Menschenhandel

Engagement gegen moderne Sklaverei

Der Handel mit Menschen zum Zweck der Ausbeutung ist ein globales Phänomen, von dem auch Deutschland betroffen ist. Der Berliner Senat engagiert sich seit 20 Jahren gegen diese schwere Form der Verletzung von Menschenrechten.

Menschen als Ware

Weltweit werden Menschen in die Prostitution, aber auch in ausbeuterische Arbeitsverhältnisse oder in die Ehe gehandelt. Häufig müssen sie unter Bedingungen leben und arbeiten, die nur als Sklaverei bezeichnet werden können. Die Täter und Täterinnen nutzen aus, dass viele Menschen migrieren wollen und müssen, um ihre Existenz und häufig die ihrer Familien zu sichern. In den wohlhabenden Zielländern herrscht wiederum eine große Nachfrage nach billigen Arbeitskräften zum Beispiel im Haushaltsbereich oder im Baugewerbe, aber auch nach Ehefrauen und Prostituierten, die vermeintlich bestimmten Klischees entsprechen.
Zum Zweck der sexuellen Ausbeutung werden in erster Linie Frauen gehandelt. Einige werden mit dem Versprechen auf eine Arbeitsstelle oder eine Eheschließung getäuscht, andere werden gezielt für die Prostitution angeworben, rechnen aber mit fairen Arbeitsbedingungen. Häufig kommen sie jedoch in eine Situation totaler Abhängigkeit, die von Gewalt, Drohungen und Rechtlosigkeit geprägt ist. Die Angst vor den Menschenhändlern und ihr zumeist illegaler oder unsicherer Aufenthaltsstatus hindern sie daran, sich Hilfe bei der Polizei oder anderen Behörden zu holen.
Von der Öffentlichkeit weniger wahrgenommen wurde lange Zeit der Menschenhandel zum Zweck der Ausbeutung der Arbeitskraft, von dem Männer und Frauen betroffen sind. Fälle extremer Ausbeutung finden sich in den unterschiedlichsten Branchen, so beispielsweise im Bau-, Reinigungs- und Dienstleistungsgewerbe, der fleischverarbeitenden Industrie, im Hotel- und Gaststättengewerbe und im Bereich der privaten Haushaltshilfen und Pflegekräfte. Durch Schuldknechtschaft und Arbeitsbedingungen, die an die Sklaverei erinnern, werden die Betroffenen in Abhängigkeit gehalten und finden kaum einen Ausweg aus dieser Situation.

Ausmaß des Menschenhandels

Da von einem großen Dunkelfeld auszugehen ist, lässt sich das tatsächliche Ausmaß von Menschenhandel nur schwer beziffern. Das Statistische Amt der Europäischen Union (Eurostat) hat 2013 einen Bericht vorgelegt, demzufolge im Zeitraum von 2008 bis 2010 in den Mitgliedstaaten 23.632 ermittelte oder mutmaßliche Betroffene von Menschenhandel bekannt geworden sind. Das Lagebild Menschenhandel des Bundeskriminalamts weist für das Jahr 2011 in Deutschland 495 abgeschlossene Ermittlungsverfahren wegen Menschenhandels zum Zweck der sexuellen bzw. der Arbeitsausbeutung mit insgesamt 672 Opfern auf. Expertinnen und Experten sind sich einig, dass die bekannten Zahlen nur die Spitze des Eisberges darstellen.

Rechtslage

Sowohl der Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung als auch der Menschenhandel zum Zweck der Ausbeutung der Arbeitskraft sind im Strafgesetzbuch als eigenständige Straftatbestände normiert (§§ 232, 233 StGB). Der Zwang zum Eingehen einer Ehe ist seit dem 1.7.2011 ein eigenständiger Straftatbestand (§ 237 StGB).

Engagement gegen den Menschenhandel in Berlin

In Berlin setzt sich die interdisziplinäre Fachkommission Menschenhandel dafür ein, die Situation der Opfer zu verbessern, ihren Schutz zu gewährleisten und gleichzeitig die Strafverfolgung wirksamer zu gestalten. Dazu wurde unter anderem ein erfolgreiches Modell der Kooperation zwischen Polizei und Beratungsstellen etabliert. Beratungsstellen und Zufluchtseinrichtungen bieten den Betroffenen darüber hinaus die dringend erforderliche Beratung und Betreuung sowie teilweise eine sichere Unterbringung.

Der Senat misst dem fachlichen Austausch und der Vernetzung über die Landesgrenze hinweg große Bedeutung zu. Die Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen ist daher ständiges Mitglied der beim Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend angesiedelten Bund-Länder-AG Menschenhandel und vertritt dort die Konferenz der Gleichstellungs- und Frauenminister/innen (GFMK).