Allein Erziehen

Allein Erziehen

1991 waren 70% der Familien Ehepaare mit Kindern, 2009 sind es noch 52%. Gleichzeitig sind rund ein Drittel (32%) der Familien mit minderjährigen Kindern in Berlin allein Erziehende. Bei „ausländischen“ Familien ist der Anteil ähnlich hoch (29 %).

Allein Erziehende sind keine homogene Gruppe

Allein Erziehende sind mehrheitlich Frauen (89%). Mit steigender Kinderzahl erhöht sich ihr Anteil auf 97%. Allein Erziehende unterscheiden sich in ihren individuellen Lebenssituationen nach Alter, Schul- und Ausbildung, der Anzahl und dem Alter der Kinder, den vorhandenen Betreuungsmöglichkeiten, nach der Erwerbssituation und den damit verbundenen finanziellen Möglichkeiten. Im Vergleich mit Frauen, die in einer Partnerschaft leben, sind sie einer erhöhten Belastungssituation, einem deutlich höheren Armutsrisiko und einem damit einhergehenden höheren gesundheitlichen Risiko ausgesetzt. Allein Erziehende sind wie alle Familien angewiesen auf eine Existenz sichernde Erwerbsarbeit und auf eine gute Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Häufiger benötigen sie orientiert an den unterschiedlichen Bedarfslagen dafür Unterstützung.

Existenzsicherung

Allein Erziehende wollen den Lebensunterhalt ihrer Familie eigenständig sichern. Nicht immer deckt das Erwerbseinkommen die Existenz und Transferleistungen werden erforderlich. Dies zeigt sich u.a. auch an dem hohen Anteil der langfristig im Sozialgesetzbuch II Bezug verbleibenden allein Erziehenden (rund 42 %). Auf Bundesebene wurden in der Vergangenheit verschiedene Programme initiiert, um Wege aus dem Transferleistungsbezug zu ebnen. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales hat mit dem Ziel „ Lebens- und Arbeitsperspektiven für Alleinerziehende“ zu verbessern, in der Vergangenheit zwei Programme initiiert: „Netzwerke wirksamer Hilfen für Alleinerziehende“ und „Gute Arbeit für Alleinerziehende“, an denen auch das Land Berlin beteiligt ist.

Aktivitäten des Berliner Senats

Im Masterplan zum Gleichstellungspolitischen Rahmenprogramm (GPR) hat der Berliner Senat 2009 die Zielgruppe der Allein Erziehenden als Handlungsfeld thematisiert. Die Fachtagung „Allein erziehend-doppelt gefordert“, die im Juni 2010 stattfand, wurde zum Anlass genommen, die strukturellen Hürden und unterschiedlichen Handlungsfelder aus interdisziplinärer Sicht zu diskutieren und praxisorientierte Lösungsansätze für die Berliner Ebene zu entwickeln. Im Ergebnis auch der weiterführenden Gespräche auf Fachebene wurden vier Handlungsfelder identifiziert:

  • Einrichtung von Anlaufstellen für Familien – Alles aus einer Hand – unter besonderer Berücksichtigung der Interessen der Alleinerziehenden
  • Verbesserung des Informationsangebotes für Alleinerziehende insbesondere im Rahmen eines Internetportals
  • Verbesserungen im Hinblick auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf
  • Sicherung eines besonderen Kinderbetreuungsbedarfs

2011 wurde dem Abgeordnetenhaus von Berlin der vom Beirat für Familienfragen erarbeitet Familienbericht „Zusammenleben in Berlin“ vorgelegt. Der Bericht ist u.a. im Rahmen eines breiten öffentlichen Diskussionsprozesses entstanden und geht von einem umfassenden Familienbegriff aus. Familie ist hier „jede Gemeinschaft unterschiedlicher Generationen, in denen Menschen füreinander Sorge tragen“. Pflegeverantwortlichkeiten und die bunte Vielfalt der unterschiedlichen Familienformen sind hier einbezogen: Ehepaare, Lebenspartnerschaften, allein Erziehende, Stief-, Patchwork- und Regenbogenfamilien.

Der Familienbericht enthält Empfehlungen, die mit den Ergebnissen der oben genannten Fachtagung korrespondieren und in der zukünftigen Planung auf Landesebene enthalten sind.
Es gibt schon heute für Familien und allein Erziehende in Berlin ein vielfältiges Angebot an Information, Beratung und Unterstützung. Für die Zukunft gilt es, auch im Rahmen von gesellschaftlicher und ökonomischer Standortsicherung, die Angebote insgesamt besser zu vernetzen, der Armut von Kindern und Familien wirksam entgegen zu treten, Kinderbetreuungsangebote den immer flexibler werdenden Arbeitszeiten anzupassen und bei Aus-, Fort – und Weiterbildung, auch in Teilzeit, und Erwerbsarbeit gute Vereinbarkeitsregelungen für Familie und Beruf sicherzustellen.