Berlin – Stadt der Frauen

Die Plakataktion “Frauen bewegen Berlin” weckte in den Jahren 2001-2002 großes Aufsehen. In den U-Bahnen, Bussen und Bahnhöfen der BVG wurden fünfzehn engagierte Berlinerinnen aus Geschichte und Gegenwart der Öffentlichkeit vorgestellt. Beeindruckende Fotos, doppelsinnige Slogans und biographische Kurzinfos machten die Plakate zum Hingucker: Ja, Frauen bewegen Berlin!
Unterstützt wurde die Aktion von der BVG.

Plakataktion "Frauen bewegen Berlin"

Die Plakate zeigen Frauen verschiedener Generationen, die in Vergangenheit und Gegenwart diese Stadt geprägt und sich in unterschiedlichsten Bereichen engagiert haben.
Margarethe von Witzleben z.B. gründete bereits am Ende des 19. Jahrhunderts die erste Selbsthilfegruppe Schwerhöriger. Die Biologin Katharina Heinroth hat nach dem Zweiten Weltkrieg den Berliner Zoo wieder aufgebaut und Zootiere vor Hunger und Hungrigen gerettet. Die Taxifahrerin Klara Bloch half unter Lebensgefahr untergetauchten Jüdinnen und Juden sowie Deserteuren der Wehrmacht. Unter den Frauen, die noch heute in Berlin leben, ist
Dr. Jenny de la Torre Castro, die sich um die medizinische Versorgung Obdachloser kümmert.Sie hat “Pflaster statt Sprüche für Obdachlose” parat, wie es treffend auf dem Plakat heißt.

Klara Bloch (1908 - 1988)

Plakat mit Klara Bloch
Bild: SenGPG

Die am 13. Februar 1908 geborene Klara Bloch wuchs in einer kleinbürgerlichen Familie in Charlottenburg auf. Die begeisterte Autofahrerin arbeitete im Betrieb ihres Vaters, der ein kleines Taxiunternehmen besaß, als Droschkenkutscherin.

Nachdem die nichtjüdische Ehefrau Blochs ihn verließ und er dadurch nicht mehr geschützt war, nahm ihn Klara Bloch in ihrer kleinen Erdgeschosswohnung auf.
Die dienstverpflichtete Kontoristin versteckte ihren späteren Ehemann dort bis Kriegsende, brachte ihn ohne Lebensmittelkarten durch und schützte ihn vor den Denunziationen des Hauswarts.
Klara Bloch riskierte jedoch nicht nur für ihn Kopf und Kragen. Sie half auch anderen gefährdeten Menschen. So versteckte sie zwei jüdische Frauen, Mutter und Tochter, die mit ihrer tatkräftigen Hilfe den Krieg überlebten. Nach dem Zweiten Weltkrieg beteiligte sie sich am Aufbau Berlins, in der Hoffnung, dass “die unheilvollen Kräfte der Vergangenheit nie wieder Einfluss gewinnen”, wie es in einer Todesanzeige hieß.

Klara Bloch starb am 4. November 1988, sie ist auf dem Friedhof Heerstraße beerdigt. Heute trägt eine Einrichtung der Volkshochschule Charlottenburg den Namen dieser mutigen Frau.

Käte Frankenthal (1889 - 1976)

Plakat mit Käte Frankenthal
Bild: SenGPG

Käte Frankenthal wurde am 30. Januar 1889 in Kiel als Tochter eines jüdischen Gemeindevorstehers geboren. Sie war eine der ersten Medizinstudentinnen, die ihre Ausbildung im Deutschen Reich mit einer Promotion abschlossen.

1914 wurde sie SPD-Mitglied und war in der Frauenstimmrechtsbewegung aktiv. Von 1920 bis 1925 war Käte Frankenthal Bezirksverordnete in Berlin-Tiergarten.
Danach war sie bis 1931 Mitglied der Berliner Stadtverordnetenversammlung und gehörte dem Fraktionsvorstand ihrer Partei an. Sie war die einzige Frau in den Ausschüssen für Gesundheit, Wohlfahrt und Haushalt.

Ihr politisches Engagement richtete sich auf die Gesundheitsfürsorge von Arbeiterfrauen und Kindern. Sie kämpfte für die Abschaffung des Abtreibungsverbots in den ersten drei Monaten einer Schwangerschaft. In ihrer 1931 veröffentlichten Broschüre “§ 218 streichen – nicht ändern” argumentierte sie gegen die Haltung ihrer Parteigenossen, konnte sich jedoch nicht durchsetzen. Als sie als Nachrückerin im Preußischen Landtag erlebte, wie ihre SPD-Genossen die Politik des Reichskanzlers Brüning tolerierten, trat sie 1931 aus der SPD aus und schloss sich der Sozialistischen Arbeiterpartei an.

