf Antrag die Hälfte der Beiträge. Zusätzlich ist eine Unterstützung durch das Sozialamt möglich.

Private Zusatzversicherungen

Patientinnen und Patienten können eine Zusatzversicherung abschließen, wenn sie über den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen hinaus Leistungen in Anspruch nehmen möchten. Durch den zusätzlichen Versicherungsschutz können sie z. B. ihre ambulante, stationäre oder zahnärztliche Grundversorgung ergänzen. Vorab empfielt sich ein Vergleich der Angebote, denn das Leistungsspektrum und die Beitragshöhe variieren von Anbieter zu Anbieter. Es sollte genau geprüft werden, wie sich die Zusatzversicherungen zusammensetzen und welche Leistungen wirklich benötigt werden.

Die gesetzlichen Krankenkassen bieten Inzwischen in Zusammenarbeit mit Versicherungsunternehmen Zusatzversicherungen für ihre Mitglieder an. Patientinnen und Patienten sollten sich vor Vertragsabschluss darüber informieren, was im Falle eines Krankenkassenwechsels mit ihrer Zusatzversicherung geschieht. In der Regel kann der ausgehandelte Tarif der Krankenkasse mit dem Privatversicherer bei einem Wechsel nicht mitgenommen werden.