Arzneimittelrückrufe im Zusammenhang mit „Lunapharm“- Die wichtigsten Fakten in Kürze

Spritze und Ampulle
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Die Firma Lunapharm Deutschland GmbH, gegen die derzeit ermittelt wird wegen des Verdachts, unrechtmäßig mit Krebsmedikamenten gehandelt zu haben, hat ihren Sitz in Brandenburg. Zuständig für Ermittlungen, Aufsicht und deutschlandweite Information und Koordination sind daher die Brandenburger Behörden. Berlin ist auf eine schnelle und umfassende Information in erster Linie durch das Land Brandenburg, aber auch durch andere Bundesländer, in die Lunapharm geliefert hat, angewiesen.

Der Patientenschutz hat für die Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung absoluten Vorrang. Daher hat Berlin sofort einen Arbeitsstab gebildet und in den bekannt gewordenen Fällen sehr schnell gehandelt, um die betroffenen Ärzte und Patienten zu identifizieren, wo dies möglich war. Dieses Vorgehen, das über die gesetzlichen Vorgaben hinausgeht, haben auch die Experten der „Task Force Lunapharm“ in Brandenburg als beispielhaft gewertet. Nur der behandelnde Arzt kennt das Gesamtbild einer individuellen Krebserkrankung und den Therapieverlauf. Deshalb kann auch nur der Arzt entscheiden, wie er seinen Patienten am besten informiert, und ob gegebenenfalls weitere Maßnahmen nötig sind.

Die für die Arzneimittelüberwachung in Apotheken zuständige Überwachungsbehörde in Berlin ist das Landesamt für Gesundheit und Soziales (LAGeSo). Es wird sofort tätig, sobald eine Information eintrifft, dass eine Berliner Apotheke betroffen sein könnte. Das LAGeSo nimmt dann unverzüglich eine anlassbezogene Kontrolle in der Apotheke vor. Zur Gefahrenabwehr muss dies schnell geschehen, um möglichst noch vorhandene, zurückgerufene Medikamente aus dem Verkehr zu ziehen. Dies war im konkreten Fall bisher leider nicht mehr möglich. Die von den Rückrufen betroffenen Arzneimittel waren in den kontrollierten Apotheken nicht mehr vorhanden. Sie waren verbraucht worden, bevor die Rückrufe ausgelöst wurden.

Die anlassbezogene Kontrolle beginnt mit einem Anruf der Überwachungsbehörde bei der betroffenen Apotheke, in dem geklärt wird, ob noch Bestände der betroffenen Medikamente vorhanden sind. Falls dies zutrifft, werden diese sofort von der Apotheke separiert und dürfen nicht mehr abgegeben oder weiterverarbeitet werden.

Im zweiten Schritt wird die Apotheke so schnell wie möglich persönlich aufgesucht. Bei dem Besuch wird überprüft, ob die Apotheke die in solchen Fällen erforderlichen Standards einhält. Sie wird weiter darum gebeten – sofern aus den Medikamenten Chemotherapien hergestellt wurden – aus den Herstellungsdokumentationen die behandelnden Ärzte und betroffenen Patienten zu identifizieren.

Diese Ärzte werden von der Apotheke direkt in Kenntnis gesetzt und gebeten, ihre Patienten im Rahmen der Therapie zu informieren.

Auf diese Weise wurden bisher sechs, direkt oder indirekt von Lunapharm belieferte Apotheken überprüft. In Berlin wurden nach derzeitigem Kenntnisstand 22 Arztpraxen und ein Krankenhaus mit Zubereitungen oder Fertigarzneimitteln dieser Apotheken beliefert. In Brandenburg waren es vier Arztpraxen und eine Reha-Einrichtung. Insgesamt konnten so 277 betroffene Patienten identifiziert werden, die in Berliner und Brandenburger Einrichtungen behandelt wurden.

Patienten, die aufgrund der aktuellen Medienberichterstattung befürchten, betroffen zu sein, sollten sich an ihren behandelnden Arzt wenden. Alle betroffenen Ärzte, von denen wir Kenntnis haben, werden umgehend informiert. Wir tun weiterhin alles, um von den Arzneimittellieferungen betroffene Apotheken, Kliniken, Ärzte und Patienten zu identifizieren.

Chronologie

  • 17. Juli 2018
    Information des Brandenburger Landesamtes für Arbeitsschutz, Verbraucherschutz und Gesundheit an die Berliner Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung über einen Rückruf von Arzneimitteln der Firma Lunapharm Deutschland GmbH, die aus Griechenland bezogen worden waren. Auf der beigefügten Liste befindet sich eine betroffene Berliner Apotheke.
  • 24. Juli 2018
    Mitteilung der Arzneimittelaufsicht aus Bayern, dass ein dortiger Zwischenhändler von Lunapharm Arzneimittel bezogen und an eine weitere Berliner Apotheke geliefert hat.
  • 7. August 2018
    Das Brandenburger Landesamt informiert über einen zweiten Rückruf von diebstahlsverdächtigen Krebsmedikamenten, die Lunapharm dieses Mal aus Italien bezogen hatte. Zwei Berliner Apotheken sind betroffen, davon eine bereits bekannte. Insgesamt sind es jetzt drei.
  • 20. August 2018
    Auf eine Abfrage Berlins bei den anderen betroffenen Bundesländern vom 17. August meldet Rheinland-Pfalz, dass zwei weitere Apotheken in Berlin über einen dortigen Zwischenhändler mit Lunapharm-Arzneimitteln beliefert wurden.
  • 29. August 2018
    Über eine betroffene Berliner Patientin wird bekannt: Ein Rückruf von Arzneimitteln durch ein Handelsunternehmen aus Nordrhein-Westfalen, der bereits am 1. August erfolgt war, betrifft auch eine Berliner Apotheke. Der Händler hatte die Apotheke über Lunapharm beliefert. Eine Information darüber aus Brandenburg an Berlin war aber nicht erfolgt.
  • 6. September 2018:
    Das Brandenburger Landesamt informiert über weitere Arzneimittel, die aus Griechenland über Zwischenhändler in Ägypten und Großbritannien an Lunapharm geliefert wurden. Lunapharm belieferte seinerseits drei Apotheken in Berlin.