Käte Frankenthal floh 1933 über Prag nach New York und arbeitete 1941 an einer Denkschrift für den Aufbau eines demokratischen Gesundheitswesens in Deutschland nach Hitler mit. Ihre Facharztausbildung wurde in den USA anerkannt, zusätzlich studierte sie Psychologie. Sie arbeitete in einem Frauengefängnis und hielt Vorträge an der Frauenuniversität Vassar College. Nach Kriegsende arbeitete sie als Psychotherapeutin in New York. Sie war Mitglied in vielen öffentlichen Institutionen und veröffentlichte zahlreiche Arbeiten.

Nur besuchsweise kehrte Käte Frankenthal nach Deutschland zurück. Berlin ehrte sie 1974 zu ihrem 85. Geburtstag. Käte Frankenthal verstarb am
21.April 1976.

Alisa Fuss (1919 - 1997)

Plakat mit Alisa Fuss
Bild: SenGPG

Als Tochter einer jüdischen Kaufmannsfamilie wurde Alisa Fuss am 7. April 1919 in Berlin geboren. Sie wanderte 1935 mit der Jugend-Aliyah nach Palästina aus. Hier arbeitete sie zunächst im Kibbuz, den sie aber bald aus Protest gegen das Verhalten zur arabischen Bevölkerung verließ.

Architektur zu studieren, nicht in Erfüllung.
Sie arbeitete zunächst als Malerin auf dem Bau und als Hausangestellte. Sie engagierte sich in der damals illegalen Kommunistischen Partei Palästinas und in der Gewerkschaftsjugend. Im Kreis um Martin Buber, Brith Schalom, setzte sie sich für jüdisch-arabische Verständigung und einen binationalen Staat Palästina ein. In Berlin organisierte sie noch 50 Jahre später Dialog-Treffen zwischen gesprächsbereiten Israelis und Palästinensern und gründete den Arbeitskreis Nah-Ost.

Alisa Fuss begann in den vierziger Jahren beruflich mit Kindern zu arbeiten. Ohne Ausbildung jobbte sie in dem Kinderdorf Ben Schemen, das pädagogisch als vorbildlich galt und viele aus den KZs gerettete Kinder aufgenommen hatte. Nebenher bereitete sie sich auf das externe Lehrerexamen vor, das sie 1949 ablegte. Sie arbeitete in einer Grundschule und gab Kurse an Abendschulen für Flüchtlingskinder und junge Frauen, die aus arabischen Ländern eingewandert waren. Ab 1960 unterrichtete sie an einer Sonderschule für verhaltensgestörte, normalbegabte Kinder in Tel Aviv. In den 60er und 70er Jahren veröffentlichte sie über ihre Arbeit Aufsätze in israelischen und deutschen pädagogischen und psychologischen Fachzeitschriften. Für Alisa Fuss stand das einzelne Kind mit seiner spezifischen Geschichte, seinen Bedürfnissen und Wünschen im Mittelpunkt. Ziel schulischer Erziehung sollte es sein, jedem Kind eine seinen Möglichkeiten entsprechende individuelle Entwicklung zu ermöglichen. Ihre Artikel und Vorträge, die sie in der Bundesrepublik, in der DDR, in Österreich, der Schweiz und in Jugoslawien veröffentlichte und hielt, erregten in den 60er Jahren viel Aufsehen. Hartmut von Hentig holte Alisa Fuss daraufhin 1976 an die Laborschule in Bielefeld. Als sie im Juli 1980 in den Ruhestand ging, siedelte sie nach Berlin über.

Geprägt durch ihr eigenes Schicksal, engagierte sie sich fortan für Flüchtlinge. Sie kämpfte für die Verbesserung der Lage dieser Menschen im Alltag, gegen den wachsenden Rassismus, die alltägliche Diskriminierung und die zunehmende Gewalt gegen Minderheiten. Sie war eine der Initiatorinnen des Protests gegen die Abschiebung von Cemal Kemal Altun. Als Zeichen der Solidarität mit den bedrohten Flüchtlingen organisierte sie Autokonvois nach Hoyerswerda, Rostock und Eberswalde. Sie war Mitglied der Jüdischen Gruppe und der Internationalen Liga für Menschenrechte. In Neuengamme setzte sie sich gegen die Abschiebung von Sinti und Roma ein. Nach dem Brandanschlag auf die Gedenkstätte des Konzentrationslagers Sachsenhausen fuhr sie mit 300 Menschen nach Oranienburg.

1987 erhielt Alisa Fuss für ihr Engagement den Ingeborg-Drewitz-Preis, 1992 das Bundesverdienstkreuz. Letzteres gab sie ein Jahr später aus Protest gegen die Einschränkung des Grundrechts auf Asyl zurück. Von 1991 bis 1997 war sie Präsidentin der Internationalen Liga für Menschenrechte. Mit ihr forderte sie schon früh die doppelte Staatsbürgerschaft und ein Antidiskriminierungsgesetz. Sie trat für eine Erweiterung des Menschenrechtskatalogs vor allem um soziale Grundrechte ein. Bis kurz vor ihrem Tod am 20. November 1997 arbeitete sie aktiv im Liga-Büro.

Clara Grunwald (1877 - 1943)

Plakat mit Clara Grunwald
Bild: SenGPG

Die erfolgreichste Montessori-Pädagogin der 20er Jahre wurde 1877 in Rheydt/Rheinprovinz geboren. In Berlin arbeitete sie in Wedding und Lichtenberg als Lehrerin.

Noch vor dem ersten Weltkrieg gelang es ihr, in den von ihr unterrichteten Schulklassen in den ersten Jahren auf Noten zu verzichten.

Clara Grunwald verbreitete in Foren, Lehrgängen und Konferenzen die Montessori-Pädagogik in Deutschland.

Rückhalt für ihre Ideen fand sie im “Bund entschiedener Schulreformer”. Daran, dass sich Berlin nach dem ersten Weltkrieg zu einem Zentrum der Montessori-Pädagogik im deutschsprachigen Raum entwickelte, hatte Clara Grunwald großen Anteil. Auf ihre Anregung hin wurde das “Montessorie-Komitee” gegründet, das 1925 in die “Deutsche-Montessorie-Gesellschaft” umgewandelt wurde. Clara Grunwald war Vorsitzende dieses Vereins. Als Jüdin wurde sie 1933 entlassen, die Montessori-Pädagogik wurde verboten.

Sie gab jedoch nicht auf und unterrichtete in ihrer kleinen Wohnung weiter. Sie half jüdischen Mitbürgern und behielt einige jüdische Kinder längere Zeit bei sich, bis deren Papiere aus dem rettenden Ausland ankamen. Auch im jüdischen Umschulungslager Neuendorf bei Fürstenwalde unterrichtete Clara Grunwald heimlich die Kinder, die mit ihren Eltern dort lebten. Sie wurde mit den anderen Bewohnern des Lagers deportiert und 1943 ermordet.

Katharina Heinroth (1895 - 1989)

Plakat mit Katharina Heinroth
Bild: SenGPG

Katharina Berger wurde am 4. Februar 1895 in Breslau geboren. Nach dem Besuch des Lyzeums studierte sie Zoologie, Botanik, Geographie und Geologie. 1924 promovierte sie und arbeitete fortan an verschiedenen Universitäten mit namhaften Verhaltensforschern zusammen.

Weiterhin widmete sie sich der Verhaltensforschung, 1941 veröffentlichte sie eine Studie über das Rückkehrverhalten von Brieftauben.

Da der Zoodirektor Heck kurz vor Kriegsende vor den Russen flüchtete, war der fast völlig zerstörte Berliner Zoo Anfang 1945 ohne Leitung. Oskar Heinroth, der als Direktor in Frage kam, starb im Mai 1945. Seine Frau, Katharina Heinroth übernahm daraufhin die Leitung des Zoos und wurde vom Aufsichtsrat des Aktienvereins im September als Direktorin bestätigt. Sie übernahm damit die schwierige Aufgabe, den Zoo aus seinen Trümmern zu befreien und neu aufzubauen. Dabei hatte sie für ihre Zeit ungewöhnliche Ideen, um Geldmittel und Material zu beschaffen. Auf dem Gelände des Zoos fanden z.B. Kunst- und Kulturveranstaltungen statt, über mehrere Jahre hinweg gab es ein Oktoberfest, der Zirkus Busch hatte sein erstes Nachkriegsdomizil im Zoo.

Die schwierigste Aufgabe für Katharina Heinroth kam jedoch während der Blockade Berlins 1948/49. Der britische Kommandant von Tiergarten befahl, alle Bäume des Zoos abzuholzen, auf den Flächen Spinat anzupflanzen, die Tiere abzuschaffen und stattdessen Hühnerkäfige zu errichten. So sollte die Versorgung der Berliner Bevölkerung verbessert werden. Die couragierte Direktorin weigerte sich, diesen Befehl auszuführen und protestierte mit Erfolg beim britischen Hauptquartier für die Erhaltung des Zoologischen Gartens.

In den folgenden Jahren wurden das Elefantenhaus, das Antilopenhaus und das Flusspferdhaus wieder aufgebaut. Katharina Heinroth wurde 1949 Ehrenmitglied des Berliner Tierschutzvereins und 1953 Lehrbeauftragte für Allgemeine Zoologie an der Technischen Universität Berlin. Für ihre Aufbauarbeit erntete sie jedoch nicht den gebührenden Dank. Gegen ihren Willen wurde sie vom Aufsichtsrat des Zoos zum Jahresende 1956 vorzeitig pensioniert. Auf Betreiben einflussreicher Freunde wurde ihr in Anerkennung ihrer Verdienste um den Wiederaufbau des Zoos jedoch wenige Wochen später das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse verliehen.

Katharina Heinroth hielt auch als Pensionärin noch regelmäßig Vorträge und veröffentlichte wissenschaftliche und biographische Schriften. Daneben engagierte sie sich in vielen Vereinen. Am 20.Oktober 1989 starb sie in Berlin.

Gisela Höhne (geb.1949)

Plakat mit Gisela Höhne
Bild: SenGPG

Die 1949 geborene Gisela Höhne studierte ab 1971 an der Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch". Ab 1974 war sie Schauspielerin in Neustrelitz und Dresden. Die Geburt eines geistig schwerstbehinderten Jungen zwang sie 1976, ihren Beruf aufzugeben.

Der Theaterarbeit mit geistig behinderten Menschen widmet sich Gisela Höhne seit 1987. Seit 1991 leitet sie das von ihr aufgebaute Projekt “Sonnenuhr”, ein Theaterprojekt, das mit geistig behinderten Frauen und Männern arbeitet. Sonnenuhr bringt aber auch Menschen mit und ohne Behinderung zusammen. Die Theatergruppe RambaZamba von Sonnenuhr e.V. begann ihre Arbeit in der Werkstatt der Künste. Im Dezember 1991 hatte ihre erste Inszenierung “Prinz Weichherz” im Deutschen Theater Premiere, die 1992 eine Auszeichnung beim Theatertreffen der Jugend erhielt. Von 1993 an spielt die Truppe im eigenen Theater am Pferdestall. Es folgten zahlreiche Inszenierungen, z. B. “Ein Winternachtstraum”, “Kaffee Leben und Tod”, die Musikrevue “Die Liebe geht durch den Magen”, “Medea – Ein tödlicher Wettbewerb”, die “Weiberrevue oder Eine schöne Frau braucht keine Schminke”, “Mode” und “Macunaima”.

Zu Sonnenuhr gehören neben dem Theater auch Kunstateliers, eine Keramikwerkstatt, eine winzige Textilwerkstatt, ein Modeatelier, eine Holzwerkstatt, ein Fotoatelier und Räume für Musik. Hier können sich Menschen mit Behinderung über die Künste verwirklichen und ausdrücken und ernten dafür jene Anerkennung, die sie sonst nirgends erhalten. Diesen Menschen bietet “Sonnenuhr” eine kreative Plattform, einen Ort der Begegnung mit den Künsten, einen Ort des einander und miteinander Erlebens auch mit nicht behinderten Menschen. Dabei stehen nicht Therapie und Sozialarbeit im Vordergrund, wenn es auch ein integrierter Teil der Arbeit ist, sondern künstlerisches Arbeiten. Mit sichtbarem Erfolg, wie die bereits zahlreichen Auszeichnungen von Sonnenuhr-Arbeiten und das inzwischen auch internationale Renommee des Vereins belegen.
2009 wurde sie für ihre Arbeit mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Eleonore Kujawa (geb.1930)

Plakat mit Eleonore Kujawa
Bild: SenGPG

Eleonore Kujawa wurde 1930 im Wedding geboren. Nachdem ihr Mann 1969 starb, war sie alleinerziehende Mutter, ihrer 1962 geborenen Tochter. Die engagierte Grundschullehrerin arbeitete von 1964 bis 1985 im Arbeitskreis Neue Erziehung.

1970 wurde sie Schulleiterin der Gottfried-Röhl-Grundschule im Wedding und war damit die jüngste Schulleiterin Berlins. Der Erziehung zum Friedens- und Umweltengagement der Schüler galt ihr besonderes Interesse.

In der GEW arbeitete sie seit 1970 aktiv mit, zunächst im Ausschuss der Fachgruppe Grundschulen, dann im Hauptvorstand. Auch hier übernahm sie eine Führungsfunktion, die bis dahin als Männerdomäne galt. Von 1974 bis 1977 war Eleonore Kujawa Landesvorsitzende der GEW Berlin und damit die erste Frau überhaupt, die innerhalb des Deutschen Gewerkschaftsbundes Vorsitzende eines Landesverbandes wurde. Sie setzte sich für eine offenere gewerkschaftliche Politik ein, um die GEW aus partei-politischem Blockdenken herauszuführen. 1977 bis 1982 war Eleonore Kujawa dann Vorsitzende der Fachgruppe Grundschulen in der GEW, von 1980 bis 1986 arbeitete sie im Personalrat der Lehrerinnen und Lehrer und Erzieherinnen und Erzieher mit.

Seit 1973 ist Eleonore Kujawa Mitglied der Internationalen Liga für Menschenrechte e.V., in deren Vorstand sie von 1974 bis 1998 tätig war. 1975 gründete sie gemeinsam mit anderen den Antifaschistischen Ausschuss der Liga als Reaktion auf die ersten öffentlichen Auftritte von Rechtsradikalen bei Fußballspielen. Aus demselben Anlass initiierte und organisierte sie von 1981 an Stadtrundfahrten zu Orten des Faschismus und des antifaschistischen Widerstandes in Westberlin. Mitbegründet hat sie 1978 die Friedensinitiative Reinickendorf und 1980 die Berliner Initiative für Internationalen Ausgleich und Sicherheit, die sich gegen atomare Aufrüstung und Raketenstationierung einsetzte. Sie war Mitorganisatorin und Mitinitiatorin des Krefelder Appells. Auch an der Gründung des Vereins Aktives Museum Faschismus und Widerstand in Berlin war sie 1979/80 beteiligt, ebenso an der Ausarbeitung der Konzeption für die Ausstellung “Topographie des Terrors”.

Von 1988 bis 1991 war Eleonore Kujawa Präsidentin der Internationalen Liga für Menschenrechte und auch hier war sie die erste Frau, die diese Position besetzte. Nach wie vor ist sie in gesellschaftspolitisch besonders sensiblen Bereichen aktiv, ohne sich für eine parteipolitische Seite vereinnahmen zu lassen. So wirkt sie noch heute im Antifaschistischen Ausschuss der Internationalen Liga für Menschenrechte ebenso mit wie in der Berliner Friedenskoordination und setzt sich unermüdlich für Menschenrechte und Frieden ein.

Käthe Paulus (1868 - 1935)

Plakat mit Käthe Paulus
Bild: SenGPG

Käthe Paulus - Ballonführerin, Erfinderin und Unternehmerin - lebte nach dem Motto "den Mutigen gehört die Welt". Als Tochter eines Tagelöhners arbeitete sie zunächst als Näherin.

Im gleichen Jahr flog sie erstmals mit dem Ballon Lattemanns mit. Begeistert eignete sie sich die Kunst des Fliegens an. Am 23. Juli 1893 wagte Käthe Paulus ihren ersten Absprung aus 1200 Metern Höhe.

Als 1894 Lattemann bei einem Absprung tödlich verunglückte und ihr Sohn an Diphtherie starb, entschloss sie sich, das Fliegen aufzugeben.
Einige Jahre später stieg sie jedoch wieder in das Sport- und Showbusiness ein. Als “Aeronautin”, “Miss Polly” oder “Primadonna der Luft” reiste sie kreuz und quer durch Europa. Käthe Paulus wohnte seit 1917 in Reinickendorf, wurde wegen ihrer beein-druckenden Vorführungen auf dem Gelände der Flora in Wilmersdorf von begeisterten Fans aber zur “Wahl-Charlottenburgerin” gemacht. Bis 1912 stieg sie über 500 Mal mit dem Ballon auf, mit dem Fallschirm sprang sie rund 150 Mal in die Tiefe. Das Angebot der Preußischen Heeresluftfahrt-Verwaltung nahm sie 1912 an und entwickelte das Fallschirmpaket für das sie 1921 ein Schweizer Patent erhielt. Ihren Lebensunterhalt verdiente sich Käthe Paulus mit der Produktion von Fallschirmen und Ballons. Sie starb am 26.Juli 1935 nach langer Krankheit und wurde in Berlin-Reinickendorf auf dem Dankesfriedhof beerdigt.

Ingrid Rabe (1916 - 2012)

Plakat mit Ingrid Rabe
Bild: SenGPG

Tänzerin zu werden, das war für die 1916 geborene Berlinerin Ingrid Rabe der Traumberuf schlechthin. Sie konnte sich diesen Traum verwirklichen und übte lange Zeit diesen Beruf aus. Für sie besonders schwer waren die Kriegsjahre. Sie konnte zwar weiterhin tanzen und war auf Tourneen unterwegs.

Die Tochter blieb ohne Wissen um das Schicksal und Wohlergehen ihrer Mutter, die bis zur Befreiung im Frauenkonzentrationslager Ravensbrück inhaftiert war.

Nach dem Kriegsende tanzte Ingrid Rabe weiter, heiratete, brachte eine Tochter zur Welt und übte ihren Beruf weiter aus. Geprägt durch die Zeit des Nationalsozialismus engagierte sie sich nach 1945 zusammen mit ihrer Mutter in der Lagergemeinschaft Ravensbrück, deren Gründungsmitglied sie war. Ihre politische Arbeit versteht Ingrid Rabe Generationen übergreifend. Deshalb bemüht sie sich stets um Austausch und Dialog mit Frauen und Männern aller Altersgruppen. Ingrid Rabe ist ebenfalls Mitglied in der in Boston gegründeten Initiative “One by One”, einer Gruppe, in der sich Kinder von Verfolgten des Nationalsozialismus und Kinder von Tätern und Mitläufern begegnen. In der Organisation politisch-rassisch und religiös Verfolgter ist sie aktives Mitglied und Vertretung des Vorstandes.

Seit einigen Jahren reist Ingrid Rabe regelmäßig in die USA, wo sie Vorträge an Schulen und anderen öffentlichen Einrichtungen hält. In Berlin-Tempelhof hat Ingrid Rabe den Frauenmärz mitbegründet. Andere Bezirke nahmen sich dies zum Vorbild und organisierten ihren “eigenen” Frauenmärz. Nie in einer Partei organisiert, betrachtet sich Ingrid Rabe als politischen Menschen, der sich gegen Unrecht einsetzt. Vielen jungen Menschen ist sie mit ihrer Toleranz, Offenheit und Neugier zum Vorbild geworden.2005 wurde sie für ihre Arbeit mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.Ingrid Rabe verstarb am 20.Juni 2012.

Lydia Rabinowitsch-Kempner (1871 - 1935)

Plakat mit Lydia Rabinowitsch-Kempner
Bild: SenGPG

Lydia Rabinowitsch kam am 22. August 1871 als Tochter einer begüterten Brauereibesitzerfamilie zur Welt. Nachdem sie das Mädchengymnasium in Kowno/Litauen absolviert hatte, studierte sie von 1889 an in Zürich Naturwissenschaften.

1896 ging sie in die USA und unterrichtete am Women’s Medical College of Pennsylvania das Fach Bakteriologie und wurde 1898 zur Professorin ernannt.

Nachdem Lydia Rabinowitsch Walter Kempner, einen Mitarbeiter Robert Kochs, geheiratet hatte, kehrte sie nach Berlin zurück. Das Ehepaar hatte drei Kinder und wohnte in Lichterfelde. Lydia Rabinowitsch-Kempner arbeitete ab 1903 im Pathologischen Institut der Berliner Universität. Siebzehn Jahre war sie an der Charité tätig. Sie war als Tuberkuloseforscherin bekannt und anerkannt, publizierte und klärte über diese Infektionskrankheit auf. Wegen ihrer hervorragenden Forschungsergebnisse auf dem Gebiet der Bakteriologie erhielt sie 1912 als erste Frau in Preußen den Professorentitel. Von 1914 an leitete sie die Redaktion der “Zeitschrift für Tuberkulose”. Erst 1920 bekam sie ihre erste feste Anstellung als Bakteriologin am Krankenhaus Moabit. Sie übernahm die Leitung dieses Krankenhauses, ein noch heute gewaltiger Karrieresprung. Im gleichen Jahr starb ihr Mann, 1932 dann die Tochter an den Folgen einer Tuberkuloseinfektion.

Bereits Ende des 19. Jahrhunderts hatte Lydia Rabinowitsch-Kempner nachgewiesen, dass Milch und Milchprodukte hochgradig mit Tuberkelbazillen verseucht waren. Nach einigem Zögern entwickelte die Berliner Molkerei C. Bolle, Hauptlieferantin der hauptstädtischen Meiereiwaren, zusammen mit ihr ein Pasteurisierungsverfahren, mit dem die Milch keimfrei gemacht werden konnte.

Lydia Rabinowitsch-Kempner war sich ihrer Ausnahmeposition bewusst. Sie setzte sich in verschiedenen Verbänden für die Gleichberechtigung der Frauen ein. Unter anderem war sie Mitglied im “Deutschen Lyceumclub” und Mitglied eines Vereins zur finanziellen Unterstützung studierender Frauen. Ihr Engagement für die Frauenbewegung würdigte der “Bund deutscher Ärztinnen”, indem er sie 1924 zum Ehrenmitglied ernannte. Als Jüdin wurde sie 1934 zwangspensioniert und musste ihre redaktionelle Arbeit aufgeben. Nach langer schwerer Krankheit starb sie am 3.August 1935.

Lieselotte Raunhardt (1933-2014)

Plakat mit Lieselotte Raunhardt
Bild: SenGPG

Die 1933 in Leipzig geborene Lieselotte Raunhardt trat 1966 in die Fuhrgewerbe-Innung Berlin ein und war dort zunächst für die Verwaltung des Verbandes zuständig. 1971 wurde sie Geschäftsführerin und von 1984 bis 1998 war sie geschäftsführender Vorstand der Fuhrgewerbe-Innung.

Sie gehört dem Verwaltungsrat der Innungskrankenkasse (IKK) Brandenburg-Berlin an, ist Vorstand der Genossenschaft für das Verkehrsgewerbe und gehörte von 1979 bis 1992 der Arbeitsgemeinschaft privater Berliner Verkehrsverbände an.

Seit ihrem Ausscheiden 1998 ist Lieselotte Raunhardt Ehrenvorsitzende der Fuhrgewerbe-Innung Berlin. Als einzige Frau in der Verbandslandschaft des deutschen Güterkraftverkehrs hat sie die gewerbepolitische und die Verbandsarbeit im Berliner Verkehrsgewerbe maßgeblich mitgeprägt. In den 80er Jahren erwarb sie sich große Verdienste, als sie die Bedeutung des Wirtschaftsverkehrs für eine funktionierende Ver- und Entsorgung und damit für die Leistungsfähigkeit und Attraktivität Berlins in Politik und Öffentlichkeit verdeutlichte. Insbesondere ist ihr Einsatz in den Jahren nach 1989 zu würdigen. Mit ihrer Tätigkeit und ihrem persönlichen Engagement leistete sie einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung eines leistungsfähigen Mittelstandes in den östlichen Bezirken und im Berliner Umland. Für ihre Verdienste erhielt sie 1996 das Bundesverdienstkreuz am Bande.Liselotte Raunhardt verstarb am 8.Februar 2014 nach langer Krankheit.

Lene Schneider-Kainer (1885 - 1971)

Plakat mit Lene Schneider-Kainer
Bild: SenGPG

Lene Schneider-Kainer wurde am 16. Mai 1885 als Kind jüdischer Eltern in Österreich geboren. Während eines Aufenthalts in Paris lernte sie ihren Mann, den Münchner Arzt, Maler, Graphiker, Plakatkünstler und Bühnendeko-rateur Ludwig Kainer kennen.

Um 1914/15 porträtierte Lene Schneider-Kainer die Dichterin Else Lasker-Schüler auf einem farbenstarken, expressiven Ölbild.

Ihr Debüt als Künstlerin gab die kosmopolitisch geprägte Lene Schneider-Kainer 1917 mit einer großen Einzelpräsentation von ca. 50 Ölgemälden und Zeichnungen. Die Bilder wurden in der Galerie Gurlitt ausgestellt und ließen die Berliner Kunstwelt aufhorchen. Großes Aufsehen erregten die über 30 erotischen Illustrationen, die in dem von Wieland übersetzten Buch “Die Hetärengespräche des Lukian” erschienen. Der künstlerische Schwerpunkt der Malerin lag in den Jahren 1919-1922 auf der Anfertigung lithographischer erotischer Mappenwerke mit Titeln wie “Zehn weibliche Akte” oder “Vor dem Spiegel”. In den 20er Jahren war Lene Schneider-Kainer als Malerin und
Illustratorin berühmt. Sie genoss in Berlin hohes Ansehen und konnte sich bis zu ihrer Emigration auf dem Kunstmarkt behaupten.

1926 verließ Lene Schneider-Kainer nach ihrer Scheidung Berlin und begleitete zwei Jahre den damals bekannten Dichter Bernhard Kellermann auf seiner Asienreise. Sie malte, zeichnete und fotografierte ihre Eindrücke, die im “Berliner Tageblatt” regelmäßig veröffentlicht wurden. Nach ihrer Rückkehr präsentiert die Malerin eine Auswahl ihrer Werke aus Asien in Berlin, Magdeburg, Stuttgart, Kiel, London und Rom.

Lene Schneider-Kainer emigrierte 1933 über Ibiza nach New York. Mit großem Erfolg zeigte sie ihre Bilder auf Mallorca, in Barcelona, Kopenhagen, New York und Philadelphia. Ab 1954 lebte sie in Bolivien. Hier half sie ihrem Sohn beim Aufbau einer Stofffabrik, in der Textilien mit indianischen Mustern bedruckt und in die USA exportiert wurden. In Bolivien starb sie am 15. Juni 1971. Heute kennt außer einigen privaten Sammlern und Liebhabern der Kunst der zwanziger Jahre niemand mehr ihren Namen.

Dr. Jenny de la Torre Castro

Plakat mit Dr.Jenny de la Torre Castro
Bild: SenGPG

Geboren wurde Jenny de la Torre 1954 Nazca, in Peru. In Deutschland lebt sie bereits seit 1976. Sie studierte Medizin in Leipzig und ging 1982 nach Berlin, um dort ihre Ausbildung zur Kinderchirurgin zu absolvieren. Nach der Ausbildung promovierte sie im Klinikum Berlin Buch.

2002 gründete sie die gemeinnützige Jenny de la Torre-Stiftung in Berlin Mitte. Das Ziel der Stiftung ist es, unbürokratische medizinische Hilfe und Betreuung für obdachlose Menschen in Berlin langfristig abzusichern. Nachdem sie 2003 die Leitung einer Arztpraxis für Obdachlose der MUT_Gesellschaft für Gesundheit mbh beendete, widmete sie sich ab 2004 dem Aufbau und der Eröffnung des Gesundheitszentrums für Obdachlose, welches von ihrer Stiftung betrieben wird und bis heute unter ihrer Leitung steht. Dort arbeiten hauptsächlich ehrenamtliche Helferinnen und Helfer, Ärztinnen und Ärzte, ein Psychologe, ein Anwalt und ein Friseur.
1997 erhielt sie für ihr Engagement das Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland, 2010 verlieh ihr die Berliner Charité die Ehrendoktorwürde. 2015 ehrte der Deutsche Stifterpreis Jenny de la Torre Castro und die Arbeit ihrer Stiftung.

Margarethe von Witzleben (1853 - 1917)

Plakat mit Margarethe von Witzleben
Bild: SenGPG

Am 22. Februar 1853 als Tochter eines adligen Rittergutsbesitzers geboren, wuchs Margarethe von Witzleben auf dem sächsischen Schloss Kitzscher auf. Christlich orientiert wurden Wohltätigkeit und Aufopferung für Andere zur Richtschnur ihres Lebens.

In diesem Heim fanden Berliner Arbeitermädchen Kost und Logis und wurden in Haushaltslehre unterrichtet. Mädchen vom Lande kamen hier unter, bis sie eine Arbeitsstelle fanden.

Selbst betroffen – im 13. Lebensjahr bemerkte man bei Margarethe von Witzleben eine schleichende Abnahme des Hörvermögens – verfasste sie die Schrift “Hephata! Ein Wort an Schwerhörige und Taube von einer Leidensgenossin”. Darin formulierte sie eine Art Programm. Sie thematisierte eine nicht sichtbare Behinderung öffentlich und versuchte, schwerhörigen und ertaubten Mitmenschen Wege zu weisen, wie sie ihre kommunikative Behinderung in der Gemeinschaft ausleben können. Damit half sie Frauen, Männern und Kindern aus der Isolation heraus.

Im Jahre 1901 organisierte Margarethe von Witzleben den ersten Gottesdienst für Schwerhörige und Ertaubte. Daraus entstand die Hephata-Gemeinde. Zu einer Zeit, als Behinderten-Selbsthilfe, noch dazu von einer selbst betroffenen Frau organisiert, überhaupt nicht selbstverständlich war, gründete sie damit die erste Schwerhörigen- und Ertaubten-Selbsthilfe-Gruppe. Darüber hinaus organisierte sie Sammlungen für bedürftige Schwerhörige und Ertaubte, richtete Wohltätigkeitsbasare aus, vermittelte Arbeitsstellen und gab die Zeitung “Hephata!” heraus. Der Hephata-Verein Berlin entstand und über ihre Zeitung, über persönliche Kontakte und die Durchführung von “Sommerfrischen” für Schwerhörige und Ertaubte initiierte sie die Gründung von Selbsthilfevereinen Gleichbetroffener in vielen Städten.

1914 schlossen sich sechs Vereine und 20 Gemeinden in Deutschland zum Hephata-Bund zusammen. Als Margarethe von Witzleben am 1. Februar 1917 starb, hatte sich die Selbsthilfe der Schwerhörigen und Ertaubten in Deutschland schon fast etabliert. Heute verleiht der Deutsche Schwerhörigenbund die “Margarethe-von-Witzleben-Medaille” als höchste Verbandsauszeichnung für besondere Verdienste um die Belange der Schwerhörigen und Ertaubten. Seit 1996 trägt die 1. Schule für Schwerhörige den Namen dieser Vorkämpferin der Schwerhörigen-Selbsthilfe in Deutschland. Der Berliner Senat würdigte sie, indem er 1995 ihr Grab auf dem Wilmersdorfer Friedhof in den Rang einer Ehrengrabstätte erhob. Das Witzleben-Haus in der Sophie-Charlotten-Straße, in dem der Schwerhörigen-Verein Berlin e.V. seinen Sitz hat, erinnert ebenfalls an diese großartige Frau.

Freda Wuesthoff (1896 - 1956)

Plakat mit Freda Wuesthoff
Bild: SenGPG

Freda Wuesthoff wurde am 16. Mai 1896 in Berlin geboren. Sie wuchs in einer weltoffenen bürgerlichen Familie auf, machte 1914 Abitur und studierte Physik, Chemie und Mathematik. In München schloss sie ihr Studium mit dem Dr. phil. ab.

Als Halbjüdin bekam sie 1934 Berufsverbot, arbeitete aber nach wie vor mit ihrem Mann zusammen. Die Kriegsgräuel und die Folgen der Explosion der Atombomben in Hiroshima und Nagasaki waren der Auslöser für Freda Wuesthoff, sich der Friedensarbeit zu widmen. Sie warnte vor den Gefahren der Atomkraft und entwarf ein sehr konkretes “Arbeitsprogramm für den dauernden Frieden”. Unermüdlich wandte sie sich in Vorträgen gegen Atombombenversuche und mahnte auch vor der friedlichen Nutzung der Atomkraft.

Zur gleichen Zeit wurde die Arbeit mit gleichgesinnten Frauen ein neuer Lebensinhalt für Freda Wuesthoff. In ganz Deutschland gründete sie “Frauenringe” und gemeinsam mit Theanolte Bähnisch den “Deutschen Frauenring” als Dachorganisation. Ihrem Friedenskreis gehörten Gertrud Bäumer, Agnes von Zahn-Harnack und Elly Heuss-Knapp an. Gemeinsam wollten sie erreichen, dass in die Länderverfassungen Artikel zur
Friedensförderung aufgenommen werden sollten. Für Schulen entwickelte Freda Wuesthoff ein Konzept für Friedensunterricht.

Neben ihrer Reise- und Vortragstätigkeit zur Friedenssicherung war Freda Wuesthoff auch Mitglied in nationalen und internationalen Kommissionen für gewerblichen Rechtsschutz. Am 5. November 1956 starb die Mitbegründerin der deutschen Friedensbewegung an den Folgen eines komplizierten Armbruchs, den sie sich auf dem Weg zu einem Vortrag gegen Atombombenversuche zugezogen hatte.

Einige Lebensläufe wurden Anfang 2017 für die Internetseite aktualisiert.

Konzept und Texte: Dr. Gabriele Kämper
Fotos: Christiane Pausch